Das gotische Haus in Schwebda hat in über 500 Jahren kaum Veränderungen an der Bausubstanz erfahren

Glücksfall für die Denkmalpflege

Grundrissplan: Bauhistoriker Dr. Hans-Herrmann Reck.

Schwebda. Selbst für Denkmalschützer ist das gotische Haus in Schwebda von 1522 ein besonderes Objekt. Profanbauten aus dem ausgehenden Mittelalter sind extrem selten erhalten, noch dazu in einem so guten Zustand. „Deshalb muss es uns nun am Herzen liegen, einen solchen Schatz für die nächsten Generationen zu erhalten“, sagt Landeskonservatorin Dr. Roswitha Kaiser.

In Schwebda, trafen sich Mitarbeiter des Landesamtes für Denkmalpflege, der Unteren Denkmalschutzbehörde, Konservatoren, Architekten und Historiker auf dem Hof des Christian Graf von Dönhoff zu einem Ortsgespräch. „Das Landesamt organisiert in regelmäßigen Abständen Ortstermine, um über Baumaßnahmen von überregionalem Interesse zu informieren“, sagt Dr. Tobias Wolf, der für den Werra-Meißner-Kreis zuständige Bezirkskonservator.

„Nach jedem Sturm schaue ich nach, dass nirgendwo ein Loch im Dach entstanden ist.“

Christian von Dönhoff

Jürgen Herbener vom Dezernat Bauen und Umwelt des Werra-Meißner-Kreises verrät, warum diese so wichtig sind: „Auf diesem Wege kann man sich auch unter Kollegen darüber informieren, welche Projekte in den anderen Kreisen laufen und wie dort mit bestimmten Sachverhalten umgegangen wird.“ Die Maßnahmen am gotischen Haus in Schwebda begannen im Jahr 2010 mit der Sanierung, um das Dachwerk und die Giebel statisch zu sichern. 2011 wurde die Westfassade mit einem Gips-Putz, der sich an der historischen Verputzung orientiert, versehen. Seit 2013 laufen nun bauhistorische Untersuchungen. Das Gotische Haus wurde 1522 möglicherweise auf den Resten einer alten Wasserburg als herrschaftliches Wohngebäude errichtet, und zwar innerhalb nur eines Jahres.

Bauhistoriker Dr. Hans Herrmann Reck hat bei seiner Untersuchung herausgefunden, dass zuerst die steinernen Außenwände errichtet wurden. Anschließend wurde das Haus in Holzbauweise von innen ausgebaut. „Was man sehr gut erkennen kann, ist der Übergang von der mittelalterlichen Großraumwohnung zu einer immer kleinteiligeren Raumnutzung in der frühen Neuzeit“, erklärt er. „Dabei hat sich das Gebäude bis heute eine hohe Authentizität bewahrt. Bis zu 90 Prozent der Substanz stammen aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts.“

Das Prunkstück ist die dreiteilige Fensternische mit Hängebögen im zweiten Obergeschoss, die ein deutliches Zeugnis davon abgibt, dass sich hier herrschaftliche Wohnräume befanden. Im Laufe der Zeit wurden nur kleine Veränderungen in der Innengliederung des Gebäudes vorgenommen, um den Wohnkomfort zu verbessern. Schließlich stand das Gebäude lange Zeit leer, wurde als Lagerraum und der Dachstuhl als Fruchtboden genutzt. „Es ist ein großer Glücksfall, dass bis heute so wenig am Gebäude verändert wurde“, sagt Dr. Roswitha Kaiser. Das wichtigste sei es deshalb, das Dach zu sichern damit keine neuen Schäden entstehen.

„Nach jedem Sturm schaue ich nach, dass nirgendwo ein Loch im Dach entstanden ist“, sagt Hausherr Christian Graf von Dönhoff. „Unsere Vorfahren wussten aber offenbar sehr genau, wie man ein Dach konstruiert, dass allen Wetterbedingungen standhält.“ Wie es mit der Erhaltung weitergeht, müssen Eigentümer und Denkmalbehörde nun besprechen.

Von Kristin Weber

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