Pferde sterben nach Fütterung mit Küchenabfällen

Jestädt. Sicherlich war es nur gut gemeint, als die Unbekannten den Pferden auf der Weide außerhalb der Ortschaft die Küchenabfälle über den Zaun warfen. Kartoffel- und Apfelschalen, Kohl, Zucchini, die Mischung war bunt. Leider war sie nicht bekömmlich für die Tiere. Die beiden Pferde verendeten in der Nacht von Samstag auf Sonntag. Heike Stiller, deren Nachbarn den schweren Verlust erleiden mussten, möchte jetzt Menschen davor warnen, den Pferden Küchenabfälle zu fressen zu geben.

Heike Stiller ist selbst Pferdebesitzerin und weiß, dass viele Menschen aus falsch verstandener Tierliebe den Pferden oft etwas zukommen lassen möchten. Dabei sind die Tiere aber keine Allesverwerter wie Schweine. „Pferde haben einen sehr empfindlichen Magen-Darm-Trakt“, sagt die Tierärztin Korinna Koprek aus Schemmern. Die Expertin für Großtiere warnt deshalb ebenfalls eindringlich, den Pferden einfach etwas über den Zaun zu werfen. „Pferde können sich nicht übergeben“, erklärt Koprek. Was einmal in ihren Magen gelangt ist, kommt nicht so schnell wieder heraus. Sie können sich nicht entlasten. Ihre Verdauungsprobleme verursachen schnell zu Koliken, die zum Tod führen können. Pferdebäuche sind nur bedingt dehnbar. „Die Ausdehnung führt am Ende dazu, dass das Herz-Kreislauf-System der Tiere versagt“, sagt Koprek. Gerade im Moment bilden Pflaumen eine große Gefahr. Fressen die Tiere größere Mengen, können sie sich vergiften. Denn die Steine der Früchte enthalten Blausäure. Selbst Grasschnitt ist für die empfindlichen Pferde ein Problem.

Heike Stiller hat die Überreste der Pferdefütterung noch gesehen. Darunter haben sich auch Gartenabfälle befunden: Konifere, Buchsbaum, Ginster. Auch damit kommen die Tiere nicht zurecht. „Die Tiere verenden dann qualvoll nach langem Kampf durch Herz-Kreislauf-Versagen“, erklärt Koprek.

Heike Stiller konnte bislang immer noch verhindern, dass ihre Pferde von Fremden etwas zu fressen bekommen haben. Nach dem Todesfall eines Pferdes in Grebendorf und jetzt in Jestädt wächst bei ihr die Angst. Sie hofft deshalb, dass sich in Zukunft jeder daran hält, die Tiere nicht zu füttern.

Von Tobias Stück

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