Naturschützer: Am Meinhardsee wurde wichtiger Lebensraum für Vögel zerstört 

Der Tatort: Feldornithologe Rainer Olßok an der Stelle, an der laut ihm eine dicht bewachsene Hecke stand – einstiger Lebens- und Brutraum heimischer Vogelarten. Doch jetzt ist davon nichts mehr übrig. 

Grebendorf. Am Meinhardsee wurde eine Hecke entfernt. NAch Angaben von Naturschützern war das ein wichtiger Lebensraum für Vögel. Der Eigentümer kann die Aufregung nicht verstehen. 

Einen Schockmoment erlebte Rainer Olßok, als er bemerkte, dass am Südufer des Meinhardsees plötzlich etwas anders war. Eine mehrere Meter lange Hecke wurde dort von einem Tag auf den anderen einfach abgeholzt, weshalb der Vogel-Experte zutiefst verärgert ist. Denn laut ihm war sie wichtiger Lebensraum für Vögel.

Meist stundenlang hält sich Rainer Olßok am Tag in der Natur auf, um heimische Vogelarten an bestimmten Orten in der Region zu beobachten. Als Feldornithologe hat er ein wachsames Auge darauf, welcher Vogel wann und wo zu sehen ist und kennt sich bestens in „seinen Beobachtungsgebieten“ aus. Eines dieser Gebiete ist das Südufer des Meinhardsees. Hier verbringt Olßok besonders gerne Zeit, denn in einer an den Werratalradweg angrenzenden, sehr langen Hecke konnte er stets viele Federtiere entdecken.

Doch jetzt ist das Naturgewächs weg. Nur noch Reste des Wegschnitts sind auf dem Boden zu erkennen. „Obwohl sich die Hecke in einem ausgewiesenen Vogelschutzgebiet befand, hat man das Zuhause von Artenschwund betroffener Feldvögel einfach zerstört“, sagt der Beobachter wütend. „Die Zugvögel, die ab März zurückkehren, werden an dieser Stelle ihren alten Lebens- und Brutraum vermissen.“ Das sei so, weil die Vögel standorttreu seien und daher jahrelang am selben Platz brüten. „Außerdem benutzten auch Standvögel, die im Winter hierbleiben, die Hecke als Rückzugsraum und Schlafplatz“, so der Vogelschützer.

Notwendige Arbeiten

Christoph Bergner, Eigentümer des Meinhardsees und Verantwortlicher für das Wegschneiden der Hecke, kann die Aufregung des Feldornithologen nicht nachvollziehen. „Ganz genau kann man nur durch Ausmessen beurteilen, wo das Schutzgebiet anfängt“, so Bergner. Nach seinem Empfinden handle es sich auch nicht um eine dicht gewachsene Hecke, die zurückgeschnitten wurde, sondern eher um Bäume und Äste sowie ein paar Sträucher.

Für den Eigentümer des Sees sei es nichts Neues, dass ihn Beschwerden von Naturliebhabern erreichen. „Im Fall des kritisierten Bereichs war es eine notwendige Handlung, den Überwuchs zu beseitigen“, erklärt Bergner. Damit landwirtschaftliche Fahrzeuge gegenüberliegende Felder anfahren können, sei es nach seiner Aussage vorgeschrieben, einen Mindestabstand von vier Metern zu halten. „Zudem mussten wir den vom Sturmtief entstandenen Bruch zur Sicherheit der Fußgänger und Radfahrer weggeschaffen.“

Rainer Olßok ist weiterhin entsetzt: „Die Vögel müssen sich nun ein neues Zuhause suchen.“ Die Naturschutzbehörde habe er bereits in Kenntnis über den Verlust des Brutplatzes gesetzt. Jedoch sei nach Bergner bis heute keine Beschwerde der Behörde bei ihm eingegangen.

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