Freundschaft von zwei Männern

30 Jahre Mauerfall: Der taffe Ex-GI weint am Zaun - Erinnerungen

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Erinnerungsfoto am offenen Grenzzaun Katharinenberg: Hans Giller (links) und sein enger Freund, der ehemalige amerikanische Soldat John F. Water lassen sich zusammen am 13. November 1989 fotografieren. 

Hans Giller aus Schwebda und den amerikanischen EX-GI John F. Water verbindet eine enge Freundschaft. Der Zufall will, dass die beiden Männer gemeinsam den Fall der Mauer 1989 erleben. 

Die Freundschaft zwischen Hans Giller aus Schwebda und John F. Water begann mit Whisky und Zigaretten irgendwo zwischen dem Wiener Café und dem „Dietemann“ in Eschwege zu Beginn der 1970er-Jahre. Zwei junge Männer, der eine wohnt in Schwebda, der andere ist amerikanischer Soldat, feiern gemeinsam, besuchen einander und werden Freunde. Water gehört zum amerikanischen Horchposten auf dem Hohen Meißner. 1972 geht Walters zurück in seine Heimat, das südkalifornischen San Diego. Giller bleibt.

Die Freundschaft hält über einen Ozean hinweg 

Doch die Freundschaft hält. Sie schreiben Briefe, telefonieren und schicken sich manchmal Tonbänder. Water hat einmal im Jahr geschäftlich in Deutschland zu tun und besucht seinen Freund Hans und dessen Frau Heide in Schwebda, das Paar fliegt in die Staaten, später wird Water Pate für Gillers Tochter Julia, die 1978 auf die Welt kommt.

Am Katharinenberg bei Wanfried 

Auch im November 1989 ist Water gerade in Schwebda zu Besuch. Am 13. November hat er Geburtstag. Giller und Water sitzen am Frühstückstisch, wollen ins Brotmuseum nach Ebergötzen. Doch als sie auf die Bundesstraße rollen wollen, geht dort nichts mehr. Die Straßen gen Westen sind mit Trabis und Wartburgs verstopft. Also wenden die beiden Männer und schaffen es bis zum Hof Scharfenberg. 

Zu Fuß erklimmen sie den Katharinenberg, wo sich ein breiter Durchgang in dem so lange Zeit unüberwindlichen Zaun öffnet. „Als wir an die offenen Grenze kamen, habe ich diesen taffen Kerl das erste Mal weinen sehen“, erinnert sich Giller. Water sagt damals zu seinem Freund: „Wir hatten ja eine Vorstellung davon, wie es mit den Spannungen zwischen Ost und West stand – und dann war es so friedlich zu lösen.“

"Das kann alles nicht wahr sein"

Giller selbst sagt: „Ich hab nur gedacht, das kann alles nicht wahr sein.“ Er erinnert sich auch daran, dass das Thema Wiedervereinigung nicht wirklich ein politisches Thema im geteilten Deutschland war. Erst unter der Kanzlerschaft von Willy Brandt (SPD) lösten sich die Spannungen, wenn auch nur zögerlich. 

Dazu sagt auch Gillers amerikanischer Freund: „Ihr habt nie begriffen, wie gefährlich der Einmarsch der Russen 1968 in Prag war, die Welt stand damals kurz vor dem Dritten Weltkrieg – hätten die Amerikaner seinerzeit nicht still- gehalten.

Erste Kontakte zu Eichsfeldern

Doch an diesem 13. November scheint sich alles in Luft aufgelöst haben. „Die Freude der Menschen hat sich auch auf uns übertragen“, erzählt Giller. „Die waren alle so glücklich.“ Das Nachdenken über die Folgen des Mauerfalls sei erst später gekommen. Giller, damals schon aktiv in der SPD, klappert mit seinen Genossen alle Dörfer des Eichsfeldes ab und knüpft Kontakte zu den östlichen Nachbarn. „Von denen lernten wir, wie man aus nichts was machen kann.“

Freundschaft hält ein Leben lang

Die Freundschaft zwischen Hans Giller und seinem Freund John F. Water, in der auch viel politisiert wird, hält ein Leben lang. 2005 stirbt Water, der, so Giller, ein „glühender Demokrat und Amerikaner von Grundauf war“. Wenn Giller heute auf die politische Landschaft in der Welt schaut, sagt er: „Mein Freund John würde sich im Grabe umdrehen.“

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