100 Dinge, die wir in der Region mögen (67)

Schwalbenthal: Der schönste Blick ins Werratal

+
Weiter Blick: Vom Schwalbenthal schaut man direkt ins Tal. Der Nebel verdeckt sowohl die Orte Vockerode, und Abterode als auch Eschwege.

Schwalbenthal. Es ist eine vergleichsweise kleine Schneise, die einem einen Blick zwischen den vielen Bäumen hindurch in eine andere Welt eröffnet: die Sicht vom Schwalbenthal am Hohen Meißner in das Werratal hinunter. Manche sagen, es sei der schönste Aussichtspunkt im Werra-Meißner-Kreis.

Schon nach wenigen Sekunden, wenn man die Welt um sich herum ausschließt und sich auf die Landschaft, die sich unter einem und am Horizont vor einem erstreckt, konzentriert, steigt ein majestätisches Gefühl in einem auf, weil man von 700 Metern Höhe bis nach Thüringen auf der einen und bis in die Rhön auf der anderen Seite sehen kann.

„Einer der schönsten Aussichtspunkte im Werra-Meißner-Kreis.“

Dieter Kohl Schwalbenthal-Besitzer

Zugleich wird einem die Endlichkeit des eignen Seins bewusst, lässt man den Blick über die jahrhundertealten Bäume schweifen, die in der Ferne zu kleinen Punkten verschmelzen und inmitten derer einige Orte der Gemeinde Meißner und Eschwege mit dem Werratalsee zu sehen sind. „Nicht umsonst ist das hier einer der schönsten Aussichtspunkte im Werra-Meißner-Kreis“, sagt Dieter Kohl aus Eschwege, dem das Lokal Schwalbenthal gehört.

Das war bis vor gut vier Jahren noch ein beliebtes Ausflugsziel, weil man sowohl von den Gasträumen als auch vom Biergarten aus die Panoramaaussicht genießen konnte. Doch der Hang, an dem das Haus steht, rutscht, die Küche musste wegen Einsturzgefahr geschlossen werden: Dort ist ein deutlicher Riss in den Fliesen zu erkennen, die sich nach innen in den Raum wölben. Mit Holzbalken wird der derzeit gesichert.

„Es ist schade, dass sich keiner dafür verantwortlich fühlt, den Hang zu sichern“, sagt Kohl, der das Gebäude vor 13 Jahren gekauft hat. Denn das Lokal ist für ihn das Aushängeschild des Meißners, verkörpert zudem die Geschichte des Berges: Einst beherbergte es das Bergamt, ist zudem das letzte Gebäude einer kleinen Siedlung, die aufgrund von Erdrutschen Anfang des 20. Jahrhunderts abgerissen werden musste. Zudem sind früher direkt neben dem Lokal die Skifahrer entlang gesaust, wenn sie ihre Meisterschaften ausgefahren haben. „Das darf man nicht kaputt gehen lassen“, sagt Kohl.

Weil das Gasthaus nicht mehr bewirtet wird, liegt auch der Biergarten brach: Den holt sich so langsam die Natur zurück, die stabilen Tische und Holzbänke lassen sich nur noch unter Sträuchern zu erkennen, die sich ihren Weg gebahnt haben. Der Aussicht tut das keinen Abbruch: Die ist und bleibt einzigartig.

Von Constanze Wüstefeld

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare