Auf Schloss Wolfsbrunnen scheint Beständigkeit einzukehren. Der Ausbau zum Hotel schreitet voran.

Ein Schloss der Liebe

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Sie sorgen für das Wohl der Gäste: Mitarbeiterin Susann Schäfer und General Manager Gerald Schwarz.

Rund 20 Jahre hat Schloss Wolfsbrunnen eine wechselvolle, unstetige Geschichte hinter sich. Jetzt scheinen Ruhe und Beständigkeit einzukehren, nachdem vor dreieinhalb Jahren die russische Millionärin Irina Klochkova das Anwesen gekauft hat. Sie ist die erste Eigentümerin, die bedingungslos investiert.

Es war ein Liebesgeschenk. Landrat Alexander von Keudell heiratete Anfang des 20. Jh. die Tochter des Großindustriellen Oscar Henschel aus Kassel. Dieser ließ dem jungen Liebespaar am Wolfsborn bei Schwebda kurzerhand ein Schloss errichten. Das war 1904 bis 1907. Seither hat das Schloss Wolfsbrunnen eine wechselvolle Geschichte erlebt und viele Besitzer gehabt. 2009 wurde es von der russischen Moderatorin Irina Klochkova gekauft, die den Bau im Stil der Neurenaissance wieder zu seinen romantischen Wurzeln zurückführen möchte. Das Schlosshotel Wolfsbrunnen soll mit seinem Standesamt und seinen edlen Festsälen wieder zum Ort von romantischen Märchenhochzeiten werden.

Für Besitzerin Irina Klochkova ist das neue Hotel Schloss Wolfsbrunnen nun aber ein Liebhaberprojekt, versichert Hoteldirektor Gerold Schwarz. Die Russin ist offenbar bereit, Geld und einen langen Atem zu investieren, um den Ort wieder zu dem romantischen Märchenschloss zu machen, als das es einmal angelegt war. So wurden und werden die Zimmer seit 2009 erneut umgebaut und nach einem neuen Konzept gestaltet. Stilvoll soll jedes Zimmer eine ganz individuelle Einrichtung erhalten. Dazu werden Antiquitäten mit den Nachbauten von alten Möbeln gemischt und jedes Zimmer von der Eigentümerin liebevoll gestaltet. Ein eigener Schneider und Dekorateur näht für jedes Zimmer passende Gardinen und Vorhänge, verziert sie gegebenenfalls individuell mit Troddeln und bunten Glastropfen.

Was Hoteldirektor Gerold Schwarz auch ein bisschen auf die Palme bringt, denn manchen Gästen gefällt der Schmuck so gut, dass sie glauben, Andenken davon mit nach Hause nehmen zu dürfen. Zwanzig der Zimmer sind inzwischen weitestgehend fertiggestellt, am prächtigsten die Hochzeitssuite mit ihrem Himmelbett und dem Dekor in Weiß und Gold. Das ehrgeizige Konzept sieht vor, den ursprünglichen Zustand des Schlosses wiederherzustellen und Stilbrüche, die durch die verschiedensten Umbauarbeiten entstanden sind, zu beseitigen.

Bis 1939 lebte das Ehepaar Louise und Alexander Keudell gemeinsam auf dem Schloss in Schwebda, das in einen Landschaftspark der Familie von Keudell an der Wolfsbornquelle gebaut worden war. Bis Alexander von Keudell starb und seine Witwe allein Teile des Schlosses bewohnte. Während des Zweiten Weltkriegs wurde für zwei Jahre ein Lazarett in den Räumen eingerichtet. Anschließend war das Schloss zwei Jahre lang Lager der Nothilfe- und Wiederaufbauverwaltung der Vereinten Nationen für sogenannte displaced persons, meistens aus dem Osten verschleppte Zwangsarbeiter. 1947 pachtete das Hilfswerk der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck das Schloss für fast zehn Jahre, um etwa Russlandheimkehrer hier zu betreuen oder Bergwerkslehrlingen aus dem Ruhrgebiet als Erholungsheim zu dienen. In dieser Zeit wurde die Romantik auf Wolfsbrunnen eher kleingeschrieben.

Bis 1961war der Bundessgrenzschutz Schlossherr. Von 1969 bis 1981 sollte das Schloss dann zum ersten Mal als Hotel fungieren - was jedoch nicht realisiert wurde. Danach begann die wohl bunteste, bzw. orange Zeit des Anwesens. Als „Rajneesh Stadt“ wurde es zum Aschram der Bhagwan-Jünger, in dem etwa 80 der orange-rot gekleideten Anhänger ihre indische Spiritualität auslebten. Die bauliche Situation verbesserte diese Episode nicht unbedingt. Ab 1988 musste das Schloss aufwändig für mehrere Millionen DM saniert werden, um nun endlich einen Hotelbetrieb in den gediegenen Hallen etablieren zu können. Mehrere Besitzer versuchten sich daran, doch ohne dauerhafte Erfolge.

Gäste aus rund dreißig Nationen haben das Hotel inzwischen schon besucht“, sagt Gerold Schwarz. „Wir wünschen uns ein internationales Flair hier, das auch der Region Impulse geben kann.“ Gerade im Bereich des Tourismus sieht der Manager noch Möglichkeiten für den Werra-Meißner-Kreis, sein Engagement weiter voranzutreiben, um im Bereich der Besucherzahlen noch weiter zuzulegen. Weshalb Schwarz sich auch eine bessere Zusammenarbeit mit dem Tourismusverband wünscht, denn mit zwei Häusern, Wolfsbrunnen und dem Werotel in Eschwege sowie rund 50 Mitarbeitern führt er nun einen der wenigen größeren Beherbergungsbetriebe im Kreis.

Ganz neu auf dem Schloss ist der Festsaal mit Terrassenblick und der großen Bar im Untergeschoss, der großen Feiern, wie Hochzeiten und Familienfesten zur Verfügung stehen kann. Auch das Restaurant ist in Betrieb und bietet im eleganten Ambiente regionale und internationale Küche an. Gerold Schwarz möchte hier Schwellenängste abbauen: „Unser Restaurant kann jeder besuchen, nicht nur die Hausgäste, es bietet täglich warme Küche von 11 - 22 Uhr sowie Kaffee und Kuchen und eine Cocktailbar.“ Um Draußen sitzen zu können, mit Blick auf den Landschaftspark, wurde eigens die Terrasse aufwändig saniert. Und auch hier wird auf die Architekturdetails viel Wert gelegt.

Bis 2013 soll im Untergeschoss auch der Spa- und Wellnessbereich umgebaut und eröffnet werden. Es gibt also noch einiges zu tun auf Schloss Wolfsbrunnen, doch vieles ist schon fertig und die ersten Gäste haben das Haus besucht. Informationen zu allen Angeboten gibt es auf: www.schloss-wolfsbrunnen.de

Von Kristin Weber

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