Anny Hartmann lästert sich im Öx fröhlich frech durch das Jahr 2015

Fröhlich-frecher Jahresrückblick: Anny Hartmann nahm bei ihrem Auftritt im Öx kein Blatt vor den Mund. Foto: Möller

Frankershausen. Annie Get Your Gun! Frei nach dem Musical von Irvin Berlin schoss die Kabarettistin Anny Hartmann am Samstagabend in der Szene-Kneipe „Öx" in Frankershausen ein verbales Feuerwerk in ihrem politischen Jahresrückblick ab.

Dass die Kulturinitiative Hängnichrum mit ihrer Auftaktveranstaltung 2016 einen guten Griff gemacht hat, bewies das ausverkaufte Haus.

Das gemischte Publikum zwischen 15 und 75 Jahren sah sich einer Wortakrobatin gegenüber, die sich, mal satirisch, mal wortgewandt, mal ironisch, mal bissig, auf den schmalen Grat zwischen Klamauk und intellektuellem Wortwitz bewegte und eben ihren ganz persönlichen Jahresrückblick präsentierte. Immer dann, wenn Anny in Bezug auf Kirche oder Regierung in Allgemeinplätze abzudriften drohte, schoss sie wie Weiland die Kunstschützin in der Wild-West-Show Intelligenz-Konfetti in die Menge, zwang ihr Publikum zum Mit- und Nachdenken.

Dazwischen immer wieder ein gehöriger Schuss Selbstironie, der Anny Hartmann wieder liebenswert machte. Ihre verbale Schießkunst beeindruckte ebenso wie ihr Hintergrundwissen bezüglich von Krisen, Kohle und Korruption, machte sie keinen Halt vor Dissonanzen in Bezug auf Frankreich, Griechenland, Luxemburg oder dem Nahen Osten in ihrem mit ausreichend Pointen gespickten politischen Referat.

Die 44-jährige Diplom-Volkswirtin mit rotem Haar scheut sich vor keinem Tabu - auch nicht vor Viagra für die Frau - und versteht sich als Verfechterin des „Finger-in-die-Wunde-legens“. Dabei können Politik und Gesellschaft so amüsant sein. Anny Hartmann lästerte sich fröhlich-frech durch 365 Tage.

Missstände analysieren und mögliche Lösungswege darstellen, etwas überspitzt formuliert und mit dem nötigen Witz angereichert, begeistert Anny Hartmann ihr Publikum. Ihre Ausführungen sind geprägt von hoher Sachkompetenz, prangert sie das zögerliche Verhalten von „Mutti“ Merkel, die wechselvollen Meinungen von Sigmar „Siggi“ Gabriel oder die gespielte Ahnungslosigkeit von Thomas „Charakterlos“ de Maizière an. Wenn sie Franz Beckenbauer als nicht ganz helle Lichtgestalt bezeichnet, ist das schlicht und einfach ein Kaiserschmarrn, hält sie den Deutschen den Spiegel vors Gesicht, wenn sie sinniert: „Die guten Fluchthelfer von 1989 sind heute die bösen Schlepper…!“

Die Kabarettistin zerlegt und veranschaulicht die Systeme der Ungerechtigkeit, belässt es aber nicht bei der schonungslosen Detailarbeit, sondern zeigt auch Lösungsansätze. Alles, was noch keiner wusste oder nicht wissen wollte oder durfte, erfährt ihr Publikum über zwei Stunden hinweg im Jahresrückblick von Anny Hartmann. Die kundige Fremdenführerin durch die Abgründe der Politik appelliert an die Menschen im Saal, die Augen offen zu halten und den Mund nicht vor eventuellen Unannehmlichkeiten zu verschließen.

Von Dieter Möller

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