91-Jährige veröffentlicht nach 50 Jahren Buch über ihren Mann

Hält das Buch in den Händen, in dem sie das Leben ihres Mannes zusammengefasst hat: die 91-jährige Anna Becker. Foto:  Wüstefeld

Hitzerode. Es ist, als wäre alles gerade erst passiert. Die 91-jährige Anna Becker aus Hitzerode hat noch so lebendige Erinnerungen an ihren Mann, dass man bei ihren Erzählungen denken würde, er wäre nur kurz zur Tür raus – und nicht schon seit 50 Jahren tot ist. Tatsache ist aber, dass ihr Ehemann am 31. Oktober 1965 mit nur 46 Jahren an Krebs starb – und ihm zu Ehren anlässlich des sich nähernden Todestages jetzt ein Buch über sein Leben erscheint, verfasst von Anna Becker.

Leidenschaftlicher Jäger

„Es war 1945, als Ernst nach Hause kam“, erzählt die 91-jährige großgewachsene Frau mit dem ergrauten Haar und der festen Stimme. Damals seien sie noch nicht verheiratet gewesen, Ernst war als einziges Kind seiner Eltern als Sanitätsfeldwebel in Südfrankreich stationiert gewesen. Sofort nach seiner Rückkehr aber stürzte er sich mitten rein ins Leben: Er engagierte sich bei der Gemeinde, engagierte sich bei der Feuerwehr und ging vor allem seiner großen Leidenschaft nach: dem Jagen. „Er war so glücklich, als er einige Zeit nach Ende des Krieges wieder ein eigenes Gewehr für die Jagd hatte“, erzählt Anna Becker, die zusammen mit ihrer Tochter in Hitzerode lebt. Die wenigen Fotos, die in der Zeit geschossen wurden, zeigten ihn so manches Mal in seiner Jägertracht – ebenfalls festgehalten in dem 250 Seiten starken Buch, das in geringer Stückzahl für den Familienkreis aufgelegt worden ist.

Geholfen hat ihr dabei Burkfried Haferung. Der Frankershäuser hat Becker schon bei ihrem ersten Buch über „die Dörnberger zu Frankershausen“ geholfen, wollte die 91-jährige stark sehbehinderte Frau jetzt wieder unterstützen. „Also habe ich mir vor zwei Jahren das Manuskript geholt und angefangen.“ Einfach zu einem Verlag schicken war aber nicht möglich: Das Manuskript war noch handschriftlich verfasst und musste erst einmal abgetippt werden.

Bereits ein Jahr nach dem Tod ihres Mannes fing Anna Beck auf, ihre Erinnerungen an die gemeinsamen Jahre mit ihrem Mann aufzuschreiben, damals noch im Besitz ihrer Sehkraft. 2001 wurde das dann um Bilder und Gedichte ergänzt, bis es jetzt, rechtzeitig zum 50. Todestag, in gedruckter Form vor Becker liegt.

„Es ist vor allem ein Geschenk an meine Enkel und Urenkel“, sagt die 91-Jährige, „die haben ihren Opa beziehungsweise ihren Uropa nie kennengelernt.“ Sie selbst brauche das Buch eigentlich nicht – weil sie sich an jeden einzelnen Tag zusammen mit ihrem Mann auch so erinnern kann.

Von Constanze Wüstefeld

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