Mit Allrad und Turbodiesel

25-Jähriger erfüllt sich Traum und kauft altes Löschfahrzeug

Dauerläufer: Kevin Stricker (25) ist stolz auf den Deutz-Motor, der im Löschfahrzeug verbaut ist.
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Dauerläufer: Kevin Stricker (25) ist stolz auf den Deutz-Motor, der im Löschfahrzeug verbaut ist.

Einen Traum hat sich der 25-jährige Kevin Stricker aus Wellingerode erfüllt. Der KfZ-Mechaniker hat sich privat ein ausgedientes Löschfahrzeug gekauft.

Wellingerode – „Ein Geländewagen ist mir zu klein“, erzählt Kevin Stricker mit einem breiten Grinsen im Gesicht. Hinter ihm steht ein ausgemustertes Feuerwehrauto – ein LF8. Die Pumpe schafft 800 Liter Wasser bei acht Bar in der Minute. Das Fahrzeug hat Allrad-Antrieb und der Motor ist ein Sechs- Zylinder-Turbodiesel. Das Löschfahrzeug gehört dem 25-Jährigen. Vor einigen Monaten stand der Feuerwehrwagen noch im Meißner Ortsteil Vockerode. Dort kam er bei der Freiwilligen Feuerwehr zum Einsatz. Doch nach 30 Jahren im Dienst musste er ausgemustert werden.

Auf Reisen und zu Oldtimer-Treffen fahren

„Ich will damit reisen und ihn bei Oldtimer-Treffen zeigen“, sagt der Elektriker, der bei den Stadtwerken Eschwege arbeitet. Er will das Löschfahrzeug oldtimer-konform mit einer Schlafmöglichkeit ausstatten. „Die hintere Kabine ist so groß, das sollte klappen“, ist sich Stricker sicher. Das Beste ist: Sollte etwas kaputt gehen, dann kann der 25-Jährige das riesige Fahrzeug selbst reparieren. Der Elektriker schraubt, seit er ein Kind ist. Gelernt hat er das von seinem Vater Andreas Kraft. Der ist gelernter Kfz-Mechaniker, arbeitet aber inzwischen bei VW-Logistik. Das erste Fahrzeug an dem Vater und Sohn gemeinsam geschraubt haben, war Strickers Trettrecker. „Wir haben ihn aufgemotzt mit Beleuchtung und Breitreifen“, erinnern sich die beiden lachend. Die Liebe zum Schrauben verbindet Stricker und Kraft noch heute. Dabei landet aber kein Fahrzeug nach Baujahr 2000 in der eigenen Werkstatt. Mit der Elektrik werde es kompliziert. „Wenn wir die Motorhaube aufmachen, wollen wir die einzelnen Teile noch sehen“, sagt Kraft.

Vater und Sohn schrauben ausschließlich selbst

In eine externe Werkstatt bringen mussten Vater und Sohn ihre Autos deshalb auch noch nie. Sie machen alles selber. „Das ist einfacher, günstiger und nachhaltiger“, sagt der 54-Jährige. Ungefähr zehn Stunden verbringen sie jede Woche in der Werkstatt. Ursprünglich hatte Vater Kraft ein Auge auf das Löschfahrzeug geworfen.

Doch der Kfz-Mechaniker musste sich entscheiden, entweder ein Feuerwehrauto oder einen Bagger. „Das war eine Auflage von meiner Frau“, erzählt er lachend. Sein Sohn hatte sich unterdessen einen alten Bundeswehr-Lkw ausgeguckt. Jetzt ist er froh, dass ihn sein Vater am Lagerfeuer von dem Feuerwehrfahrzeug überzeugen konnte. Der Lkw von der Bundeswehr sei doppelt so groß gewesen. „Der Verbrauch, die Kosten, das wäre nicht erschwinglich“, so der 25-Jährige. Also hatte Kraft, der Mitglied bei der Freiwilligen Feuerwehr Wellingerode ist, Kontakt zu Meißners Bürgermeister Friedhelm Junghans aufgenommen. Und Vater und Sohn konnten das Löschfahrzeug unter die Lupe nehmen. Stricker hatte eine Stunde inklusive Besichtigung Zeit, um sich für einen Kauf zu entscheiden – oder dagegen. „Das Fahrzeug ist sehr gepflegt. Die Vockeröder haben es super in Schuss gehalten. Das ist nicht selbstverständlich“, sagt der 25-Jährige. Außerdem sei es in den 30 Jahren nur wenig gefahren worden: „Es hat nur 13 000 Kilometer runter.“

Endgültig überzeugt war Stricker, als er den Motor gesehen hat. „Es steht zwar Iveco vorne drauf, aber im Inneren steckt ein Deutz“, erzählt der 25-Jährige und kommt ins Schwärmen. „Einfacher Aufbau, robust, langlebig. Es ist ein richtiger Dauerläufer.“ Mit dem Kauf habe er sich einen Traum erfüllt. Es sei ein unbeschreibliches Gefühl gewesen.

Doch bevor er ein Oldtimer-Kennzeichen bekommt und mit seinem Wagen auf die Piste kann, muss er die Auflagen vom Tüv erfüllen. „Wahrscheinlich werde ich einige Dinge wie das Funkgerät abmontieren müssen“, erklärt er. Einen Prüfer, der sich mit dieser speziellen Art von Oldtimern auskenne, habe er schon kontaktiert. Jetzt heißt es erst mal warten.

Von Hanna Maiterth

Jede Menge Platz für die Reise: Das ehemalige Einsatzfahrzeug der Feuerwehr Vockerode wurde nach 30 Jahren im Dienst ausgemuster.

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