Handwerker immer auf der Höhe - Der fliegende Dachdecker

Marice Knur , Dachdecker aus Jestädt
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So sieht er im normalen Leben aus: Der selbstständige Handwerker beschäftigt drei Mitarbeiter. 

Dachdecker Maurice Knur ist gern Handwerker, aber seine noch größere Leidenschaft gilt dem Gleitschirmfliegen. Mit Höhe hat er kein Problem - weder beruflich noch in der Freizeit. 

Jestädt – Höhe, sagt Maurice Knur, mache ihm nichts aus. Das ist auch gut so. Ansonsten könnte er weder seinen Beruf, noch seine große Leidenschaft ausüben: Dachdecken und Gleitschirmfliegen. Für beides bedarf es eines hohen Maßes an Konzentration und Präzision.

Seit 20 Jahren Meister

Seit 20 Jahren – so lange hat Knur seinen Meisterbrief in der Tasche – ist er selbstständig und führt sein eigenes Unternehmen mit drei Angestellten. Von der Meisterpflicht im Handwerk hält er viel, ein Aufweichen nicht für sinnvoll. „Die Kunden haben so die Sicherheit, dass sie einen Handwerker bestellen, der weiß, was er tut“, sagt er.

Klimawandel macht Arbeiten für Dachdecker schwieriger

Dass sich die Arbeit in den vergangenen zwei Jahrzehnten verändert hat, hat auch Maurice Knur zu spüren bekommen. Nicht, weil sich die Konjunkturlage geändert hat, die Wirtschaft Höhen und Tiefen durchlebt hat oder die Kunden anstrengender wurden. Nein, die Veränderungen im Klima machen ihm und seinen Kollegen zu schaffen. Es sei deutlich heißer geworden, berichtet er von den vergangenen Sommern. „Auf dem Dach knallt es nochmal besonders.“ Mittlerweile könne man in den Sommermonaten oft nur bis 14 Uhr arbeiten. Dafür müsse man um fünf Uhr loslegen. Im Herbst und Frühjahr wüteten hingegen mehr Stürme, die die Auftragsbücher der Dachdecker allerdings füllten.

Das beeinflusst Knurs Jahresplanung. Im Winter hat der Handwerksmeister seinen Laden eigentlich drei Monate komplett geschlossen. Zum einen wegen des schlechten Wetters, was auf dem Dach nochmal besonders zum Tragen kommt, zum anderen wegen seiner Gleitschirm-Leidenschaft. Im Winter reist Knur mit Frau und Sohn, die seine Leidenschaft teilen, gerne auf die Südhalbkugel. Über 50 Länder haben sie schon gesehen. Hier sammeln sie ganz neue Erfahrungen. „Wenn ich in der Luft bin vergesse ich alles und schalte komplett ab.“

Seit 30 Jahren Gleitschirmflieger

So sieht er im normalen Leben aus: Der selbstständige Handwerker beschäftigt drei Mitarbeiter.

Das Gleitschirmfliegen hat Maurice Knur vor 30 Jahren begonnen. Von der Pike auf gelernt hat er es nicht. „Von einem Freund habe ich einen Gleitschirm geschenkt bekommen und mich allein den ersten Berg hinabgestürzt“, erinnert er sich. Es war immer sein Kindheitstraum. Von Kella und Aue aus hat er die meisten Erfahrungen gesammelt. Mittlerweile fliegt er seit fünf Jahren in der deutschen Gleitschirmliga. 2017 wurde er Deutscher Meister, in diesem Jahr hat er am World Cup in China teilgenommen.

Im Oktober nach Brasilien - 562 Kilometer will er am Stück durch die Luft gleiten

Im Oktober steht eine besondere Herausforderung an. Mit sechs anderen Piloten will er in Brasilien den Weltrekord auf der Langstrecke brechen. Mehr als 562 Kilometer am Stück muss er dafür zurücklegen. Zehn bis 11,5 Stunden wird er dafür in der Luft sein. „Dafür muss aber alles passen“, sagt Knur – neben Wind und Thermik auch die mentale Stärke. Beim ersten Versuch im vergangenen Jahr war das das Problem. 408 Kilometer schaffte er damals. „Um richtig gut vorbereitet zu sein, habe ich aber falsch geschlafen.“

In Pakistan auf 7000 Meter Höhe

Einen seiner größten Träume möchte sich Maurice Knur demnächst auch erfüllen. In Pakistan will er mit seinem Gleitschirm auf über 7000 Meter aufsteigen. Für Maurice Knur kein Problem. Höhe macht ihm ja nichts aus – weder im Job noch in der Freizeit.

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