Landwehr: Kleines Flüsschen mit großer Bedeutung 

Die Landwehr bekommt wieder Hilfe: Seit Ende des Kiesabbaus Zwischen Grebendorf, Schwebda und Eschwege stehen ihr Gemeinde sowie Wasser- und Bodenverband zur Seite. Foto: privat

Schwebda/Grebendorf. Die Aufgabe der Landwehr hat sich gewandelt. Im Mittelalter sollte das kleine Flüsschen das nördlich von ihr gelegene Siedlungsgebiet schützen. Heute soll sie vor Hochwasser und Vernässung bewahren. Ein Porträt.

Vom Gelben Berg in Schwebda fließen unzählige kleine Wasseradern unterirdisch in Richtung Werratal, werden in der unberührten Natur des Berghanges gefiltert, sammeln sich am Fuße des Gelben Berges, um den Durchbruch zum Tageslicht in der kleinen Landwehrquelle zu finden. Wie in einer Oase liegt die Quelle. Beschattet von Bäumen im Sommer, geschützt vor dem Frost im Winter. Gerade mal drei Liter in der Sekunde schüttet die Landwehr in ihr Bachbett - doch der Weg bis zur Mündung in die Werra ist beschwerlich und von vielen Hinternissen geprägt.

Das Rieth versumpft

Sie muss kämpfen, um in Höhe des Meinhard-Sees bei Jestädt die Werra zu errreichen. Damals, als sie entstanden ist, hat sie auf ihrem Weg getrödelt, hat sich in den Wiesen links und rechts erst mal ausgeruht und hat diese versumpft - hat sie zum Rieth gemacht. 1935 war das dann aber vorbei. Zusätzliche landwirtschaftliche Flächen mussten zur Versorgung der Bevölkerung geschaffen werden - für Sumpf und Rieth war da kein Platz. Nach französischemVorbild wurde das Rieth mit Drainagerohren versehen. Ihr kleines Bett wurde nun vergrößert. Zu dem Quellwasser kamen nun unzählige Einmündungen von Wässern aus den ehemaligen Sumpfgebieten. Das Bett für sie wurde flach gehalten - musste flach gehalten werden, um in 3,5 Kilometern noch in die Werra münden zu können. Richtung Norden und das möglichst schnell, sollte das Wasser fließen. Wie oft stellten sich Äste und Uferbewuchs ihr in die Quere und hielten sie auf. Da gab man sich Mühe - da wurden Hinternisse im Bachbett regelmäßig beiseite geräumt, wurden die Ufer frei geschnitten, damit sie es nicht zu schwer hatte, voranzukommen.

Kiesabbau schafft Probleme

Als dann aber der Kiesabbau im Werratal in den 60er Jahren begann, war es vorbei mit dieser schönen Zeit. Riesige Pumpen senkten den Grundwasserspiegel und entzogen der Landwehr ihr Gastwasser. Die Landwehr wurde zum Rinnsal, da auch ihr Quellwasser zum Teil den Weg Richtung Westen änderte und bereits im Rieth versickerte. Wasser- und Bodenverband und die Gemeinde stellten damals nahezu gänzlich ihre Arbeitshilfe für die Landwehr ein. Aber die Landwehr ließ sich nicht entmutigen und harrte der Dinge, die da kommen würden. Nach gut vier Jahrzehnten schwiegen dann endlich die Pumpen.

Landwehr bekommt Hilfe

Riesige Wasserflächen standen nun in ihrer Nachbarschaft. Der abgesenkte Grundwasserspiegel stieg wieder an und das alte Bachbett füllte sich wieder langsam. Gemächlich durchfloss sie nun wieder das Sandhasendorf. Gemeinde sowie Wasser- und Bodenverband stehen ihr heute wieder zur Seite. Helfen in kleinen Schritten, Hindernisse im Bachbett zu beseitigen. Helfen ihr dabei, dass sie ihre Ufernachbarn bei Hochwasser nicht ärgern muss. Auch wenn sie dabei noch immer selbst viel kämpfen muss. Gerade dann, wenn Wolkenbrüche sie überfordern und sie ihr Bett verlassen muss. Oder wenn ihre Nachbarn den Uferstreifen so verstellen, dass Gemeinde sowie Wasser- und Bodenverband ihr nicht helfen können, schnell zu fließen. Dann schimpft man wieder über sie, so wie damals, als sie im Rieth getrödelt hat. Wenn sie mit dem Fließen warten muss, weil mal wieder die Bachsohle aufgelandet ist oder Äste und Schilf den Weg versperren. Dann, auf den letzten 1,5 Kilometern, wenn sie unter der Eschweger Brücke endlich durch ist, nimmt sie nochmals richtig Fahrt auf. Hier hat sie die größte Gefällstrecke. Sie weiß da noch nicht, dass sie am Ende ihrer Reise nun der Werra helfen muss, ihre Salzfracht zu tragen. (red)

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