Ohne Auftrag des Herrn: Hochstapler gibt sich als Gesandter der Papstes aus  

Gab sich als Gesandter des Papstes aus: Der 71-Jährige aus Saalfeld erschleicht sich so seit Jahren – wie hier in der Villa Velo in Jestädt – Kost und Logis. Foto: Otto Brill/nh

In Jestädt hat die Polizei einen Hochstapler und Betrüger am Dienstag ertappt, der sich als Abgesandter des Papstes ausgegeben hat - nicht zum ersten Mal.

Mit dieser Masche hat sich der Mann aus Saalfeld laut Polizei schon mehrfach Kost und Logis erschlichen. Wir haben uns in Jestädt, wo er eine Nacht gewohnt hat, auf Spurensuche begeben und fragen: „Was war denn da los?“

Es ist Dienstagabend gegen 19.30 Uhr. Ein Mann im dunklen Gewand, das durchaus dem eines Bischofs ähnlich sah, schleicht durch die Hauptstraße in Jestädt. Er ist auf der Suche nach dem evangelischen Pfarramt. Er wird fündig und klingelt bei Pfarrerin Jutta Groß, die ihn freundlich empfängt: „Ich bekomme immer mal Besuch von Menschen, die Hilfe nötig haben“, sagt die Pfarrerin. Der Mann erzählte, dass er in der Pension Villa Velo von Otto Brill eine Herberge gefunden hat, aber wegen eines Wasserschadens leider nur für eine Nacht bleiben könne. „Er wollte von mir wissen, ob im Jestädter Schloss Übernachtungsmöglichkeiten bestehen. Hier musste ich passen, denn ich konnte ihm diesbezüglich nicht weiterhelfen“, erklärte Jutta Groß auf Anfrage. Der Mann habe in seinem dunklen Gewand, unter dem er ein weißes Hemd trug, schick ausgesehen hat. Seine Schuhe hätten allerdings nicht in dieses Bild gepasst.

Pensionswirt Otto Brill berichtet, dass ihn am Vortag eine Frau von der katholischen Kirche in Eschwege angesprochen habe. Sie sei auf der Suche nach einem Quartier für einen Mann, der sich ihr gegenüber als Abgesandter des Papstes vorgestellt hat. „Ich konnte ihr aber nur für eine Nacht zusagen, weil ich ansonsten ausgebucht bin“, so der Vermieter gegenüber unserer Zeitung.

Stutzig sei er geworden, als plötzlich Polizeibeamte vor seiner Haustür standen, „die den Mann zwar befragten, aber nicht mitgenommen haben“. Da ihm seitens der Kirche zugesichert wurde, dass die Übernachtungskosten beglichen würden, sei für ihn der Fall geregelt gewesen, sagt Brill. Im Nachhinein wundert sich Brill dennoch: „Beim Gespräch unter vier Augen hat der grauhaarige Mann regelrecht Süßholz geraspelt. Er sagte, dass mein Pensionshaus sehr schön sei und geschmackvoll eingerichtet sei. Aber nach seiner Meinung würde ich die Zimmer zu billig vermieten.“ Otto Brill ist überzeugt, dass sich der Mann mit dieser Masche bei ihm einschmeicheln wollte, um eventuell doch noch eine weitere Nacht in Jestädt bleiben zu können. Das habe sich dann aber wie von selbst erledigt. Otto Brill: „Es ist wenig später ein Auto mit Kennzeichen von Hann. Münden vorgefahren.“ Sein Pensionsgast habe mittlerweile auf seiner schwarzen Kleidung eine ganz schicke rote Stola getragen. „Dem Fahrer hat er diktiert, dass er die thüringische Stadt Saalfeld als Zielort ins Navigationsgerät eingeben soll“, sagt Otto Brill.

Mit dieser Betrugsmasche zieht der mittlerweile 71-Jährige nachweislich schon seit langer Zeit durch die deutschen und sogar brasilianischen Lande. Ein Beispiel aus dem Jahr 2015: Im Touristenbüro von Siegburg bei Bonn stellte er sich als Kardinal Andreas von Hohenzollern-Sigmaringen, Sondergesandter des Papstes zur Aufklärung pädophiler Umtriebe in der katholischen Kirche und Erzbischof von Sao Paulo vor. Auch das Nachrichtenmagazin Der Spiegel berichtete über ihn.

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