Wahl am 9. Februar 2020

Meinhards Bürgermeister Gerhold Brill kandidiert noch mal: „Ich kann's einfach“

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Kandidiert für eine zweite Amtszeit: Gerhold Brill ist seit knapp sechs Jahren Bürgermeister der Gemeinde Meinhard. Im Februar nächsten Jahres will der 64-Jährige es noch mal wissen und stellt sich zur Wahl – bislang ohne Gegenkandidaten.

Meinhards Bürgermeister will noch mal für sechs Jahre ins Rennen. Warum er zur zweiten Amtszeit antritt, erklärt er im Interview. 

Grebendorf – Am 9. Februar 2020 sind die Meinharder zur Wahl ihres Bürgermeisters aufgerufen. Der Termin wurde jetzt bekannt gegeben. 

Bisher einziger Kandidat ist Amtsinhaber Gerhold Brill (parteilos). Wir haben mit ihm über eine nächste Amtszeit und die zurückliegenden sechs Jahre gesprochen.

Herr Brill, was sind Ihre Ziele für eine zweite Amtszeit in der Gemeinde?

Wir müssen unsere Schulden weiter abbauen und den Sanierungsstau bei Straßen und Gehwegen in der Gemeinde abtragen. Aktuell sprechen wir für Letzteres von einer Summe von 2,5 Millionen Euro. Investitionsstaus haben wir auch bei den Feuerwehren. Da stehen der Neubau von Feuerwehrgerätehäusern und die Anschaffung von neuen Feuerwehrfahrzeugen auf der Agenda. Dorfgemeinschaftshäuser müssen saniert werden.

Meinhard erlebt einen erfreulichen Zuzug junger Familien. Ist die Gemeinde dem gewachsen?

Im Moment haben wir ausreichend Kindergartenplätze in den drei Einrichtungen, aber wenig Puffer. Der geplante Waldkindergarten hätte hier für Luft gesorgt. Ich will mit der Meinhardschule in Verhandlungen gehen, ob wir hier Räumlichkeiten für eine zusätzliche Kitagruppe finden können. Viele berufstätige Eltern wünschen sich Ferienspiele auch in anderen Ferien. Das muss in den politischen Gremien beraten werden, ob wir das stemmen können.

Aber auch der Anteil der Älteren wächst weiter. Sind deren Bedürfnisse ausreichend im Fokus?

Wir haben schon einiges erreicht, wie den Sicherheitsberater für Senioren oder den Bürgerbus. Aber das reicht nicht. Wir müssen unsere Alten besser betreuen. Die Kirche ist sehr engagiert. Aber wir müssen Seniorenbetreuer finden, die die Menschen vielleicht einmal in der Woche besuchen. 

Das muss alles besser strukturiert werden. Die dürfen nicht allein gelassen werden. Außerdem wäre es gut, wenn wir eine Gemeindeschwester hätten, ohne dabei in Konkurrenz zu Pflegediensten oder Ärzten treten zu wollen.

Auf welche Dinge können Sie stolz zurückblicken, die Sie in Ihrer Amtszeit für Meinhard erreicht haben?

Als ich vor sechs Jahren als Bürgermeister anfing, wusste ich, dass eine schwere Zeit vor mir liegt. Wir mussten aus dem Schutzschirm raus und Schulden abbauen. Wer spart, macht sich nicht unbedingt beliebt. Aber die Meinharder haben mitgezogen und Verständnis gehabt. Von den 26,5 Millionen Schulden sind aktuell nur noch 10,5 Millionen Euro übrig. 

Wir haben Personal in Verwaltung und Bauhof eingespart. Die Fraktionen arbeiten gut zusammen, und wir haben die Gemeinde zusammen in ein sicheres finanzielles Fahrwasser gesteuert. Stolz bin ich auch auf den anhaltenden Zuzug junger Familien nach Meinhard, wir haben praktisch keinen Leerstand, auch nicht in den Höhendörfern.

Meinhard gehört zu den Kommunen mit den höchsten Hebesätzen bei Gewerbe- und Grundsteuern. Sind Steuersenkungen in den nächsten Jahren denkbar?

Obwohl wir finanziell nicht auf Rosen gebettet sind, haben wir die Straßenbeitragssatzung aufgehoben, weil das eine große Ungerechtigkeit ist. Aber diese Entlastung der Bürger muss trotzdem finanziert werden. Wir haben zu Beginn des Jahres die Kanalnutzungsgebühren gesenkt und auch über eine Senkung der Hebesätze gesprochen. Aber wir wollen abwarten, wie es mit der vom Bund gewollten Neuordnung der Grundsteuer weitergeht. Das kann Mehreinnahmen bringen, aber auch finanzielle Einbrüche. Aber wir haben es auf unserer To-do-Liste.

Unter den Bürgermeistern im Landkreis gelten Sie ein bisschen wie das Rumpelstilzchen wegen Ihrer Alleingänge und Aufmüpfigkeit gegen Mehrheitsentscheidungen, Beispiel: Meinhard schafft als erste Gemeinde die Straßensatzung ab, Meinhard will raus aus dem Abfallzweckverband, weil es nicht am Projekt Holzige Biomasse teilnehmen will.

Die Bürgermeister des Kreises sind ja kein Oberparlament. Wenn ich das anerkenne, kontakariere ich mein eigenes Gemeindeparlament, und nur dem fühle ich mich verpflichtet. Ich glaube auch, dass einige mir nicht verziehen haben, dass ich aus der SPD ausgetreten bin. Ich habe keine Verwaltungskarriere gemacht, sondern komme aus einer anderen Richtung. Ich war ja lange politisch für die SPD aktiv und habe in der freien Wirtschaft gearbeitet.

Hat sich das forsche Vorangehen bei Ihren Entscheidungen bewährt?

Ich bin nicht gerade der ewige Bedenkenträger. Wenn man was will, muss man eben irgendwann ins kalte Wasser springen.

Sie sind jetzt 64 Jahre alt, wenn Ihre zweite Amtszeit zu Ende ist, sind Sie 70.

Ich hab den Bürgern vor sechs Jahren versprochen, dass ich noch mal antrete, wenn es mein Gesundheitszustand erlaubt. Dem ist so. Wenn man was macht, was einem Spaß macht, warum sollte man damit aufhören. Ich kann's einfach.

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