Tankstellenbesitzer verzweifeln

Sprit ist so günstig wie lange nicht mehr, aber nur wenige kommen zum Tanken

Der Sprit ist an den Tankstellen im Landkreis günstig wie lange nicht. Besitzer und Pächter verzweifeln aber. Es kommen nur wenige in diesen Tagen zum Tanken. 

Wer in den vergangenen Wochen auf die Preistafeln der Tankstellen blickte, der kam ins Staunen: So günstig war der Sprit im Werra-Meißner-Kreis lange nicht mehr. Anders als auf den ersten Blick gedacht, lässt das die Autofahrer aber nicht häufiger tanken. Im Gegenteil: Die Tankstellen-Betreiber haben wegen der Corona-Krise mit Umsatzeinbußen zu kämpfen.

„Ich mache das jetzt bereits 16 Jahre, aber sowas habe ich noch nicht erlebt“, sagt Michael Heizmann, der in Grebendorf und Reichensachsen Honsel-Tankstellen betreibt, zu den niedrigen Spritpreisen. Unter einen Euro sei der Literpreis für Diesel bei ihm gefallen. Super hätte schon bei 1,13 Euro pro Liter gelegen. Der eine Grund für den Preisverfall ist die lange fehlende Einigung der OPEC-Staaten auf die Drosselung der Rohöl-Fördermengen – mehr Öl auf dem Weltmarkt drückt den Preis nach unten. Der andere Grund ist die mangelnde Nachfrage wegen der Corona-Krise: „Es will keiner mehr tanken, denn die Leute müssen derzeit nicht mit dem Auto zur Arbeit fahren“, sagt Heizmann. Rund 40 Prozent weniger Verkehr sei derzeit auf Deutschlands Straßen unterwegs, teilte der ADAC jüngst mit.

Das macht sich auch beim Zusatzgeschäft bemerkbar: Weniger Kunden bedeuten auch weniger verkaufte Baguettes und Kaffee. „Normalerweise ist jetzt die Jahreszeit, wo wir uns den Speck für die schlechteren Monate anfuttern“, sagt Heizmann.

Auch Frank Reichelt von der Eschweger Esso-Tankstelle bestätigt den Umsatzrückgang. Bei ihm gibt es aber auch einen positiven Effekt: „Die Leute haben uns als Nahversorger entdeckt“, sagt er. Womöglich, weil es kaum Schlangen gebe und sich die Leute deswegen wohler als im Supermarkt fühlten.

Sie hätten keine Kurzarbeit anmelden müssen, aber die Öffnungszeiten am Abend verkürzt, berichtet Frauke Gottsleben-Kühnl von der Esso-Tankstelle in Bad Sooden-Allendorf. Es mache sich am Abend deutlich bemerkbar, dass Restaurants, Bars und Kinos geschlossen seien, und weniger Kunden kämen. „Wir warten auf wieder normale Arbeitsbedingungen“, sagt sie.

Deswegen ist der Sprit so günstig

Monatelang hatten sich die wichtigsten Erdöl-Förderländer Saudi-Arabien, Russland, USA, Irak und Kanada nicht einigen können, die Fördermengen zu drosseln. Die Folge war ein Preisverfall bei Benzin, Diesel und Heizöl um fast 50 Prozent – mit Beginn schon vor der Corona-Krise. An Ostern kamen Russland, Saudi-Arabien und weitere Mitglieder der Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC) überein, weniger zu fördern. Die Folge: Der Rohöl-Preis zog wieder an.

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