Bärenfamilie lebt im Gästehaus

Waschbärenplage in Frieda: Hausbewohner fühlen sich im Stich gelassen

Possierlich, aber invasiv und meist frech: Waschbären leben meist in Familien und wo sich sie eingerichtet haben, sind sie schwer wieder zu vertreiben.
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Possierlich, aber invasiv und meist frech: Waschbären leben meist in Familien und wo sich sie eingerichtet haben, sind sie schwer wieder zu vertreiben.

Eine ganze Waschbärenfamilie hat das kleine Gästehaus einer Familie im Meinharder Ortsteil Frieda in Beschlag genommen. Weder durch laute Musik noch durch Fallen lassen sich die Kleinbären zum Auszug bewegen. Die Familie ist ratlos und fühlt sich im Stich gelassen.

Frieda – In dem kleinen Gästehäuschen hinter der Doppelhaushälfte der Familie Nikolaus in Frieda dröhnt ein Radio auf voller Lautstärke – und zwar Tag und Nacht. Als Übernachtung für Enkel und andere Gäste ist das „Scheunchen“ – so nennen Nikolaus‘ den kleinen Bau – nicht mehr nutzbar, aber der Lärm soll eine Waschbärenfamilie vertreiben, die dort seit Jahren lebt und stetig wächst.

Dachisolierung ist jetzt Waschbärennest-Dämmung

Carla Nikolaus geht davon aus, dass zwischen vier und sechs Waschbären Quartier in der Zwischenwand des Fachwerkgebäudes bezogen haben, die den Teil der Familie Nikolaus von dem der Nachbarin trennt. Nachts wölbe sich die Holzverkleidung der Decke herab, es raschelt und trappelt, wenn die nachtaktiven Tiere zwischen Ziegeln und Decke unterwegs sind. Die komplette Isolierung des Scheunchens hätten die Waschbären in den Hohlraum der Zwischenwand geschafft und es sich dort damit kuschlig gemacht. Das Dach müssen die Nikolaus jetzt neu isolieren und decken lassen. Ihre Enkelin, die vor einigen Wochen in dem Scheunchen noch übernachtet, hatte nachts eine erschreckende Begegnung mit den Waschbären, die zu dritt vor der Tür des Häuschens hockten und ohne Scheu ihren Platz verteidigten.

Nachbarin bestreitet die Anwesenheit von Waschbären

Die andere Bewohnerin der Doppelhaushälfte, Doris Schulz, hingegen sagt, dass sie seit Jahren keinen Waschbär mehr gesehen habe, geschweige denn die Tiere füttere, was Carla Nikolaus vermutet. „Ich wüsste gar nicht, was Waschbären fressen“, sagt Doris Schulz.

Die Familie Nikolaus hat sich in den vergangenen Jahren mehrfach an das Ordnungsamt der Gemeinde Meinhard gewandt – erfolglos, wie Carla Nikolaus sagt. Die Familie fühle sich von den Behörden „im Stich“ gelassen. „Wir können da nichts machen“, bestätigt Meinhards Bürgermeister Gerhold Brill. „Da muss sich die Familie einen professionellen Schädlingsbekämpfer besorgen.“

Tiere aus Fallen müssen erschossen werden - Aussetzen ist verboten

Der Ehemann von Carla Nikolaus hat vor drei Jahren einen Fallenlehrgang absolviert, um so Herr der Bärenplage zu werden. Da er aber keinen Jagdschein hat, darf er auch die gefangenen Tiere nicht erschießen, sondern wäre auf Jäger angewiesen, die das zeitnah übernehmen. „Das klappt meist nicht, deshalb aktiviere ich die Fallen im Moment auch gar nicht“, sagt er.

Schädlingsbekämpfer Stefan Patzak sagt: „Wir würden die Tiere auch nur mit Fallen fangen und dann den Jägern übergeben, das kostet aber.“ Schützen gegen die Bären können sich die Familie nur, indem sie bauliche Veränderungen vornimmt, die den Zugang versperren. (Stefanie Salzmann)

Carla Nikolaus aus Frieda vor ihrem Gästehaus, in dem die Waschbären leben.

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