Hunderte feiern mit

30 Jahre Grenzöffnung: Hunderte Menschen feiern zusammen Grenzöffnung bei Kella 

Grenzöffnung Kella 
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Mit Musik über die ehemalige Grenze: Angeführt von den Heuberg-Musikanten zogen Hunderte Menschen aus dem Eichsfeld und dem Werra-Meißner-Kreis von Braunrod nach Kella, um dort die Öffnung der Grenze vor 30 Jahren zu feiern.

Hunderte Menschen haben am 30. Dezember gemeinsam das Jubiläum der Grenzöffnung bei Braunrod zwischen Neuerode und Kella gefeiert

Kella – Am 30. Dezember 1989 wurde der Grenzübergang zwischen Braunrod und Kella geöffnet, um Nachbarn und Familien in Hessen und Thüringen zu verbinden, die seit 40 Jahren getrennt waren. 30 Jahre ist das her. 

Dr. Werner Henning, Landrat des Landkreises Eichsfeld und Theo Leyhe, damals Erster Kreisbeigeordneter und Vize-Landrat des Werra-Meißner-Kreises, waren damals schon vor Ort dabei.

Gedenkstein enthüllt und geweiht 

Zum Jubiläum enthüllten sie jetzt am alten Grenzverlauf eine Gedenktafel, die von Mathias Mötzing, Pfarrer von Geismar, gesegnet wurde. Hunderte Menschen aus den Gemeinden Meinhard (Hessen) und Ershausen/Geismar (Eichsfeld) zogen anschließend mit Musik ins Gemeinschaftshaus nach Kella weiter, um dort bei Kaffee und Kuchen zu feiern. Angeführt wurden sie von den Heuberg-Musikanten.

Erinnert an 40 Jahre Teilung: Die Gedenktafel wurde zum Jubiläum der Grenzöffnung am alten Grenzverlauf enthüllt und geweiht.

Dr. Werner Henning erinnerte sich, wie er 1989 gerade erst Anfang Dezember zum Vorsitzenden des Rates des Kreises Heiligenstadt gewählt worden war – und zwar, weil es damals niemand anderen gab, der sich zur Verfügung stellte.

„Es gab damals auch keine Weisung von oben, wie es weitergehen sollte“, sagte er. Die unverhofften neuen Politiker mussten improvisieren. Die Bürger in den Dörfern entlang des Zauns wollten Grenzübergänge nach Westen bekommen. Also entschied Henning, den Übergang zwischen Kella und Braunrod noch vor Ablauf des Jahres zu öffnen.

Alles musste schnell gehen

In Windeseile musste dafür alles eingerichtet werden, Strom gelegt werden, Telefon, ein Grenzhäuschen aufgebaut und Zollbeamte organisiert werden. Am 30. Dezember war es dann soweit. „Völlig unbekannte Menschen sind sich bei der Öffnung des Grenzzauns in die Arme gefallen“, erinnerte sich Hennig. Aber auch viele Bekannte, denn der Zaun hatte 40 Jahre lang auch so manche Familie beiderseits des Zauns getrennt.

Geismars Bürgermeister Silvio Schneider war zur Grenzöffnung erst 18 Jahre alt. Er sagte: „Es war eine Wahnsinnszeit damals. Die Neuigkeiten haben sich überschlagen.“

Froh, das die Grenze weg ist 

Meinhards Bürgermeister Gerhold Brill mahnte daran, dass der Zaun nun aber schon fast so lange nicht mehr steht, wie er früher die Dörfer getrennt hat. „Andernorts werden heutzutage wieder Grenzen aufgebaut, wir aber sind froh, dass diese Grenze nicht mehr vorhanden ist.“

Die deutlichsten Worte fand Theo Leyhe: „Ich komme aus Südhessen. Eine solche Grenze wie damals hatte ich zuvor nirgends gesehen, eine die ihre eigenen Leute einsperrte.“ Da Kella damals im Sperrgebiet lag, waren die Menschen dort doppelt von Einschränkungen betroffen. Vieles, was seither aufgebaut worden ist, sei in Eigenleistung geschehen, dafür zollte Leyhe den Einwohnern von Kella Respekt.

„In unserer Gesellschaft ist es wichtig, dass die Bürger handeln, aber es werden immer weniger, die heute mit anfassen“, beklagte er. „Jeder muss sich verpflichtet fühlen, etwas für die Gesellschaft zu leisten.“ Kella sei ein Beispiel für diesen Gemeinschaftsgeist, betonte er. Da hier der Zusammenhalt gepflegt worden sein, sei im Ort so viel Schönes entstanden. Das Gleiche wünschte sich Theo Leyhe für Europa: „In Europa werden keine Grenzen gebraucht, sondern ein Miteinander.“ Weitere Bilder findet Sie hier

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