Weil sie Kinder liebt

Ellen Fusch geht nach 42 Jahren Kindergartenleitung in Grebendorf in Rente

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So, wie sie es am liebsten hat: Inmitten von Kindern fühlt sich Ellen Fusch, die alle nur Ello rufen, am wohlsten.

Grebendorf. Ellen Fusch bringt ihre Leidenschaft auf den Punkt. „Ich liebe einfach Kinder“, sagt die Frau, die alle nur Ello rufen und die heute nach 42 Jahren als Leiterin des Kindergartens in Grebendorf „ihre“ Villa Kunterbunt verlässt. Der Abschied fällt ihr sichtlich schwer.

Das weinende Auge stellt das lachende deutlich in den Hintergrund.

Das lachende Auge

Mit dem lachenden Auge geht die 65-Jährige, weil mit der Zeit der Druck und die Aufgabenbelastung enorm gestiegen sind. Als die Grebendorferin am 1. August 1976 ihre Arbeit als Leiterin des Kindergartens der Arbeiterwohlfahrt aufgenommen hat, sah die Arbeit einer Erzieherin noch komplett anders aus. „Die Kinder waren genügsamer“, sagt Ellen Fusch. Mit der Zeit sind die Anforderungen der Kinder und der Eltern an die Erzieher stetig gewachsen. Auch die Politik habe dazu beigetragen. Leider sei die Vergütung nicht im gleichen Maß wie die Ansprüche gewachsen. „Für unsere anspruchsvolle Arbeit mit der langen Ausbildungszeit steht die Bezahlung in keinem Verhältnis“, sagt Fusch. Von der Rentenversicherung wurde ihr jetzt beispielsweise mitgeteilt, dass ein Teil der Ausbildung nicht berücksichtigt wird, spricht sie ein aktuelles Problem an.

Das weinende Auge

Doch die schönen Momente in ihrem Berufsleben haben ganz klar überwogen. Deswegen wird das weinende Auge – gerade heute – mehr gefordert sein. Fast 1000 Kinder in mittlerweile schon dritter Generation hat sie in den 42 Jahren ihrer Tätigkeit in Grebendorf zur Schulreife gebracht. Mit vielen, die in der Gegend geblieben sind, besteht ein freundschaftliches Verhältnis, wenn man sich wiedersieht. Zu allen, selbst zu den schlimmsten Rabauken, hat sie eine Beziehung aufbauen können. „Um die kümmert man sich dann besonders intensiv“, sagt sie. Kinder seien ehrlich und spontan, das mag sie an ihrem Beruf. Eine besondere Belohnung sei, wenn sich die Kinder nach den Ferien oder nach einem Urlaub freuen, dass sie wieder da ist. „Das kommt wirklich von Herzen.“

Die Zukunft

So ganz vorstellen, dass die Arbeit mit den Kindern bald vorbei sein soll, kann sie es sich noch nicht. Deswegen hat sie vorgesorgt. Vor einigen Jahren hat sie sich ein riesiges Puppenhaus als Bausatz gekauft, das sie aufbaut und einrichtet. Entspannen kann sie bei Scherenschnitten und Puzzles. Und auch für die sportliche Betätigung hat sie jetzt Zeit: Mittwochs wird ab sofort mit dem Werratalverein gewandert. Großen Anteil hat sie an der Gründung der Kinderfeuerwehr Grebendorf. Der wird sie auch in Zukunft treu bleiben. Und wenn die Sehnsucht ganz besonders groß ist, kommt sie zurück an den Ort, der die vergangenen 42 Jahre ihr Zuhause war: Ihre Villa Kunterbunt. Weil sie Kinder einfach liebt.

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