Heimischer Anbauer ist zu klein, um von der Preisabsprache betroffen zu sein

Kartoffel zum reellen Preis

Goldgelbe Kartoffeln in 10- und 25 kg-Säcken gibt es bei Herbert Wicke ganzjährig zu einem Preis, der nach der Ernte im Herbst festgelegt wird und keine Sprünge nach irgendwelchen Absprachen macht. Foto: Mayer

Jestädt. Er ist zwar an Werra und Meißner der größte Kartoffelanbauer, aber für die Preisabsprachen der großen in der Branche ist er zu klein. Herbert Wicke aus Jestädt könnte zwar mal spontan einen Lkw Kartoffeln liefern, wenn es gewünscht wird, „aber es hat noch kein Händler nachgefragt“, sagt er, und das sei gut so.

Acker, Lager, Einsackung und Verkauf sind die Stationen der Erdäpfel bei Wicke, und das in einer Hand. Die vom Kartellamt gerügten Preisabsprachen kommen hingegen in einer Kette von Beteiligten zustande, weiß Wicke. Das sind die Discounter als Verkäufer, eine handvoll Abpackbetriebe als Zwischenhändler und die Produzenten. Da werde in Größenordnungen von 100 Tonnen aufwärts verhandelt, einer marschiert voran, die anderen hinterher.

Das sei wie mit der Milch, sagt Herbert Wicke, je weniger Molkereien es noch gebe umso stärker beherrschen die verbliebenen den Markt. Das wird ihnen relativ einfach gemacht, weil der Selbstversorgungsgrad mit Kartoffeln in Deutschland bei 108 Prozent liegt, was die Chancen für preiswerte Importware senkt.

Das einzige, was den Jestädter mit den Branchenriesen verbindet ist, dass er dieses Umfeld preislich nicht ignorieren kann, „aber meine Kosten sind andere“. 25 Kilo Kartoffeln kosten zehn Euro. Das ist teurer als im Supermarkt, dafür gibt es keine Sprünge zwischen fünf und 15 Euro. Wicke vermarktet ab Hof qualitativ hochwertige und gleichbleibende Sorten mit verhaltener Düngung und dafür weniger Ertrag. Im industriellen Anbau stehen höchster Ertrag, Stickstoffdüngung und Masse obenan. Hier muss ausschließlich mit der Kartoffel Geld verdient werden, bei Landwirten wie Wicke ist die Kartoffel eins von mehreren Standbeinen, aber drauflegen will er auch nicht.

250 Tonnen erntet er jährlich, die gekühlt gelagert werden. Trend ist der Kauf von kleinen Einheiten, eingekellert wird immer seltener. Und die Preise richten sich - ohne Absprache - nach Angebot und Nachfrage.

Von Helmut Mayer

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