WR-Serie: Die Kirche im Dorf lassen

Grebendorfer Kirche „St. Georg“: Reich mit Bildern und mit Licht beschenkt

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Nach Albrecht Dürer: Der Grebendorfer Maler Dieter Schönberg schenkte der Gemeinde zwei Kopien der „Vier Apostel“.

Grebendorf. 85 Gotteshäuser der evangelischen Kirche gibt es im Verbreitungsgebiet unserer Zeitung – jede Kirche hat mindestens eine spannende Geschichte zu erzählen. Kirchenfenster und Altarraumgemälde für die Kirche in Grebendorf wurden gestiftet.

Die Grebendorfer Kirche „St. Georg“ ist vergleichsweise jung. Eingeweiht wurde der klassizistische Bau 1821. Die Pläne für das Gotteshaus stammen von dem Architekten Johann Friedrich Matthei

Lediglich der Kirchturm stammt noch aus dem 14. Jahrhundert und überdauerte einige Vorgängerinnen der jetzigen Pfarrkirche. Im Turm befindet sich ein farbiges Glasfenster mit dem heiligen Georg. Der Turm wurde 22 Jahre nach der Kirchweihe um sieben Meter auf jetzt 25 Meter aufgestockt.

Die Form: Das Kirchenschiff in Grebendorf ist quer

Eher ungewöhnlich: Das Kirchenschiff der Grebendorfer Kirche ist ein sogenannter querorientierter Saalbau. Altar, Kreuz und Kanzel befinden sich an der Längsseite der Kirche.

Etwas ungewöhnlich ist die Querorientierung des Kirchenschiffs der Grebendorfer Kirche. Altar und die gegenüberliegenden Bänke befinden sich an den jeweiligen Längsseiten des Schiffs, die Kanzel links, genauso ist auch die eingeschossige Empore mit der Orgel angeordnet. Das allerdings lässt das Haus hell und großzügig wirken.

Die Fenster: Eine großartige Symbiose mit dem Altarkreuz

Zudem bilden die beiden großen farbigen Fenster zu beiden Seiten des Altars eine großartige Symbiose mit dem Altarkreuz. 

Schenkung zu Kaisers Hochzeit: Das Kirchenfenster mit der biblischen Szene der „Hochzeit zu Kana“.

Die insgesamt vier Fenster an der Altarwand sind eine Schenkung des Grebendorfer Fabrikanten Otto Schilbe aus dem Jahr 1905 anlässlich der silbernen Hochzeit von Kaiser Wilhelm II. und seiner Frau Auguste Victoria. Das linke der Fenster zeigt die Szene “Segnung der Kinder“, das rechte Fenster stellt die „Hochzeit von Kana“ dar, auf der Jesus Wasser in Wein verwandelt.

Die Kanzel: Das älteste Stück in der Grebendorfer Kirche

Das wohl älteste Stück der Kirche ist die Kanzel, die laut ihrer Inschrift von 1596 stammt. Zudem finden sich in den kleinen Medaillons über den spiralförmigen Zierstäben der Name des Stifters, Hans Bang, sowie der Spruch „Verbum don manet in Eternu“ - "Das Wort bleibt nicht für immer".

 „Bis heute haben von dieser Kanzel 32 Pfarrer gepredigt“, weiß Elisabeth Stück, Kirchenvorstand und Küsterin in Grebendorf. Ursprünglich stand die Kanzel erhöht wohl mittig im Altarraum, wurde aber 1959 in etwa 1,2 Meter Höhe auf an der linken Seite angebracht.

Die Gemälde: Viele Schenkungen für die Kirche Grebendorf

Nach Albrecht Dürer: Der Grebendorfer Maler Dieter Schönberg schenkte der Gemeinde zwei Kopien der „Vier Apostel“.

Doch Grebendorfs Kirche wurde auch später noch reich beschenkt. 2001 schenkte der Grebendorfer Kunstmaler Dieter Schönberg zwei 1:1-Kopien der „Vier Apostel“ von Albrecht Dürer, die sich jetzt zu beiden Seiten der Tür zum Turm befinden.

Die Orgel: Der besondere Stolz der Kirchengemeinde

Besonders stolz ist die Gemeinde auf ihre Orgel. Nachdem 1972 die alte Orgel, die der Eschweger Orgelbauer Krebaum 1825 eingebaut hatte, unrettbar kaputt war, behalf sich die Gemeinde beinah 20 Jahre mit einer Elektro-Orgel. 

1991, nach einer Renovierung des Gotteshauses, wurde auf der Südseite der Empore die neue Orgel mit 21 Registern des Fuldaer Orgelbauers Noeske eingebaut. Finanziert wurde sie unter anderem über Spenden und Einnahmen aus Orgelkonzerten, die Gabriela Ander, die Frau des langjährigen Grebendorfer Pfarrers Stefan Ander, spielte.

Die Glocken: Maria, Anna und die kleine Namenlose 

Einträchtig baumeln sie im Turm – die drei Glocken. Die älteste und kleinste von ihnen stammt aus dem Jahr 1450. „Sie wird nur zu den höchsten Feiertagen geläutet“, sagt Küsterin Elisabeth Stück. 

Gerettet: die Marienglocke (links) und die Heilige Anna.

Die zweitgrößte Glocke mit einem Durchmesser von 1,10 Meter heißt „Marienglocke“ (1506), die jüngste und größte ist die „Heilige Anna“, die 1520 in Mühlhausen gegossen wurde. Sie löste sich 1830 aus der Lagerung und stürzte ab – glücklicherweise auf einen Balken, der sie auffing und schlimmeren Schaden verhinderte. 

Acht Jahre später geschah das Gleiche mit der Marienglocke. Drei Schuljungen hatten die Glocken so stürmisch geläutet, dass die Verankerung nachgab und die Glocke ebenfalls abstürzte. Die Kinder kamen mit einem Schrecken davon. Im Zweiten Weltkrieg waren alle drei Glocken bereits zum Einschmelzen abtransportiert, ein letztes Mal wurden sie in Grebendorf geläutet. 

Doch dann war der Krieg vorbei und drei Kirchenvorsteher entdeckten ihre Glocken auf einem Metallberg im Hamburger Freihafen. Seit 1948 hängen sie wieder im Kirchturm.

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