Rückblick auf fünf Jahrzehnte Ortsgeschichte

Heimatverein Jestädt: 50 Jahre Einsatz fürs Dorf

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Führen seit knapp zwei Jahren die Geschicke des Heimatvereins: (von links) Gerlinde Rachow, Norman Eichholz, Monika Wunsch, Adelheid Ebhardt, Rainer Klug, Ingeborg Seeger, Volker Leikam und Harald Schindewolf wurden im November 2015 zum Vorstands-Team gewählt.

Jestädt. Der Heimatverein Jestädt feiert in diesem Jahr sein 50-jähriges Bestehen. Heinrich Hogelucht blickte anlässlich des Jubiläums mal in die Ortsgeshcichte zurück.

Am Samstag hatten die Mitglieder zu einem Festakt geladen – fehlen durfte dabei natürlich auch ein Rückblick auf die Geschichte des Meinharder Ortsteils nicht. Heinrich Hogelucht hatte sich die Mühe gemacht und die wichtigsten Ereignisse der vergangenen fünf Jahrzehnte für die Gäste zusammengefasst.

Heinrich Hogelucht

Zur Zeit der Gründung des Heimatvereins im Jahr 1947 war Jestädt noch eine selbstständige Gemeinde mit einem eigenen Bürgermeister, einem Gemeindediener, einen Gemeinderechner, einer Schwester für Notfälle sowie die Erste Hilfe für die damals rund 914 Einwohner, berichtete Hogelucht.

Auch über das damals noch sehr rege wirtschaftliche Leben im Dorf berichtete Hogelucht: „Insgesamt vier Kneipen, zwei Metzger, zwei Schreinereien, zwei Schmieden, zwei Gemischtwarenhändler, drei Schuhmacher, ein Schneider, zwei Stellmacher und ein Elektrogeschäft gab es in Jestädt.“ Und wie es sich für ein Dorf dieser Größe gehörte, gab es natürlich einen Bäcker und etliche landwirtschaftliche Betriebe, fügte Hogelucht an.

Die Landwirtschaft prägte die Flur um Jestädt

Gerade die Landwirtschaft habe die Landschaft um Jestädt sehr geprägt: Beim Gang durch die Flur bot sich ein Flickenteppich aus Hunderten von kleinen Feldern. „Am Schambach, von der Hauptstraße bis zum Stadtweg, waren es mehr als 20 Parzellen.“ Dies änderte sich laut Hogelucht mit der Gründungszeit, in der viele Bürger ihre Kleinlandwirtschaft aufgaben. „Kleinbauern reduzierten ihre Viehbestände und gingen in Eschweger Betriebe wie Massey Ferguson, um ihren Lebensstandard zu verbessern.“

Geschichtsvortrag mit lustigen Anekdoten

Das hatte auch dramatische Folgen, wie Hogelucht zur Erheiterung der Gäste anfügte: „Der Gemeindebulle war kaum mehr zu zähmen, da keine Kuhdamen mehr vorbeikamen, die ihn besänftigten.“ Die sogenannten kleinen Leute hatten ihre Bergmannskühe abgeschafft und der gemeindeeigene Ziegenbock war arbeitslos. Unrentable Flächen seien aufgegeben worden, Mähdrescher hätten die Arbeit von Sensen, Sicheln, Mähmaschinen und Selbstbindern übernommen – auch dies blieb nicht ohne Folgen: „Es gab keine Grastermine mehr, Feldwege wuchsen zu, Flutgräben verbuschten und der Gemeindediener war überfordert“, sagte Hogelucht.

Die Jestädter Gesellschaft im Wandel

Diese neue Situation habe es mit sich gebracht, dass die Bürger nicht mehr aufeinander angewiesen waren und gegenseitige Hilfe wie früher nicht mehr erforderlich war – und dann kamen noch die ersten Farbfernseher hinzu, die interessanter waren als das Gespräch mit dem Nachbarn, fügte Hogelucht an.

Aber auch von vielen Neuerungen in der Zeit berichtete Hogelucht: So sei Jestädt – auch bedingt durch die Nähe zu Stadt – interessant geworden: Ein neuer Hochbehälter wurde gebaut, die Dorfstraßen asphaltiert, das Chorgestühl der Kirche erneuert und 1968 konnte das Dorfgemeinschaftshaus eingeweiht werden.

Um Verschönerungsarbeiten rund um den Ort kümmert sich der Heimatverein nun seit 50 Jahren. Vor zwei Jahren wäre allerdings fast Schluss gewesen, denn der Verein hatte Schwierigkeiten einen neuen Vorstand zu finden. Dieses Amt hat dann Ingeburg Seeger übernommen: „Bevor der Verein aufgelöst wird, habe ich dann beschlossen, das Amt zu übernehmen.“

Und sie fasst den Begriff der Verschönerung weiter als nur die Pflege der Ruhebänke um den Ort. „Ich möchte mehr Farbe nach Jestädt bringen“, sagte Seeger. Unter ihrer Führung wurden so zum Beispiel die Häuschen auf dem Anger bunt bemalt und an den Ortseingängen neue Schilder aufgestellt, die die Gäste in Jestädt begrüßen.

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