Wald oberhalb von Grebendorf besonders betroffen

Förster in Sorge: Der Borkenkäfer breitet sich rasant im Wald aus

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Hier hat der Borkenkäfer seine Familie gegründet: Meinhards Förster Matthäus Settke untersucht eine Lärche oberhalb von Grebendorf, die massiv durch den Borkenkäfer geschädigt ist und absterben wird.

Erst fegte im Januar Sturmtief Friederike übers Land, dann kam der trockenste und heißeste Sommer seit Beginn der Wetteraufzeichnungen - und jetzt bereitet eine  hohe Population an Borkenkäfern den Förstern Sorgen.

Die Bergkuppe im Wald oberhalb von Grebendorf sieht aus wie nach einem Reaktorunglück in der Ukraine. Graubraune Stümpfe, verrottende Äste, ins Leere ragende Baumwurzeln und einige Lärchen, denen die Rinde fehlt. 

Die Kuppe gehört zu den Arealen des Waldes, in denen das Sturmtief Friederike im Januar dieses Jahres besonders erfolgreich wütete. „Von den zwei Millionen Festmeter Windwurf, die Friederike produziert hat, sind 8900 Festmeter im Revier Meinhard gefallen“, sagt Förster Matthäus Settke, der für den Landesbetrieb Hessen-Forst für die Gemarkungen Meinhard und Wanfried zuständig ist.

Holzmarkt wurde nach Friederike mit Fichtenholz überschwemmt

Ödnis: Orkan Friederike hat hier oberhalb von Grebendorf ganze Arbeit geleistet. Ob die Natur sich hier selbst wieder erholen soll oder aufgeforstet wird, muss noch entschieden werden.

Die hat das Forstamt auch aus dem Wald holen lassen und aufgearbeitet. Von dem Windwurf waren 80 Prozent Fichten, zehn Prozent Rotholz und fünf Prozent Buchen beziehungsweise Eichen betroffen. Nach Friederike ist die Nachfrage nach Fichtenholz auf dem Holzmarkt stark zurückgegangen. „Der Markt ist nach dem Sturm einfach überschwemmt worden“, weiß der Förster. Und diese Sättigung wird auch noch anhalten.

Das Waldstück oberhalb von Grebendorf gehört verschiedenen Waldbesitzern, die jetzt entscheiden müssen, was dort forstwirtschaftlich künftig passieren soll: Aufforstung oder sich den Wald wieder selbstständig entwickeln lassen. Beides ist möglich. „Die Natur erholt sich von selbst“, sagt Settke, „aber hier wieder Wirtschaftswald entstehen zu lassen, wird schwieriger.“

Borkenkäfer-Population hat im Spätsommer und Herbst ordentlich zugelegt

Doch während Friederike nach ein paar Stunden und getanem Werk wieder abgezogen ist, breitet sich jetzt ein neuer und nachhaltigerer Feind der Bäume aus: der Borkenkäfer. Dessen Populationszuwachs hat im Spätsommer und Herbst massiv an Fahrt aufgenommen. Begünstigt wurde dessen Ausbreitung zunächst durch die vielen sturmbedingt umgestürzten und abgebrochenen Bäume, da der Käfer sich eigentlich in geschädigtem Holz niederlässt. 

Doch weil es dank des Windwurfs und des langen, warmen und trockenen Sommers reichlich Nachwuchs gab, haben die Borkenkäfer inzwischen begonnen, auch an gesunde Bäume zu gehen. Folgt nach dem Winter ein halbwegs warmes Frühjahr, dürfte die Population explodieren. „Wir haben überhaupt keine Kapazitäten, um alles Holz, das vom Borkenkäfer befallen ist, einzuschlagen“, sagt Settke. „Wir können nur versuchen, die Ausbreitung so gut wie möglich einzudämmen.“

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Vom Windwurf betroffen waren beim Sturmtief Friederike in erster Linie Fichtenbestände. Vor allem veränderte klimatische Bedingungen erfordern ein Umdenken. „Man muss prüfen, ob die Fichte an bestimmten Standorten noch der richtige Baum ist“, sagt der Förster. Eine Alternative seien beispielsweise die Douglasie und die Küstentanne.

Hintergrund: Waldbewirtschaftung und Hessen Forst

Hessenweit hat das Sturmtief Friederike im Januar 2018 zwei Millionen Festmeter Holz umgeworfen. Betroffen waren größtenteils Fichtenbestände, Rotholz, Lärchen und Kiefern. Im Revier Meinhard/ Wanfried, das eine Fläche von 1500 Hektar umfasst und das von Hessen Forst betreut und bewirtschaftet wird, waren es 8900 Festmeter. Pro Festmeter aufgearbeitetem Holz bekommt der Landesbetrieb sechs Euro. Das Land Hessen fördert die Aufarbeitung von Sturmholz mit drei Euro je Festmeter und unterstützt bei der Neugründung von Kulturen.

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