Südflügels des Grebendorfer Schlosses vom Verfall bedroht

Interessiertes Publikum: Gespannt lauschen die Meinharder den Informationen über den Zustand und eine mögliche Sanierung des Schlosses in Grebendorf. Foto: Lorenz Schöggl

Löcher in der Fassade sind nur der Anfang: Marode und teils vollständig abgefaulte Stützbalken bedrohen die Stabilität des Südflügels des Keudell’schen Schlosses in Grebendorf.

Freitagabend konnten sich interessierte Bürger bei einer Bürgerinformation samt Fotostrecke und historischem Rückblick durch Willi Jakal im Bürgerhaus über den aktuellen Zustand und mögliche Lösungen für den Südflügel, der sich in Privatbesitz befindet, erkundigen.

Der Einfluss auf das Dorfbild und der kulturelle Wert stehen in einer emotionalen Debatte der Sorge vor ausufernden Kosten für die finanzschwache Kommune gegenüber.

Braucht der Südflügel die Hilfe der Gemeinde?, lautet die zentrale Frage. Seit Jahren befindet sich das denkmalgeschützte Objekt in geteiltem Privatbesitz; Privatwohnungen, Lebensmittelgeschäfte und Bankfilialen waren Nutzungsideen, die im Laufe der Zeit aufkamen – keine konnte realisiert werden. „Bei vielen Balken kann man den bloßen Finger ohne Widerstand hineinstecken“, fasst Bürgermeister Gerhold Brill die Folgen des Sanierungsstaus zusammen, „das Objekt steht zentral im Ortsteil Grebendorf und prägt das Ortsbild. Manch einer würde es als Schandfleck bezeichnen“.

70 000 Euro sind im Haushalt des aktuellen Jahres für den Rückkauf in Gemeindehand eingeplant, jedoch mit einem Sperrvermerk durch die Gemeindevertretung versehen worden. Kommende Woche beabsichtigt Brill, die Aufhebung des Sperrvermerks zu beantragen.

Laut Schätzungen des Ortsgerichts beträgt der Wert des Südflügels, zu dem auch die Hälfte des Hofs in direkter Nachbarschaft der Verwaltung samt Parkplätzen gehört, rund 60 000 Euro. Ein Ingenieurbüro bescheinigte, dass Absperrmaßnahmen wegen Einsturzgefahr notwendig seien, und die Kosten für eine Sanierung bei bis zu 400 000 Euro lägen. Förderungen sind sowohl durch das Dorfentwicklungsprogramm bis 2022 als auch durch die Denkmalpflege zu erwarten – insgesamt rund 75 Prozent ohne Steuern und Ankaufskosten. Um die Voraussetzungen für Förderungen zu schaffen, schwebt Brill die Nutzung als Kulturscheune im oberen Bereich und Veranstaltungsraum im unteren Bereich vor.

„Ich hätte mir ein paar konkrete Zahlen und Vorschläge zur Nutzung gewünscht“, kritisiert Martin Schwarzer scharf; die Veranstaltung habe für ihn keinen Mehrwert gebracht. Kritisch äußern sich einige Anwesende, dass die Kosten ausufern würden – bis zu 1,5 Millionen Euro werden befürchtet. Die Gegenseite weist auf das Erscheinungsbild und den historischen Wert hin: „Das ist ein Kulturgut, das erhalten werden muss, aber der Ankauf darf nur zu einem obligatorischen Euro stattfinden“,stellte Gerold Schwarz fest.

Die anwesenden Eigentümer stellen jedoch die getätigten Investitionen dar. Letztendlich fasst Guido Hasecke, Vorsitzender der Gemeindevertretung, das Dilemma zusammen: „Ich bin mir unschlüssig. Das Schloss bedeutet viel (…), aber wir haben ein unterschätztes Problem: Wir haben kein Geld“, sagte er. Hasecke verweist auf die hohen Steuern und hofft auf eine privatwirtschaftliche Lösung, wobei ihm eine konkrete Vorstellung fehle.

Insgesamt wird bei Wortmeldungen, die einen Ankauf befürworten mehrheitlicher Applaus laut. 30 der 55 Anwesenden – überwiegend Grebendorfer – stimmten bei dem Meinungsbild, das Brill am Ende abfragte, für eine Sanierung durch die Gemeinde. Doch letztendlich muss sich die Gemeindevertretung am kommenden Donnerstag, 21. November, im Dorfgemeinschaftshaus Hitzelrode entscheiden.

Von Lorenz Schöggl

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