Schauspieler Lutz Jahr eröffnet Weintheater in Grebendorf

+
Mit Witz und Charme: Der im Berliner Wedding aufgewachsene Schauspieler Lutz Jahr will Mitte Mai in seinem Haus am Grebendorfer Anger ein kleines Weintheater eröffnen. 

Grebendorf – Das Weblexikon Wikipedia zeigt als Beispiel für ein besonders schönes Exemplar seiner Gattung beispielhaft den Grebendorfer Anger.

Das mehr als 450 Jahre alte Haupthaus des Platzes gehört seit zweieinhalb Jahren dem Schauspieler Lutz Jahr, der dort Mitte Mai ein kleines Weintheater eröffnen will.

Jahr, der schon berufsmäßig eine Menge große und kleine Künstler kennt, will auf seine Kleinkunstbühne eher Nischenprodukte holen – wie Peter Riecke, den letzten deutschen Laternisten (eine Art Diaprojektion mit Dramaturgie und Geschichte), oder mongolische Obertonsänger, aber auch Straßenmusiker aus Österreich und Zauberkünstler. Zudem soll es Lesungen und regelmäßige thematische Ausstellungen geben. 

Bühne für Künstler im Weintheater

Alle paar Wochen will er das Weintheater auch für semiprofessionelle Künstler bei einer offenen Bühne öffnen. „da kann dann jeder auftreten, solange es in Ordnung ist.“ „Ich will das aber bewusst nicht vermischen“, sagt Jahr. Ein Klavier gibt es auch.

Weine will Jahr in seinem Theater ausschenken, darunter auch wieder ein Nischenprodukt – Beerenweine wie die „Drachenglut“. Um dem Nordhessischen gerecht zu werden, soll es auch zwei Sorten Bier geben. Öffnen will er von Donnerstag bis Samstag.

Im Moment werden die ehemaligen Stallungen des Hauses ausgebaut, die Wände mit Lehm verputzt und im Fußboden, gut sichtbar unter Glas, liegt eine alte Leitung. Die Konturen des Weinkellers lassen sich bereits erahnen – klein und gemütlich und persönlich.

Vom Postbote zum Straßenmusiker: Lutz Jahr

Der 58-jährige Jahr ist im Berliner Wedding aufgewachsen, einem alten Arbeiterbezirk. Seine preußischen Wurzeln spiegeln sich bis heute deutlich in seiner Sprache und seiner typisch Berliner Verschmitztheit wieder. Er war eigentlich Postbeamter. „Aber ich habe so unter dem Beamtenstatus gelitten, dass ich Straßenmusiker wurde“, erzählt er. Er geht nach Frankfurt/ M., lernt bei einem Geigenbauer, und zieht als wandernder Schauspieler über die damals wie Pilze aus dem Boden schießenden Mittelaltermärkte. 

Er findet seine Lebensmitte im Main-Kinzig-Kreis, tritt aber auch heute noch unter anderem im Duo in einem historischen Medicus-Stück auf, wo er der Arzt und sein Kollege der Patient ist. Gerade hat er eine kleine Rolle im Frankfurter Tatort. Wie auf dem Leib geschnitten seien ihm Rollen wie Rumpelstilzchen, das tapfere Schneiderlein oder Asterix, in dessen Gestalt er manchmal auch Hinkelsteinweitwurf praktiziert.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare