Die Liebe zum Bergbau

Harry Träger aus Frankershausen hat gestern seinen 90. Geburtstag gefeiert

Hat gestern seinen 90. Geburtstag gefeiert: Harry Träger. Seine Leidenschaft, der Bergbau, macht auch in seinem Wohnzimmer nicht halt: Im Hintergrund ist eine Statue der heiligen Barbara zu sehen, Schutzpatronin der Bergleute. Zudem hängt ein Bild der Frankershäuser Kirche an der Wand: Dort hat Träger seine Frau Erna geheiratet. Foto:  Wüstefeld

Frankershausen. Harry Träger aus Frankershausen hat gestern seinen 90. Geburtstag gefeiert. Wir haben ihn porträtiert. 

Harry Träger? Eindeutig Bergbau. Fällt der Name des Seniors aus Frankershausen, bringt man ihn sofort mit dem Hohen Meißner und dessen Bergbau-Geschichte in Verbindung. Denn Träger hat nicht nur lange Zeit im Tagebau gearbeitet, sondern hat auch dafür gesorgt, dass die mehr als 400-jährige Geschichte nicht in Vergessenheit gerät. Dafür ist er 2008 mit dem Denkmalschutzpreis des Bundes ausgezeichnet worden. Gestern nun hat er seinen 90. Geburtstag gefeiert – im Familienkreis, „ich stehe nicht so gerne in der ersten, sondern lieber in der zweiten oder sogar dritten Reihe“, gibt er sich bescheiden.

Dabei ist das, was Träger alles erlebt und erreicht hat, nicht unter den Teppich zu kehren: 1927 in Eger im Sudetenland geboren, ist er zu einer Zeit aufgewachsen, „in der Frauen Männerhosen trugen und Flugzeuge keine Propeller mehr hatten“. Mit nicht einmal 17 Jahren kam er zum Reichsarbeitsdienst, sollte anschließend Pilot bei der Luftwaffe werden und wurde zum Ende des Zweiten Weltkrieges dann doch am Boden in Ungarn eingesetzt.

Die Rückkehr in die Heimat war wenig erfreulich: Viele seiner Kameraden waren im Krieg gefallen, er selbst wurde von den Tschechen verfolgt und verprügelt und kam anschließend in ein Gefangenenlager. „Dort stand ich plötzlich meinem Onkel gegenüber“, erinnert sich der 90-Jährige noch ganz genau.

Nach seiner Freilassung macht sich Träger, einziger Sohn der Familie, auf die Suche nach seiner Mutter, die zwischenzeitlich ausgesiedelt war – und in Frankershausen ein neues Zuhause gefunden hatte. Harry Träger selbst wollte dort aber eigentlich nicht bleiben.

Doch es kam anders: Vom Arbeitsamt eine Stelle im Bergbau zugewiesen bekommen, entdeckte der damals noch junge Träger darin eine Leidenschaft, die ihn bis heute begleitet. „Eigentlich wollte ich des Bergbaus wegen sogar nach Amerika auswandern“, erzählt Träger in einem Nebensatz, doch die Arbeit vor Ort gefiel dem damals 20-Jährigen: Schnell wurde er erst Aufseher, dann Vorarbeiter und schließlich Betriebsführer in den Tagebaugebieten Grebestein und Kalbe.

Und auch privat gab es plötzlich keinen Grund mehr, Frankershausen den Rücken zu kehren: In Erna traf er die Frau, die er heiratete, mit der er einen Sohn großzog „und die sehr tolerant war“. Denn beruflich verschlug es den studierten Maschinenbau-Ingenieur auch mal nach Bayern, zudem gab es neben dem Bergbau weitere Leidenschaften: In den 80er-Jahren hatte er den Vorsitz der neu gegründeten Gemeindevertretung Berkatal inne, gilt zudem als einer der Mitbegründer des SPD-Ortsvereines in Frankershausen. Bei der DRLG Eschwege ist er mittlerweile Ehrenmitglied, hat dort bis ins hohe Alter Rettungsschwimmer und Taucher ausgebildet. Auch hat er sich für den Bau des Wachturmes am Werratalsee eingesetzt – jenem See, dessen Idee und Planung in den Zeitraum fiel, als Träger Geschäftsführer der Eschweger Kies- und Sandwerke OSA war, die im Gebiet rund um den heutigen See tätig war.

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