Der größte Brand des Dorfes

Vor 170 Jahren: 19 Gebäude in der Grebendorfer Kirchstraße fangen Feuer

Der Auslöser: In der Kirchstraße 1 (linkes Haus) brach das Feuer aus. Durch Südwestwind breiteten sich die Flammen schnell aus und griffen auf andere Gebäude im Dorf der Sandhasen über. Foto: Tobias Stück

Grebendorf. Vor 170 Jahren hat ein großer Brand den Meinharder Ortsteil Grebendorf heimgesucht. Gleich mehrere Gebäude in der Kirchstraße waren betroffen. Der Grebendorfer Ortschronist Martin Menthe war direkt betroffen. Heute jährt sich das Ereignis.

Es war ein Feuer von besonderer Art, noch niemals hatte ein solcher Brand in Grebendorf stattgefunden. Gleich vier Anwesen waren betroffen. Der Grebendorfer Chronist Martin Menthe schrieb damals: „Im Jahre 1848, den 6. August, morgens um 3 Uhr, es war gerade Sonntag, wurden wir von einer großen Feuerbrunst, welche in dem Hintergebäude unserer Nachbarn, den Kaufleuten Würschmidt und Bödicker (heute Fey, Kirchstraße 1) ausbrach, heimgesucht. Das Lagerhaus (vierstöckig), in dem Stärke und Kartoffelmehl zubereitet wurde, hat man die Fabrik genannt.“

Martin Menthe wohnte damals mit seiner Frau Martha Elisabeth, geb. Böttner, und den Schwiegereltern Christian Böttner und dessen Ehefrau Barbara, geb. Stiederoth, direkt nebenan im Haus Hoffmann. Seinen Aufzeichnungen ist eine detaillierte Schilderung der Ereignisse zu verdanken.

Er erinnerte sich, dass selbst der große Brand von 1811, als das „Blaue Haus“ in der Sandstraße Feuer fing, nicht vergleichbar war. Durch starken Südwestwind seien die Flammen gleich zu den nächsten drei bis vier Gebäuden hingeflattert. Voller Schrecken, unter dem lauten Tönen der Sturmglocken und dem jämmerlichen Geschrei und Geheule der schon vom Feuer Betroffenen, lief nun alles zur Brandstätte hin, um hier zu retten und zu löschen, so viel man tun konnte. Da das Feuer bald von weither als ein großes Unglück gesehen wurde, kamen bald von nah und fern zahlreiche Feuerspritzen an die Brandstätten heran. „Doch ob man gleich auch arbeitete, löschte und niederriss, so wollte dies alles nichts helfen und konnte den Flammen kein Halt bieten, diese griffen immer mehr und mehr um sich; bei den heftigen Windstößen flogen die Funken weit über das Dorf bis hin zur Sandstraße.“

In unmittelbarer Nähe des Brandausbruches waren die Anwesen von Martin Menthes Schwiegereltern direkt betroffen. Martin Menthe schreibt: „Ich schlief mit meiner Frau in der kleinen Stube meines Schwiegervaters, der Fabrik gegenüber, hier wachte ich auf, als wohl 3 Uhr morgens gewesen war, ach, welch ein furchtbarer Anblick!“ Als Nächstes griffen die Flammen auf die Gebäude des Nachbarhofes von Christoph Narbe über, der so weit abbrannte, dass es unwirtschaftlich war, diesen wieder aufzubauen. Somit sind insgesamt 19 weitere Gebäude, auch der Hof der Böttners (heutiger Eigentümer Prälat Bernd Böttner) betroffen. Von einem weiteren Hof, die „Menthes im Loche“ genannt, (heute: Ilsemarie Stietz) mit fünf Gebäuden, waren nur noch „drei halbe Häuser“ stehen geblieben.

Zum Schluss schreibt Martin Menthe in seiner Chronik: „Übrigens ist die Entstehung des Brandes, ob derselbe durch Unvorsichtigkeit oder durch eine Anlegung verursacht, nicht bekannt geworden, obgleich die allgemeine Meinung sich für Letzteres aussprach. Zwar wurden auch durch Verhöre und Untersuchungen darüber angestellt, aber kein Ergebnis darüber veröffentlicht.“

Von Helmut Stück

Menthe schrieb über Kirchturm hinaus

Martin Menthe wurde im Jahr 1802 in der Sandstraße (im sogenannten Blauen Haus) geboren. Schon sehr früh begann er alle wichtigen Ereignisse, welche im 19. Jahrhundert vorgekommen sind, aufzuzeichnen und in einem kleinen Büchelchen, er nannte es Tagebuch, einzuschreiben. Über die Jahre seiner Kindheit schreibt er: „Im Jahre 1807, als ich fünf Jahre alt war, ging ich bei dem damaligen Schullehrer Heinrich Braun in die Schule, von ihm erlernte ich in den Jahren 1808 bis 1813 nicht nur allein die Lehren des Christentums, Singen und Lesen, sondern ich erhielt auch bei ihm Privatunterricht im Schreiben, Rechnen, Violinspielen und Flötenblasen.“ „Wenn man über seine vielen Aufzeichnungen, geschrieben in der damaligen Kurrentschrift, nachdenkt, muss man ihm hoch anerkennen, dass er dies alles neben seinen nicht immer leichten Arbeiten in der Landwirtschaft durchgeführt hat“, sagt Helmut Stück, der seine Aufzeichnungen als Buch herausgebracht hat. „Bei dieser Gelegenheit Dank an York-Egbert König, der die Abschriften mit dem Original verglichen und korrigiert sowie über die ungebräuchlichen Begriffe Erklärungen abgegeben hat.“ Auch die Historiker Herbert Fritsche und Dr. Karl Kollmann haben in ihrem „Eschweger Lexikon“ über Martin Menthe berichtet. Schließlich habe er in seinen Aufzeichnungen seinen Blick über den heimischen Kirchturm hinausgerichtet. Menthe starb am 10. Mai 1889. • Das Buch ist in einer limitierten Auflage bei der Buchhandlung Heinemann und bei der Gemeindeverwaltung Meinhard erhältlich. (red)

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