Experte: Hohe Abschussraten sind keine Lösung

Tiere nicht zum Sündenbock machen: Klimawandel stellt Jäger vor neue Herausforderungen

+
Diese Bache säugt ihre Frischlinge, doch gerade Wildschweine haben im Trockenjahr 2018 enorme Grünlandschäden angerichtet, für die die Jagdpächter aufkommen müssen.

Das Jahr 2018 hat die Land- und Forstwirtschaft im Werra-Meißner-Kreis erstmals auf brutale Weise mit dem Klimawandel konfrontiert.

Beginnend mit dem Orkan Friederike am 18. Januar kam es dann zu einer monatelangen Trockenheit mit einem halbwüstenähnlichen Klima auch im Werra-Meißner-Kreis

Deshalb machte der Jagdverein Hubertus Kreis Eschwege das Thema „Wildschäden in Feld und Wald – alte Probleme und neue Herausforderungen durch den Klimawandel?“ zum Mittelpunkt seiner Jahreshauptversammlung in Schwebda. Es referierte der bundesweit bekannten Wildschadensexperten und Fachautor, Dr. Volker Wolfram aus Guxhagen.

Für Wildtiere bedeutete das Trockenjahr eine Notzeit 

Die üblichen Nahrungsquellen für Rothirsche, Rehe und Wildschweine standen nicht im für unsere Breiten gewohnten Umfang zu Verfügung, sodass die Tiere sich, um zu überleben, neue Nahrungsquellen erschließen mussten. Steigende Wildschäden an Kulturpflanzen in Feld und Wald waren die Folge. Diese Wildschäden müssen den Landwirten und Waldbesitzern in der Regel von den Jagdpächtern ersetzt werden.

In dieser Situation mahnte Dr. Wolfram zu Gelassenheit und Sorgfalt. Noch einmal schilderte er ausführlich das Verfahren zum Wildschadensersatz, wie es im Jagdgesetz verbindlich geregelt ist.

In zahlreichen Beispielen beschrieb Dr. Wolfram das Vorgehen bei der Schätzung und Regulierung des Wildschadens bei Getreide, Raps und Mais, aber auch bei Schäden an Wiesen und Weiden - den sogenannten Grünlandschäden.

Dr. Wolfram: Die Wildtiere nicht zum Sündenbock machen

Auf keinen Fall aber dürften die Wildtiere, so Dr. Wolfram, zum Sündenbock für die Folgen des Klimawandels gemacht werden. In ihrer Hilflosigkeit den neuen Wetterphänomen gegenüber neigten manche Land- und Forstwirte dazu, den Wildtieren allein die Schuld zuzuschieben. Gesteigerte Abschüsse aber seien keine Lösungen. Vielmehr müsse der natürliche Nahrungsbedarf (Äsungsbedarf) der Tiere berücksichtigt werden.

Wildtiere sind ein schützenswerter Kulturschatz

Wildäcker in den Feldrevieren, aber auch jagd- und störungsfreie Wildwiesen und Äsungsschneisen im Wald verbunden mit ausreichend großen Wildruhezonen seien dringend erforderlich. „Das Vorkommen der großen Wildtiere wie Rothirsche, Wildschweine und Rehe in unserer intensiv genutzten Landschaft ist ein Kulturschatz, den es zu schützen und für die Zukunft zu erhalten gilt!“, sagte der Experte an dem Abend.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare