Ein Haus voll Geschichte: das Marmeladenschlösschen

Das Marmeladenschlösschen heute: Familie Eyrich hat das Gebäude 1996 komplett saniert und energetisch auf den neuesten Stand gebracht. Fotos: privat

Lieblingsorte, Lieblingserlebnisse und Lieblingsspeisen - die Werra- Rundschau nimmt Sie in der Serie „100 Dinge, die wir an der Region mögen“ mit auf eine Heimat-Entdeckungstour für alle Sinne. Hier stellen wir das Marmeladenschlösschen in Grebendorf vor.

Grebendorf. Eine Perle der Architektur ist hoch oben auf dem Kochsberg in Grebendorf zu entdecken: das Marmeladenschlösschen. Heute lebt Familie Eyrich in dem herrschaftlichen Haus aus dem Jahr 1901 mit dem interessanten Namen. Den hat das Gebäude einem der Vorbesitzer der Eyrichs zu verdanken: Wilhelm Schober. Er hatte das als Sommerresidenz von Otto Schilbe erbaute Haus nach dessen Tod 1912 von der Witwe gekauft.

Schober wusste nicht, wohin mit dem vielen Obst des Schilbeschen Gartens. „Er begann in einem 50-Liter-Kessel mit der Herstellung von Marmelade“, sagt Helmut Stück vom Arbeitskreis „Geschichte Grebendorf“. Das lief so gut, dass weitere Kessel angeschafft und Obst aus Spanien und Frankreich zugekauft wurde. „Die Marmelade wurde nicht im Haus, sondern im Ort gekocht, aber das Schlösschen war auf dem Etikett abgebildet, daher stammt der Name, der bis heute geblieben ist“, erklärt Rolf Eyrich.

Historische Ansicht: Das Marmeladenschlösschen wurde 1901 erbaut.

Am 3. Mai wäre Otto Schilbe 160 Jahre geworden, Grund genug für den Arbeitskreis an den Fabrikanten zu erinnern. Schilbe betrieb in der Kirchstraße in Grebendorf eine Rosshaarspinnerei, einer der Hauptabnehmer war die Werft des Norddeutschen Lloyds, die das Rosshaar für die Ausstattung der Schiffe brauchte. 1886 heiratete er die aus Kassel stammende Emilie Sinning. Sein Schwiegervater soll ihm damals den Bau des Hauses in Grebendorf finanziert haben.

Das Haus war als Sommerhaus gedacht, mit hohen Räumen. „Auf Energie sparende Maßnahmen brauchte man damals noch keine Rücksicht zu nehmen“, sagt Stück. Heute alles kein Problem mehr: „Wir haben das Haus 1996 komplett saniert und haben heute einen sehr guten Energiepass“, sagt Eyrich.

Die Villa über dem Dorf bekam zudem wunderschöne Kachelöfen und die Wände waren mit sonderbaren Sprüchen verziert, in der Küche lautete einer der Sprüche: „Sobald das Essen ist im Topf, lass alles andere aus dem Kopf, dann wird die Suppe und der Braten, allzeit immer gut geraten.“ Die Kachelöfen und Sprüche sind heute nicht mehr da. „Wir haben aber alles auf Bildern dokumentiert“, sagt Eyrich.

Am 15. Januar 1912 starb Otto Schilbe im Alter von 57 Jahren. Im „Eschweger Tageblatt“ konnte man damals über ihn lesen: „Fabrikant Otto Schilbe, ein weit über die Grenzen seines Heimatortes und des Kreises Eschwege hinaus bekannter Mann, ist gestern Abend um ½ 8 Uhr nach langem und schmerzhaftem Leiden entschlafen. Der Verstorbene spielte im öffentlichen Leben eine hervorragende Rolle. Er war Mitglied der Gemeinde- und Kirchenvertretung, des Kreistages, der Gesamtsynode und stand mit an der Spitze zahlreicher humanitärer, patriotischer und geselliger Vereine.“

Der Grabstein mit seinem Bildnis ist noch heute auf dem Grebendorfer Friedhof vorhanden, die Grabstätte wird von den Mitgliedern des Arbeitskreises „Geschichte Grebendorf“ gepflegt.

Von Diana Rissmann

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