Zur 725-Jahr-Feier bekommt Motzenrode eine Ortschronik

Noch provisorisch: Durch die Recherche und Aufräumarbeiten auf dem Dachboden des Dorfgemeinschaftshauses in Motzenrode ist jetzt ein kleines Archiv für den Ort entstanden.

Motzenrode. Zahlreiche Treffen, unzählige Arbeitsstunden am Computer, Recherchefahrten in das Stadt- sowie Kirchenarchiv Eschwege und das Staatsarchiv Marburg und vier Wochen Aufräumaktion auf dem Dachboden des Dorfgemeinschaftshauses: Motzenrode bekommt eine Ortschronik.

Über zwei Jahre haben Heike Schwanz, Anke Schmidt, Hans Isenberg, Michael Schmidt, Ortsvorsteher Karsten Hose und Kerstin Habla Informationen und Geschichten über Motzenrode zusammengetragen und in einem Buch zusammengefasst.

„Die Arbeit hat unglaublich viel Spaß gemacht“, sagt Michael Schmidt. Am Samstag stellt die Gruppe ihr Buch „Dorfgeschichte(n) Motzenrode“ im Dorfgemeinschaftshaus vor. „Wir haben absichtlich das Wort Chronik vermieden, weil wir uns nicht anmaßen wollten, einen vollständigen chronologischen Ablauf erreicht zu haben“, sagt Habla. Viel wichtiger sei es der Gruppe gewesen, eine lebendige Ortsgeschichte zu schreiben. „Wir haben auch viele persönliche und menschliche Schicksale und Beschreibungen aufgegriffen, die das Leben in den verschiedenen Epochen lebendig und anschaulich darstellen“, sagt Habla.

Dass die Fischteiche vor Motzenrode bereits über 250 Jahre alt sind, dass die Steine für das Landgrafenschloss Eschwege aus einem Motzenröder Steinbruch stammen oder die Reichensächser Wichtel ursprünglich in Motzenrode lebten – bei ihren Recherchen haben die Autoren auch viel über ihren Heimatort herausgefunden, was sie bis dahin selbst nicht wussten. „Ich gehe jetzt mit ganz anderen Augen durch den Ort“, sagt Michael Schmidt.

„Die Arbeit hat unglaublich viel Spaß gemacht.“

Allein vier Wochen hat das Team Chronik im Sommer den Dachboden des Dorfgemeinschaftshauses aufgeräumt und dabei viele Schätze entdeckt – und ganz nebenbei entstand so auf dem nun sauberen Dachboden ein Archiv für den Meinharder Ortsteil. „Jetzt würden wir gerne den Dachboden ausbauen und dämmen, sodass das Archiv auch richtig genutzt werden kann“, sagt Hose.

Vor allem das noch alle 18 Bände der Gesetzestexte von Kurhessen erhalten waren, freute Hans Isenberg. Der ehemalige Geschichtslehrer und Hobby-Historiker aus Langenhain hat die Motzenröder bei ihren Recherechen unterstützt und war auch bei der Übersetzung der Sütterlin-Schriften behilflich.

Isenberg hat auch ein Kapitel über Motzenrode in der NS-Zeit verfasst: „Die Motzenröder sind total auf die Nazis abgefahren, 1933 haben 67 Prozent für die NSDAP gestimmt.“ Zu finden sind aber auch anschauliche Berichte über Sagen und Mythen, Motzenrode in der frühen Neuzeit, dem 19. Jahrhundert oder das Leben in dem Bergdorf im Mittelalter. „Das Leben hier war nicht immer einfach, die Leute mussten hart arbeiten und hatten wenig“, sagt Habla. Daher stammt auch der Name Dückefetter oder auch Dückewerker, denn Dückefett war das Arme-Leute-Essen in Motzenrode.

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