Gewerkschaft: Kündigungen sind noch kein Thema

Krise: Harter Sparkurs soll Friedola retten

Frieda. Das Kunstoff verarbeitende Unternehmen Friedola Living aus Meinhard-Frieda steckt in einer tiefen Krise. Der Marktführer im Bereich Tisch- und Bodenbeläge sowie Schwimmflügel ist durch zwei schlechte Sommer, die Euro- und Ukraine-Krise sowie die Insolvenzen der Baumarktketten Praktiker und Max Bahr wirtschaftlich stark angegriffen.

In den Monaten August bis Oktober habe das Unternehmen 2,4 Millionen Euro weniger Umsatz erwirtschaftet als im Vorjahr, bestätigt Geschäftsführerin Désirée Derin-Holzapfel. Sie will nun mit einem harten Sparkurs das Unternehmen über den Winter bringen. „Wir überprüfen derzeit alle Einsparpotenziale.“ Gerüchte darüber, dass rund 60 der 450 Mitarbeiter gekündigt werden sollen, dementiert sie. „Unsere Mitarbeiter sind besonders gut ausgebildet. Kündigungen wären ein großer Wertverlust für das Unternehmen“, sagt Derin-Holzapfel. Auch der für Friedola zuständige Gewerkschaftsvertreter Lutz Geydan bestätigt, dass „Kündigungen im Zuge der laufenden Tarifverhandlungen erst einmal vom Tisch sind“.

Allerdings beschreibt er die momentane Lage als „sehr ernste Durststrecke“. Bereits seit einigen Jahren hat das krisenerfahrene Unternehmen einen Standortsicherungstarifvertrag mit der IG Metall, der derzeit neu verhandelt wird. Es ist nicht die erste große Krise bei Friedola, die in der Vergangenheit vor allem durch Verzichte seitens der Arbeitnehmer gelöst wurden, die teils harte Einschnitte beim Gehalt in Kauf genommen haben. „Ohne das Mitwirken unserer Mitarbeiter würden wir es nicht schaffen“, sagt Derin-Holzapfel. 2012 hatte sich das Unternehmen frisches Geld auf dem Anleihemarkt besorgt, um damit ein europäisches Vertriebsnetz aufzubauen. „Das war eine große Fehlinvestition, wir sind auf diesen Märkten nicht in die Profitzone gekommen“, sagt sie heute. Denn in Zeiten der Euro-Krise seien die Absätze marginal.

Neue Produkte sollen helfen

Um das Unternehmen wieder auf Kurs zu bringen, setzt Friedola-Geschäftsführerin Désirée Derin-Holzapfel neben Einsparungen auf allen Ebenen des Unternehmens vor allem auf ihre innovativen Produkte. Diese will sie Anfang des Jahres auf den einschlägigen Heimtextil-Fachmessen präsentieren. „Wir machen rund zehn Prozent unseres Umsatzes mit neuen Produkten“, sagt die Geschäftsführerin. So innovativ sei keiner der Konkurrenten, von denen viele große in den vergangenen Jahren untergegangen seien. IG-Metall-Gewerkschaftsvertreter Lutz Geydan hingegen erwartet im Zuge der Tarifverhandlungen einen weiteren Ausbau der Investitionen in den Maschinenpark und weitere innovative Entwicklungen, um das „Unternehmen für die Zukunft zu rüsten und auf gesunde Füße zu stellen.“ Derin-Holzapfel kann diese Forderung nicht ganz nachvollziehen, denn vor einiger Zeit wurden erst drei Millionen Euro in ein Blockheizkraftwerk investiert, um Energie einzusparen. „Günstiger wäre es uns gekommen, wenn wir einfach mehr Energie verbraucht hätten, dann wären wir um die EEG-Umlage herumgekommen“, sagt Derin-Holzapfel. Doch Umweltfreundlichkeit sei ein wichtiger Aspekt für die Firma. Auch in den Maschinenpark werde laut Derin-Holzapfel regelmäßig investiert. Zudem wurden gerade zwei Azubis mit einem unbefristeten Arbeitsvertrag übernommen.

Hintergrund

Friedola Living ist ein Ableger eines seit 1888 bestehenden Familienunternehmens, welches von Désirée Derin-Holzapfel in fünfter Generation geführt wird. Bekannt ist der Marktführer vor allem für die PVC-Boden- und Tischbeläge sowie aufblasbare Freizeitprodukte wie Planschbecken, Luftmatratzen und vor allem die bekannten orangefarbenen Schwimmflügel. Zu dem Unternehmen aus Frieda gehört noch die Produktionsstätte in Osterode im Harz. Der Autozulieferer Friedola Tech aus Geismar ist ein unabhängiges Unternehmen und von den Problemen bei Friedola Living nicht betroffen.

Von Diana Rissmann

Rubriklistenbild: © Archiv

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare