Auge in Auge mit dem Wild

Im Bergwildpark Meißner kommen Hirsche ganz nah

Ein Hirsch wird im Bergwildpark Meißner gefüttert.
+
Aus der Hand dürfen die Tiere während der Corona-Zeit nicht gefüttert werden, aber den Vierbeinern sind die neuen Regeln noch nicht ganz klar, deshalb kommt Hirsch Hansi den Gästen ganz nahe. 

Noch bevor der Bergwildpark Meißner in Germerode um 10 Uhr seine Tore für die Besucher öffnet, sind die Tierpfleger schon auf den Beinen.

Dann füttern Wilfried Eberhardt und Christina Manns alle Parkbewohner unter einem großen Baum, gleich neben dem Zwerghuhngehege. „Das machen wir, weil die Tiere sonst einfach zu aufdringlich werden“, sagt Tierpflegerin Christina Manns fröhlich.

Denn sobald der erste Parkbesucher das Eisentor am Morgen öffnet und das Freigehege betritt, ist nicht mehr ganz klar, wer für wen eine Attraktion darstellt. Dann drängen sich nämlich Damwild, Rehwild, Rothirsche und Muffelwild gierig um die gespannten Besucher.

Das Verführerische an den Besuchern sind allerdings nicht die Streicheleinheiten, die in Corona-Zeiten ohnehin ausbleiben müssen, sondern die braunen Papiertüten in den Händen der Gäste.

Auf dem Spielplatz des Tierparks mitten im Wald sind Wild und Kinder unterwegs. 

Das darin verpackte Wildfutter lockt die Vierbeiner an, und leicht sind sie nicht wieder abzuschütteln. So fallen einige der Tüten schon nach wenigen Minuten einem langzüngigen Ansturm zum Opfer. Manchmal nehmen die Vierbeiner bei ihrer hemmungslosen Suche nach Fressbarem unbeabsichtigt einige Souvenirs mit.

Harald Zindel vom Förderverein Bergwildpark Meißner kann dazu eine Anekdote erzählen: „Einmal hatte sich eine Kamera im Geweih eines Hirsches verfangen und der lief dann so durch den Park“, erzählt der erste Vorsitzende des Vereins vergnügt.

Nach drei Tagen legte der Hirsch die Kamera dann ab und sie konnte dem Besitzer zurückgegeben werden, berichtet Zindel.

Das neue Hühnerhaus im Bergwildpark wird die künftige Heimat für gleich mehrere Vogelarten. Hier zeigen, von links, Harald Zindel und Manfred Zindel den Baufortschritt.

Der Täter, Hirsch Hansi, der seinen Namen mit allen männlichen Artgenossen der Anlage teilt, ist nicht der einzige Freidenker im Park. Nach einem Sturm nutzten die Tiere einen umgefallenen Zaun und entkamen. „Fast alle Tiere konnten wieder eingefangen werden, aber ein Hirsch und eine Kuh sind nicht wieder gefunden worden“, bedauert Harald Zindel. Den Platz der Ausreißer haben aber schon sieben Kälbchen wieder eingenommen.

50 Jahre Reh, Hase und Co.

Mit nur wenigen Freiwilligen war der Förderverein des Bergwildparks Meißner 1970 gestartet, heute hat der Förderverein rund 50 Mitglieder. „Bei uns ist Muskelkraft gefragt“, sagt Manfred Zindel, verantwortlich für die Öffentlichkeitsarbeit des Vereins. Nur wer ein Jahr lang mit anpackt, kann Mitglied in dem Tierpark-Verein werden.

„Auch wenn wir die Zeitspanne nicht so eng sehen und uns über Interessierte sehr freuen“, sagt Harald Zindel, erster Vorsitzender des Vereins. Alle zwei Wochen sind die Mitglieder für das Tierwohl im Einsatz. Dann erweitern und verbessern die Mitglieder ihren Tierpark. Neuestes Projekt ist ein Hühnerhaus hinter der Alpaka-Wiese. Das 180 Quadratmeter große Gehege mit Kleintierhaus konnte dank einer Förderung von 70 000 Euro errichtet werden.

„Wir hoffen, dass es zum verschobenen Jubiläumsfest im nächsten Jahr fertig ist“, erklärt Harald Zindel. Die Parkfläche von heute, ca. 30 Hektar, besuchten im vorigen Jahr 60 000 Menschen. „In diesem Jahr sind schon jetzt die Besucherzahlen vom letzten Jahr erreicht“.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare