DIE WEITE WELT UND WIR

Eiskristalle aus dem Hahn: Meinharderin lebt in Texas und berichtet von heftigem Winter

Ungewohnt für den Süden der USA: starke Schneefälle und grimmiger Frost.
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Ungewohnt für den Süden der USA: starke Schneefälle und grimmiger Frost.

In unserer Serie „Die weite Welt und wir“ erzählen Menschen aus dem Werra-Meißner-Kreis, die im Ausland leben, ihre persönliche Geschichte.

Dallas – Seit 16 Jahren lebt die gebürtige Meinharderin Linda Tietje (geborene Bundßei) in Texas. Tornados und Sturmfluten, sogenannte Flashfloodings, kleine Erdbeben und Hitzewellen – der südliche Bundesstaat an der Grenze zu Mexiko ist immer für eine Überraschung in Sachen Wetter gut. „Früher von der Arbeit nach Hause zu fahren oder im Schuhschrank den Tornado-Alarm abzuwarten gehört hier zur Normalität“, sagt Linda Tietje.

Doch als es jetzt in Dallas, wo Linda Tietje mit ihrem Mann Sascha und den beiden Kindern Finn und Lea lebt, beginnt zu schneien (das erste Mal seit vier Jahren) und eisig kalt zu werden, bricht die Stromversorgung zusammen und damit praktisch das Leben in dem Land. Am Sonntag noch freuen sich die Kinder über die weiße Pracht – ein Anblick, der texanischen Kindern noch weniger vertraut ist als den hiesigen.

Heftiger Wintereinbruch in Texas: Strom fällt für Tage aus

Doch in der darauffolgenden Nacht fällt der Strom aus. „Aber wir sind ja flexibel hier in Texas. So schlafen wir erst mal weiter, ziehen dann morgens unsere warmen Klamotten an, machen unseren Gaskamin an und warten geduldig, dass die Lichter wieder angehen“, berichtet Linda Tietje. Doch auch bis zum Mittag kommt der Strom nicht zurück, im Haus sind es noch ungemütliche zehn Grad und die Wasserleitungen und Pumpen frieren ein. Draußen sind es 13 Grad unter null. Glücklicherweise funktioniert der Gasherd und die Familie kann Tee kochen und was Warmes essen.

Am Nachmittag wird der Familie klar, dass die Lage sich hinziehen wird. „Wir ahnen, der Strom wird wohl erst mal wegbleiben“, erzählt Linda Tietje. Die Schule der Kinder bleibt geschlossen, die Handybatterien werden schwächer.

Während sich Ehemann Sascha und Sohn Finn im Baumarkt nach einem Generator umschauen, bereiten Mutter und Tochter vor dem nur schwach wärmenden Gas-Kamin ein Deckenlager und warten dort mit den beiden Katzen und dem Hund in Schneehosen auf Wärme, die aber nicht kommt.

Freunde der Familie in Texas bieten Hilfe an

Der Generator, den ein Freund besorgt hat, ist kaputt, die kleine Lea hat Angst. Die Temperaturen sollen auf Minus 17 Grad fallen. Freunde der Familie bieten ihre Hilfe an – der eine nimmt den Hund, der andere hat Strom und ein Gästezimmer. Die einzige Frage, die sich der Familie jetzt stellt, ist: „Ist es schlau, eine Stunde im Dunkeln über Schnee und Eis zu fahren?“ Sie entscheiden sich für „jetzt oder nie“ und brechen auf.

Nach einer warmen Nacht geht es allen besser, die Kinder haben mit Freunden gespielt und der Strom im Exil bleibt stabil, die Schulen geschlossen. Als die Familie am nächsten Tag wieder nach Hause kommt, gibt es immer noch keinen Strom. „Aus dem Badewannenhahn kamen Eistropfen“, berichtet Linda Tietje. Nach weiteren 60 Stunden ohne Strom, berichten auch viele Nachbarn von geplatzten Wasserrohren. Das Wasser darf nur noch abgekocht verwendet werden, das Warten geht weiter, ab und an gibt es für einige Stunden Strom, dann ist er wieder weg.

Doch es gibt auch einen Lichtblick: „Als Freunde und Nachbarn sind wir wieder näher zusammengerückt“, sagt Linda Tietje. Und dann kündigt der Wetterdienst an, dass die Temperaturen in Texas wieder über den Gefrierpunkt steigen sollen. Für die folgende Woche sind 17 Grad angekündigt. Plus. (Von Stefanie Salzmann)

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