BÜRGERMEISTERWAHL IN MEINHARD 

Bürgermeisterwahlen in Meinhard: "Es geht nur Schritt für Schritt“

WR-Lesertreff Meinhard 
+
Auf der Bühne des Bürgerhauses: (von links) Amtsinhaber Gerhold Brill, Guido Hasecke, Michael Pack und WR-Redaktionsleiter Tobias Stück.

Drei Männer wollen ins Meinharder Rathaus, einer von ihnen ist schon drin und will bleiben. Beim WR-Lesertreff mussten die Kandidaten Stellung beziehen. Am Sonntag entscheiden die Wähler.

Meinhard. An heißen Themen mangelt es in Meinhard derzeit nicht: Heimatalm am Ostufer, fehlende Krippenplätze, Ausstattung der Feuerwehren, Investitionsstaus bei der Straßensanierung. Viel Stoff für den Wahlkampf um das Bürgermeisteramt. Die drei Kandidaten, Amtsinhaber Gerhold Brill, Guido Hasecke und Michael Pack (alle parteilos) standen den Fragen von WR-Redaktionsleiter Tobias Stück und den Meinhardern Rede und Antwort. Die Themen zusammengefasst:

Kinder

In Meinhard werden dieKrippenplätze knapp. Kein Politiker könne voraussehen, wie viele Kinder geboren werden, sagte Brill. Zwei Jahre brauche die Kommune für eine dauerhaft befriedigende Lösung. Hasecke sprach sich dafür aus, in das Konzept der Tagesmütter zu investieren. Das sei günstiger für die Gemeinde und würde die Struktur der Tagesmütter aktivieren und stärken.

Jugend

Pack sprach sich klar dafür aus, dass Jugendräume als Orte der Zusammenkunft für Jugendliche bestehen sollen. Hasecke verwies darauf, dass eine Befragung von Jugendlichen ergeben habe, dass diese selbst keinen Bedarf sehen. Zugleich soll aber ein Kinder- und Jugendbeirat in Meinhard geschaffen werden. Der Jugendpfleger sei dem Sparstift zum Opfer gefallen, teilte Brill mit.

Finanzen

Meinhard hat zumindest kein klaffendes Loch mehr im Haushalt. 2,3 Millionen Euro aus Schutzschirmverfehlungen mussten eingespart werden, erklärte Brill, und „nein, wir haben kein Geld, um den gesamten Investitionsstau abzubauen.“ Es gehe darum, Prioritäten zu setzen, was ist sofort wichtig und was könne die Gemeinde noch etwas schieben. Die Reihenfolge zählte er auf: Krippenplätze, Neubau Feuerwehren Frieda und Schwebda sowie neue Fahrzeuge für die Wehren.

Feuerwehren

In die Feuerwehren zu investieren, fordert auch Pack. „Geräte dürfen nicht so alt sein, dass sie eine Gefahr für die Kameraden sind“, sagte er. Hasecke kritisierte, dass die Gemeinde bisher immer nur reagiere, anstatt zu agieren.

Südflügel

Für die Gründung einer schlagkräftigen Interessengemeinschaft, um Investoren für denSüdflügel zu gewinnen, spricht sich Pack aus. Er hätte unter den jetzigen Bedingungen einem Kauf auch nicht zugestimmt. Hasecke kritisierte, dass die Gemeinde kein Konzept für die Immobilie vorlegen konnte und regte an, Eigentümer und Architekten mit ins Boot zu holen. Nach Brills Vorstellungen soll das Gebäude zunächst so gesichert werden, dass es nicht weiter verfällt.

Steuern

Derzeit kommt für Hasecke keine Steuersenkung infrage. Pack sprach sich zumindest gegen eine Erhöhung aus und Brill räumte zwar ein, dass Meinhard im Vergleich zu anderen Gemeinden im Kreis eher im oberen Drittel rangiere, dafür die Gemeinde aber die Straßenbaubeiträge für Bürger abgeschafft habe. Eine Steuersenkung könnte 2021 realistisch sein.

Alm und Tourismus

Tief gespalten ist Schwebda in der Frage um die Ansiedlung der Heimatalm am Ostufer des Werratalsees. Während Brill und Hasecke klar für das Projekt votieren, ist Pack dagegen. Einig waren sich Pack und Hasecke darin, dass das Grundstück, ein „Sahnestück“, nicht von der Gemeinde verkauft werden dürfe. Einen Golfplatz, für den es bisher keinen Investor gibt, befürworten Brill und Hasecke. Pack sagt: „Das braucht keiner.“

Werratalsee

In die Seesanierung könne Meinhard nicht investieren, sagt Brill. Als finanzschwache Kommune könne Meinhard nicht mit Eschwege mithalten. Hasecke gab der schmutzigen Werra die Schuld an der schlechten Wasserqualität und Pack glaubt, dass das Problem mit mehr Bewegung im See zu lösen sei.

Hausärzte

Meinhard hat keinen eigenen Hausarzt mehr. Während Hasecke das neue Ärztehaus lieber in Meinhard gesehen hätte, schlägt Pack vor, Gemeindeschwestern einzusetzen, die sich über diverse Förderprogramme auch finanzieren ließen, und damit zumindest einen Teil der medizinischen Infrastruktur abzudecken. Brill sieht den Schlüssel in der Mobilität, vor allem der Älteren. Ein Schritt sei der Bürgerbus, der zunehmend besser angenommen werde.

Klimaschutz

Auf das Ziel einer CO2-neutralen Kommune will Pack hinarbeiten. Meinhard solle hier mit gutem Beispiel vorangehen. Hasecke schlägt eine Aktion vor, bei der Bürger 1000 Bäume für Meinhard pflanzen. Brill verwies auf den Schutz der wanderenden Kröten, für die inzwischen im Frühjahr die K 3 gesperrt wird.

Beim Austausch des gemeindeeigenen Fuhrparks wolle man auf den Einsatz, wenn möglich, von E-Autos oder Hybridfahrzeuge achten. Bei der Grünflächenpflege plädiert er dafür: weg vom Golfplatzschnitt, hin zur Blühwiese.

Gewerbe

Die jetzt zur Verfügung stehenden Gewerbeflächen von zweimal 5000 Quadratmetern seien zu „dünn“. „Wenn wir Geld verdienen wollen, müssen wir Gewerbe ansiedeln“, sagte er. Für eine aktive Vermarktung des Standortes Meinhard sprach sich Hasecke aus. Das generiere Einnahmen, würde aber auch den vielen Auspendlern entgegenkommen, die lieber wohnortnäher arbeiten würden. Brill kündigte an, dass in Grebendorf bald eine 10 000-Quadratmeter-Fläche zu Verfügung steht, das Betonwerk verlässt den Ort. Die Ausweisung und Erschließung eines Gebietes von 50 000 Quadratmetern werde die Gemeinde zwei bis drei Millionen Euro kosten.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare