Blickpunkt Werra-Meißner

Der Uhu wird in der Region Werra-Meißner heimisch

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Vogelschutzwart Rainer Olßok hält Ausschau nach seinen Uhus, die derzeit an einer Felswand ihre Jungen aufziehen.

Der Uhu steht in Deutschland unter strengstem Naturschutz. Mitte des 20. Jahrhunderts war er hier beinahe ausgerottet. Eines der seltenen Großeulenpaare zieht gerade seine beiden Jungen auf.

Wenn Rainer Olßok auf seiner täglichen Runde das Uhu-Revier an einer Felswand in der Hessischen Schweiz erreicht, gibt es zwei Möglichkeiten. Entweder hocken die beiden Jung-Uhus im oder direkt vor ihrem Nest und faulenzen in den hellen Tag hinein, oder die ganze Familie samt Vater und Mutter ist wie vom Erdboden verschluckt. Dann beginnt Olßok das Gespräch und redet mit den unsichtbaren Uhus über Gott und die Welt. „Dafür werde ich schon belächelt“, sagt er – aber auch belohnt. Denn meist taucht der männliche Altvogel dann auf und lässt sich von Olßok mit etwas Menschenklatsch und -tratsch berieseln. „Die kennen mich und fürchten mich nicht“, weiß Olßok. Das sehe man vor allem daran, dass die Federohren des Uhus aufrecht stehen und er die Augen halb geschlossen hält. Denn fühlt sich der Uhu tatsächlich unangenehm gestört oder bedroht, legt er seine Federohren an und reißt die Augen weit auf, um den Eindringling ins Visier zu nehmen.

Vogelschutzwart für den Werratalsee

Rainer Olßok ist Vogelschutzwart für den Werratalsee und die weitere Umgebung. Das tut er zum einen im Auftrag des Geo-Naturparks Frau-Holle-Land und zum anderen aus Leidenschaft. Seit seiner Jugend beobachtet er Vögel, ist Mitglied des Ornithologenverbandes. „Früher habe ich hobbymäßig Feldvögel beobachtet, und irgendwann wurden die Uhus mein Steckenpferd.“ Er schwärmt: „Das ist die größte heimische Eulenart, das Weibchen ist um die 70 Zentimeter groß und die Füße des Uhus sind gewaltig wie Männerhände, die Krallen lang wie Finger und rasiermesserscharf.“

Nimmt ein Sonnenbad am Felsen: Der junge Uhu verdöst den Tag auf einem steinigen Vorsprung vor seinem Nest. 

Das Uhu-Pärchen beobachtet der Vogelkundler nun seit drei Jahren und freut sich über den neuen Nachwuchs. „Ich hatte in diesem Jahr sogar auf drei Junge gehofft, weil wir ein wirklich gutes Mäusejahr haben“, sagt Olßok, der neben seinem Fahrrad stets Kamera und Fernglas dabei hat. Er kennt die Ansitzplätze seiner Uhus, weiß, in welche Fichte oder Eiche er schauen muss, um die Tiere zu entdecken.

Uhus sind ortstreu und wechseln auch ihren Partner nicht, das Altvogelpaar lebt nur während der Aufzucht der Jungen zusammen und kümmert sich gemeinsam um deren Hege, Pflege und Schutz. 120 bis 150 Tage nach dem Schlüpfen, also etwas Ende September jeden Jahres, sind die Jungen so weit, dass sie für selbst sorgen können. „Dann werden sie von den Altvögeln weggejagt“, weiß Olßok.

Von der Maus bis zum Maulwurf

Doch so weit ist es noch lange nicht. Die jungen Uhus haben noch ihren grauen Flaum statt des braunen Gefieders und sie werden komplett von ihren Eltern versorgt mit dem, was Luft und Boden so hergeben. Zur Uhu-Beute gehören alle Kleinsäuger von der Maus über den Maulwurf bis zum Feldkaninchen, auch kleinere Vögel stehen auf dem Speiseplan.

Zumindest in der Vogelwelt hat der Uhu kaum natürliche Feinde, Olßok weiß aber aus eigener Beobachtung zu berichten, dass die Uhus hin und wieder von Horden an Rabenkrähen regelrecht attackiert werden.

Alles im Blick: das Uhu-Männchen.

Uhus brüten an Felsen, die nicht unbedingt im Wald liegen müssen. Laut der Beschreibungen des Ornithologen Wolfram Brauneis in seinem Buch „Allgemeiner Vogelführer durch den Werra-Meißner-Kreis“ nennt er den Basaltbereich am Hohen Meißner bei Bransrode, die Muschelkalkfelsen der Werraberge und die Hessische Schweiz in Meinhard.

Beobachtet worden sind die Tiere auch bei Gertenbach, Hundelshausen und Blickershausen. Zudem habe der Uhu Brutvorkommen in den für Gesteinabbau genutzten Brüchen bei Röhrda, im Grauwackenbruch nahe des Höllentales bei Frankershausen und bei Sontra-Berneburg.

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