Gemeinde droht mit Ausstieg

Meinhard will Abfallzweckverband wegen Pilotprojekt des Kreises verlassen 

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Energie aus Kleinholz: Baum- und Strauchschnitt wird geschreddert und verwertet.

Grebendorf. Weil sie dem kreisweiten Projekt „Holzige Biomasse“ skeptisch gegenübersteht, droht die Gemeinde Meinhard jetzt damit, aus dem Abfallzweckverband (AZV) auszutreten, dem alle Kommunen im Kreis außer Eschwege, Witzenhausen und Sontra angehören.

Die restliche 13 Kommunen organisieren und kalkulieren über den Verband, der seit 25 Jahren besteht, ihre gesamte Abfallentsorgung.

Bei dem Projekt „Holzige Biomasse“, das der Landkreis vorantreibt und das vom Witzenhausen-Institut geplant wird, sollen Baum- und Strauchschnitte privater, kommunaler und gewerblicher Herkunft an je einem dafür vorgesehenen Platz in jeder Kommune gesammelt und das Material dann weiterverwertet werden. Die bisher vom AZV kalkulierten Kosten je Haushalt liegen bei acht Euro im Jahr. Zusätzlich müssen die Gemeinden Sammelplätze einrichten und an mehreren Tagen im Jahr Personal vorhalten. Bisher verbrennen sie ihren Grünschnitt, unter anderem bei Osterfeuern.

Rebellisch reagiert die Gemeinde Meinhard deshalb, weil ihre 3200 Haushalte die Gebühr zahlen sollen, auch wenn die Kommune bei dem Pilotprojekt nicht mitmacht. „Darüber soll aber das Gemeindeparlament entscheiden“, sagt Meinhards Bürgermeister Gerhold Brill, der den Kopf darüber schüttelt, dass alle anderen Bürgermeister bei einer Dienstversammlung der Verwaltungschefs angeblich einer Teilnahme an dem Pilotprojekt ohne Votum ihrer Parlamente zugestimmt hätten.

Für den Fall, dass Meinhard dem AZV tatsächlich den Rücken kehren will, hat Bürgermeister Brill schon mal bei seinem Eschweger Amtskollegen Alexander Heppe angeklopft, ob die Kreisstadt die Abfallentsorgung in Meinhard mit übernehmen will. „Wir sind bereit, zu prüfen, ob wir die Kapazitäten als Dienstleister haben und das wirtschaftlich sinnvoll zu planen ist“, sagte Heppe auf Anfrage. „Denn zahlen muss am Ende immer der Bürger.“ In Eschwege wird die gesamte Abfallentsorgung bis auf den gelben Sack durch den städtischen Bauhof geleistet.

Wenig begeistert von Meinhards Revolte ist Friedhelm Junghans, Vorsitzender des AZV und Bürgermeister von Meißner. „Wir sind ein Solidarverband und Meinhard hat in den vergangenen 25 Jahren auch sehr von seiner Mitgliedschaft profitiert“, sagt Junghans. Das gesamte Konzept sei noch nicht fertig, Kosten und Nutzen nicht auskalkuliert. „Wie wollen die Planung erst zu Ende führen und dann als Verband entscheiden.“ Auch die avisierte Summe von acht Euro pro Haushalt sei nur ein Wert, der aber mit hoher Wahrscheinlichkeit niedriger ausfallen werde.

Bis zum Sommer kommenden Jahres soll die Entscheidung stehen, ob der AZV das Projekt der „Holzigen Biomasse“ realisiert. „Aber Verbrennung ist perspektivisch auch keine Lösung“, sagt Junghans. Wolle Meinhard aus dem Verband aussteigen, werde das teuer für die Kommune, weil Ablösungen fällig würden. Sollte Eschwege die Abfallentsorgung für Meinhard übernehmen, müssten beide Kommunen einen neuen Zweckverband gründen, weil die Entsorgung eine hoheitliche Aufgabe ist.

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