Gerd Heuckeroth aus Schwebda züchtet seit vielen Jahren Bonsaipflanzen

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Ein Ficus als Bonsai.

Schwebda. Die älteste Bonsaipflanze im Wintergarten von Gerd Heuckeroth in Schwebda ist seit mehr als 30 Jahren kleinwüchsig.

Doch dem Elefantenbaum im Miniaturformat sieht man sein Alter nicht an. „Den habe ich von meiner Mutter übernommen. Das heißt, die Pflanze selbst ist deutlich älter“, sagt Heuckeroth.

Um die 30 kleine Bäume finden sich zur kalten Jahreszeit in dem Wintergarten, der dem Bonsaigärtner auch als Werkstatt dient. Viel braucht man nicht, die Pflanzen sind klein und um sie zu gestalten, reichen kleine Spezialzangen und Draht auf Rollen.

Die japanische Kunst entdeckte Heuckeroth zu Beginn der 1980er-Jahre für sich. Ein Bekannter hatte ihn um eine Bonsaipflanze gebeten. Die besorgte Heuckeroth im bis heute bestehenden Bonsai-Zentrum in Heidelberg zu einer Zeit, als Bonsai in Mitteleuropa weitestgehend unbekannt war. Heuckeroth war fasziniert und buddelte seine erste Lärche im nordhessischen Wald aus und versuchte sich an ihr. Der Baum überstand das erste Jahr nicht.

Ein Ficus als Bonsai.

„Ich wusste einfach nichts darüber.“ Doch schnell kamen auch hierzulande die ersten Bücher auf den Markt und Heuckeroth konnte sich professionalisieren. „Trotzdem war viel Learning by Doing dabei“, sagt der 67-Jährige heute.

1994 gründete Heuckeroth nach einer Kirmes den Arbeitskreis Bonsai, dem heute Bonsaifreunde aus Meinhard, Eschwege und Sontra angehören. Einmal im Monat treffen sie sich, bringen ihre Zöglinge mit und arbeiten daran. Und das ist regelmäßig notwendig. Denn: „Jeder Baum will groß werden“, sagt Heuckeroth. Bei ihren Treffen machen sie auch regelrechte „Fallbesprechungen“.

Bei der Baumbearbeitung verfolgen die Bonsaimacher auch bestimmte Stilrichtungen, in deren Rahmen sie sich aber relativ frei bewegen. So gibt es die sogenannte Kaskadenform, bei der die Pflanze eher nach unten strebt oder den windgepeitschten Baum, der sich in eine Richtung legt.

Doch bei dieser einst aus Fernost stammenden Gartenkunst ist nicht nur Gestaltungstalent, Geduld und Kontinuität gefragt, es bedarf auch Wissen über Biologie.

Bäume beispielsweise, die in unseren Breiten auch natürlich vorkommen, sollen auch im Freien überwintern. „Die brauchen ihre Jahreszeiten“, sagt Heuckeroth. Außerdem muss man wissen, welche Böden und welche Düngung sie brauchen.

Der Arbeitskreis Bonsai leidet wie viele andere Vereine vor allem darunter, dass sich kein Nachwuchs findet – außer an den ewig wiederkehrenden Trieben der kleinen Bäume, die eigentlich ganz groß werden wollen.

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