Jagdpächter verärgert

Liebesnest im Hochsitz - Pärchen funktionierte Kanzel bei Meinhard um

Sinn für Naturromantik: Der Hochsitz auf einer Ackerfläche bei Neuerode wurde offenbar von einem Liebespaar hübsch eingerichtet und mehrere Monate als geheimes Liebesnest genutzt.
+
Sinn für Naturromantik: Der Hochsitz auf einer Ackerfläche bei Neuerode wurde offenbar von einem Liebespaar hübsch eingerichtet und mehrere Monate als geheimes Liebesnest genutzt.

Verbotene Liebe oder ein ausgeprägter Sinn für erotische Naturromantik macht erfinderisch – und das auch im Winter.

Neuerode - Als ein Jäger kürzlich seinen Hochsitz erklomm, staunte er nicht schlecht. Denn die geschlossene Kanzel, die sich mitten auf einem Acker bei Neuerode befindet, war mit zwei neuen Riegelschlössern verrammelt. Die hatte weder der Jagdpächter Eberhard Thomas noch einer der Jäger dort angebracht und sie besaßen demzufolge auch keine Schlüssel dafür.

Als die Jäger die Schlösser entfernt hatten und die Tür zur Kanzel öffneten, offenbarte sich ihnen statt eines rustikalen Jägerstandes ein liebevoll eingerichtetes Liebesnest, das offenbar über mehrere Wochen während der jagdlichen Schonzeit von einem Liebespaar als geheimer Treffpunkt genutzt worden war.

„Wir waren zum Jahresende zuletzt auf dem Sitz, weil es dort keinen Wildschaden gab“, sagt Thomas.

„Das war alles sehr liebevoll gemacht“

An die nackten Holzwände waren rote, batteriebetriebenen Glühlämpchen-Ketten angebracht sowie zwei Halterungen für Erfrischungsgetränk und Regale. Die schmalen, über Eck angeordneten Sitzbänke waren mit Decken und Kissen ausgepolstert. „Das war alles sehr liebevoll gemacht“, sagt Thomas.

Damit dem Paar wegen des ungewöhnlichen Lichtscheins aus einem Hochsitz niemand auf die Schliche kommt, waren die Fenster der Kanzel, die in Richtung Neuerode zeigen, akkurat mit schwarzem Klebeband abgedichtet worden.

Glühlämpchen, Regale und Deckchen: Für ihre Treffen sorgte das Paar für Gemütlichkeit

„Ich sehe das eher als einen Dummen-Jungen-Streich oder von jemanden gemacht, der einfach nicht weiß, dass Hochsitze nicht für jedermann sind“, so der Jagdpächter. Wer das Paar gewesen sein könnte, weiß er nicht. „Aber sie haben nichts kaputtgemacht und der, der am Werk war, hatte auf alle Fälle handwerkliches Geschick.“

Ganz ohne Schaden ist Bau des Liebesnestes nicht

Doch ganz ohne Schaden ist der Bau des Liebesnestes nicht für den Jagdpächter, denn er muss jetzt die verklebten Fenster erneuern, weil sich der Klebstoff nicht von den Plexiglasscheiben lösen lässt. Und ein neues Schloss musst her. „Die Sachen aus der Kanzel haben wir in einem blauen Sack getan und neben die Leiter gestellt, aber abgeholt wurde er bisher nicht“, sagt Thomas.

An der Tür klebt jetzt ein Schild, dass das Betreten der jagdlichen Einrichtung verboten ist und der Sitz regelmäßig kontrolliert wird.

Die Kanzel, die auch wegen ihres weiten Blickes auf Eschwege und ins Werratal bisher die „Panoramakanzel“ genannt wurde, heißt jetzt anders. Zurückgehend auf einen eher flachen Jägerwitz, welches Wild keine Schonzeit hat, heißt der Sitz jetzt „Stöckelwild-Ansitz“. (Stefanie Salzmann)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare