Zwischen Frieda und Großtöpfer

Grenzsoldat fasst seine Erfahrungen im Buch zusammen

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Grenzzaun: Bilder von der Sicherungsanlage zwischen dem Gebiet von DDR und BRD gibt es wenige. Den Grenzsoldaten war es verboten, Kameras mitzubringen. Foto: D. Möller

Frieda. „Gott sei Dank musste ich nie meine Schusswaffe gebrauchen!“ Noch heute, 25 Jahre nach dem Mauerfall und dem Abriss des Metallgitterzauns, atmet Wilfried Schober tief durch, wenn er an die Jahre 1969 und 1970 zurückblickt, als der heute 64-Jährige „Volk und Vaterland“ an der innerdeutschen Grenze bei Großtöpfer „verteidigte“.

Der heute rund 130 Seelen zählende Ort im Friedatal, eingebettet von Hülfensberg und Schlossberg mit Burgruine Greifenstein, war nach der militärischen Ausbildung in Mühlhausen für ein Jahr der Lebensmittelpunkt des jungen Grenzsoldaten aus dem südlichen Zipfel von Sachsen-Anhalt. Fortan gehörten Holzbaracke, Betonbunker und zwei, den Grenzverlauf markierende verrostete Stacheldrahtzäune zum täglichen Leben der Mitglieder der 3. Grenzkompanie. Nahrhafte „Care-Pakete“ aus dem Elternhaus waren eine der wenigen Abwechselungen.

„Nach 40 Jahren übergab mir meine Mutti alle von mir als Grenzsoldat geschriebenen Briefe als Erinnerung zurück mit den Worten: ,Ich habe alles unzählige Male gelesen, vielleicht sollten die Menschen heute von dieser aufregenden Zeit deiner Generation erfahren'.“ Beim Lesen, so Wilfried Schober, der heute in Crossen an der Elster (Saale-Holzland-Kreis) beheimatet ist, sei die Zeit an ihm vorbeigelaufen, als ob es gestern gewesen wäre. „Freunde haben mich auf die Idee gebracht, die Briefe aus dem Grenzland in einem Buch ,Als Grenzsoldat in der Mitte Deutschlands' festzuhalten.

Und die Idee war nicht nur gut, sondern auch ihre Umsetzung. Wilfried Schober hat einer ebenso schwierigen wie aufregenden Zeit neues Leben eingehaucht, hat aus der Sicht eines 19-jährigen einfachen Grenzsoldaten ein detailreiches Stimmungsbild von der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze gezeichnet. Streifendienst bei Wind und Wetter, starker Schneefall verbunden mit dem knappen Entrinnen des Erstickungstodes in einem verwehten Erdbunker, Fahnenflucht und Grenzdurchbruch. „Der Zaun war an manchen Stellen schon so durchgerostet, dass man ohne Schwierigkeiten hindurch kriechen konnte, ohne sich zu verletzen“, blickt Schober auf den „antifaschistischen Schutzwall“ zurück, der zu seiner Zeit zumindest im Friedatal noch recht durchlässig war. Historische Fotos begleiten die Texte.

Hier erhältlich

Als Grenzsoldat in der Mitte Deutschlands: Briefe und Erinnerungen aus den Jahren 1969/70 Gebundene Ausgabe, erhältlich im örtlichen Buchhandel von Wilfried Schober - 271 Seiten - Preis: 19,90 Euro Verlag: Projekte-Verlag Cornelius; Auflage: 1 (19. September 2013) ISBN-10: 3954864169 ISBN-13: 978-3954864164

Von Dieter Möller

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