350 Tiere sollen weiden

Nachbarn kündigen Widerstand gegen Hühnermobil im Feld an

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Ramon Menthe betreibt das Hühnermobil mit 345 Hennen und fünf Hähnen.

Zehn Hauseigentümer-Parteien der Grebendorfer Siedlungsstraße kündigen Widerstand gegen ihre neuen Nachbarn an. Dabei handelt es sich um 345 Hühner und fünf Hähne im Hühnermobil.

Der Grebendorfer Landwirt Christian Menthe hat die mehrere tausend Quadratmeter große Fläche, die direkt unterhalb an die Gartengrundstücke der Siedlungsstraße grenzt, gepachtet, mit Gras eingesät und will sie als eine von mehreren Grünweidefläche für seine Hühner aus dem mobilen Hühnerstall nutzen. Die Fläche befindet sich im sogenannten Außenbereich.

„Wir fürchten den Lärm, den die Tiere machen und vor allem den Gestank durch den Hühnerkot“, sagt Anwohnerin Astrid Gimpel. Vor allem während der Sommermonate sei dann im Garten keine Entspannung mehr möglich. Sie habe bereits ihr Haus mit Fliegengittern verbarrikadiert. Gottfried Henning gar erinnert sich an die Zeiten, als der benachbarte Aussiedlerhof Hühner in Legebatterien hielt und mehrmals im Jahr den Kot aufs Feld brachte. „Das sind mir die Gäste vom Geburtstagsfest weggelaufen.“

Fürchten Lärm und Gestank: Gottfried Henning und Astrid Gimpel wohnen an der Grebendorfer Siedlungsstraße. Auf der großen Grünfläche sollen zeitweise 345 Hühner weiden.

Was Astrid Gimpel und Henning am meisten grämt, ist, dass sie sich mit ihren Bedenken und Sorgen von Landwirt Menthe nicht ernst genommen fühlen. „Bei der Informationsveranstaltung zu dem Hühnermobil wurden wir ausgelacht“, erzählt Gimpel.

Beide Anwohner sind im Verband für Wohneigentum organisiert und haben sich von dort inzwischen auch juristischen Rat eingeholt. Der Anwalt weist darauf hin, dass Hühner als Kleintiere gelten und deshalb selbst in Wohngebieten deren Haltung nicht genehmigungspflichtig ist. Allerdings verweist er auf das „Gebot nachbarschaftlicher Rücksichtnahme“, das Ausmaß der Haltung sei mit 345 Hühnern überschritten.

Landwirt Menthe weist darauf hin, dass er den Anwohnern bereits bei der Infoveranstaltung zugesichert habe, dass er absolut gesprächsbereit ist, sollte es Probleme geben. „Ich verstehe die schweren Geschütze nicht, bisher hat sich niemand die Tiere und das Hühnermobil angeschaut“, sagt der Landwirt. Der mobile Stall ist derzeit direkt am Hof der Familie Menthe stationiert und wird von Sohn Ramon betreut. „Das kann sich jeder anschauen“, lädt er ein.

Demnächst soll das Hühnermobil auf die Fläche unterhalb der Siedlungsstraße umziehen, zirka alle 14 Tage wird ein 700 Quadratmeter großes neues Gehege dort gesetzt werden.

Der Kommentar von Redakteurin Stefanie Salzmann

"Artgerechte Tierhaltung, Eier von glücklichen Hühnern, Milch von Wildkräuter kauenden Kühen finden alle gut und zukunftsweisend. Aber bitte nicht vor der eigenen Haustür. Das formulieren die Anwohner der Siedlungsstraße auch deutlich. Ihrer Ansicht nach gebe es ausreichend Grünlandalternativen für die 345 Hühner. 

Sicher sind die Toleranzschwellen bei den Menschen unterschiedlich. Was dem einen Musik in den Ohren ist, lässt den anderen nicht schlafen. Nun wären die 345 Hennen samt ihrer fünf Hähne nicht das erste Federvieh, das in der Siedlungsstraße gackert. Auch privat in kleineren Rahmen werden dort Hühner gehalten. Und Hähne krähen morgens gern mal um die Wette. Gestört fühlten sich die Anwohner, sagt Bauer Menthe, aber auch vom Raps, der zuviel staubt und vom Mais, der den Blick in die Landschaft verstellt. 

Einen nachbarschaftlichen Kompromiss zu finden, ist die einzige Lösung. Die Anwohner sollten’s ausprobieren, und Landwirt Menthe sollte seine Zusage halten, zu handeln, wenn es tatsächlich Probleme gibt."

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