Blickpunkt Werra-Meißner

Schwebdaer Weißstörche sind jetzt flügge: Jungfernflug nach hartem Training

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Die jungen Störche auf dem Steinernen Haus in Schwebda kräftigen ihre Brustmuskulatur, um für ihren Jungfernflug stark genug zu sein – der fand am 31. Juli statt.

Die erste erfolgreiche Brut eines Weißstorchenpaares seit 20 Jahren im Werra-Meißner-Kreis in Schwebda hat nicht nur Vogelkundler und -schützer bewegt. Die Tiere haben eine wechselvolle Geschichte im Werratal.

An einem Mittwochabend sind die drei Jungstörche, die ein Weißstorchpaar auf dem Steinernen Haus des Rittergutes Schwebda großgezogen hat, zum ersten Mal alleine ausgeflogen – bei ihrem ersten elternfreien Freiflug beobachtet von Vogelschutzwart Rainer Olßok. Seit die drei Jungvögel das erste Mal ihre Köpfe aus dem Nest gesteckt haben, war Olßok täglich drei Mal auf dem Rittergut, um ihre Entwicklung und ihr Verhalten mitzuerleben. „Der Jüngste der drei hat mir anfangs etwas Kopfzerbrechen bereitet, da er immer etwas zurückhaltend war.“ Seine Sorge erweist sich glücklicherweise als unbegründet. „Alle drei haben sich prächtig entwickelt“, erzählt Olßok stolz wie ein Storchenvater.

Zu ihrem Jungfernflug gestartet sind die Storchenkinder am 31. Juli. „Ein Altvogel vorweg und alle drei Jungen hinterher, sie drehten eine Runde über den westlichen Teil des Ortes und kehrten zum Nest zurück.“

Tägliches, hartes Training

Graue Nesthocker waren die Jungstörche noch Ende Juni, als dieses Foto entstand.

Doch bevor es so weit war, galt es für die Jungen täglich hart zu trainieren „Die Flügel der Vögel bestehen aus Arm-und Handschwingen, im Aufbau mit dem menschlichen Oberarm vergleichbar. Diese setzen an der Brustmuskulatur an“ erklärt der Vogelkundler. Somit sei diese für das Fliegen verantwortlich und muss täglich und ausreichend gekräftigt werden.

Das taten die drei Jungstörche abwechselnd mit Flügelschlagen im Nest. Im Juli begannen sie, so berichtet Olßok, mit Sprüngen aus dem Nest und gleichzeitigem Flügelschlagen. Die Sprünge wurden von Tag zu Tag höher. Und Ende Juli waren sie bereit zum Start in den Luftraum. „Der erste Flug der drei dauerte nur wenige Minuten und wurde durch zahlreiches Schnabelklappern der Kleinen begleitet.“

Ende September ist die Zugzeit der Weißstörche. „Wenn sie sich weiterhin so gut entwickeln, werden sie wohl bis dahin kräftig genug für ihren Weg sein“, hofft Olßok. „Denn die jungen Störche gehen vor ihren Eltern auf eine abenteuerliche und ungewisse Reise.“

Schwebda als Anziehungspunkt

Aufbau der Nistfläche im Jahr 2020.

Nun wünschen sich die Vogelkundler, dass die Störche im nächsten Frühjahr wieder den Werra-Meißner-Kreis erreichen. Bei den Jungen dauert es zwei bis drei Jahre bis zur Brutreife, so Vogelexperte Wolfram Brauneis. „Für die Altvögel aber wird Schwebda hoffentlich wieder einen Anziehungspunkt darstellen.“

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