Verein erschafft virtuelle 3-D-Rekonstruktion

Zeitreise ins Innere der Abteröder Synagoge

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Die schwarz-weiß Fotos der Rekonstruktion  zeigen historische Aufnahmen, die die Zerstörung verbildlichen.

Die Zukunft der Technik hat im Verein „Freundinnen und Freunde jüdischen Lebens“ bereits begonnen.

Und zwar, um mit ihrer Hilfe eine Reise in die Vergangenheit zu unternehmen: „Unserem Verein ist es gelungen, den Innenraum der ehemaligen Synagoge in Eschwege auf dem Schulberg neu entstehen zu lassen“, sagt der Vorsitzende Dr. Martin Arnold. „Virtuell, mit einer Datenbrille, ist der Raum wieder so begehbar, wie er bis zur Zerstörung im Jahr 1938 ausgesehen hat.“

Alte Innenaufnahmen als Vorlage

Die Besucher des Lern- und Gedenkorts in der ehemaligen Synagoge in Abterode können so die Synagoge in Eschwege dreidimensional betreten und sie auf eindrucksvolle Weise erleben, wie die jüdische Gemeinde in Eschwege den Ort vor dem Zweiten Weltkrieg gesehen hat. Alte Innenaufnahmen dienten als Vorlage. Daraus hat die Kreativagentur Dorfmeyster aus Kassel den Raum virtuell rekonstruiert. Gefördert wurde die Maßnahme durch den Verein für Regionalentwicklung Werra-Meißner mit mehr als 12 000 Euro aus dem Regionalbudget 2020. Der Lions-Club Eschwege-Werratal hat das Projekt durch eine Spende in Höhe von 1500 Euro unterstützt. Weitere 1500 Euro sind noch offen und sollen durch Spenden gedeckt werden. „Unser Verein hat das Ziel, die Spuren des jüdischen Lebens dem Vergessen zu entreißen“, sagt Dr. Martin Arnold. „Damit stehen wir im Kontrast zum Nationalsozialismus, der versucht hat, alle Spuren auszulöschen.“

Begeistert vom Ergebnis

Sabine Wilke vom Verein für Regionalentwicklung ist begeistert vom Ergebnis der virtuellen Rekonstruktion. Auf diese Weise könne jugendlichen Besuchern das Wissen erlebbar nahegebracht werden – und zwar auf eine moderne Weise, die sie anspricht. „Ich finde es auch genau richtig, dass man sich in der Synagoge in Abterode per Datenbrille in die Synagoge in Eschwege begeben kann, denn das stellt zwei Orte zueinander in Beziehung und somit den Bezug zur Region her“, sagte sie. Auch Gudrun Kühnemuth, Vorsitzende des Lions-Clubs Eschwege-Werratal, ist nach dem Blick in die Brille sehr beeindruckt. 

Verwirklichen das Projekt: die Akteure. 

„Für Schüler und Konfirmanden ist es wichtig, dass sie mit diesem Teil der Geschichte vertraut gemacht werden, und die Technik bietet ihnen dabei ein Erlebnis.“ Meißners Bürgermeister Friedhelm Junghans fungiert im Verein der Freunde als Kassenwart, und betont, welche Herkulesaufgabe die Finanzierung des Projekts für den jungen Verein gewesen sei. „Ich hoffe deshalb, dass noch mehr Mitglieder in den Verein eintreten, um damit unsere wichtige Arbeit zu unterstützen“, sagte er. Und auch während der Corona-Pandemie möchte der Lernort sein Angebot weiterführen, allerdings mit begrenzten Programmen, denn der Gesundheitsschutz sei wichtig, wie Dr. Martin Arnold betonte.

Angebot für Familien 

Ein erster Schritt besteht in einem Angebot für ein bis zwei Familien mit Kindern im Alter von vier bis zwölf Jahren. Ab dem 1. Juli sind diese eingeladen, in Abterode jüdisches Leben in der Region zu entdecken: Welche Feste haben die jüdischen Gemeinden gefeiert? Wie sah es in einer Synagoge aus? Was haben die Kinder miteinander gespielt? Diese Fragen und Eindrücke werden kindgerecht vermittelt.

Anmeldung

Wegen der Corona-Bedingungen ist eine vorherige Anmeldung erforderlich. Ein Wunschtermin kann mit Dr. Martin Arnold vereinbart werden (Telefon 0 56 51/33 92 81 oder Email: martin.arnold@posteo.de).

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