Konzerte, Kabarett, Kunst

30 Jahre Kulturinitiative Hängnichrum in Berkatal: Provinz heißt nicht provinziell

Sie holen die Kultur aufs Land: Die Kulturinitiative Hängnichrum mit dem Kabarettisten Arnim Töpel nach dem Auftritt im Juni (von hinten links nach unten rechts): Christian Vock, Bernd Hesse, Arnim Töpel, Martina Gress, Sandra Schindewolf, Kristina Kroha , Ricarda Becker, Philipp Schäfer, Jürgen Vogt-Gress, Daniel Baecker, Johanna Baecker, Knut Hildebrandt und Sonja von Kiedrowski. Es fehlen: Christiane Jung, Gerd Schindewolf und Reinhard Thies.
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Sie holen die Kultur aufs Land: Die Kulturinitiative Hängnichrum mit dem Kabarettisten Arnim Töpel nach dem Auftritt im Juni (von hinten links nach unten rechts): Christian Vock, Bernd Hesse, Arnim Töpel, Martina Gress, Sandra Schindewolf, Kristina Kroha , Ricarda Becker, Philipp Schäfer, Jürgen Vogt-Gress, Daniel Baecker, Johanna Baecker, Knut Hildebrandt und Sonja von Kiedrowski. Es fehlen: Christiane Jung, Gerd Schindewolf und Reinhard Thies.

Konzerte, Kabarett, Kunst: Seit 30 Jahren sorgt die Kulturinitivative Hängnichrum für kulturelle Abwechslung auf den Berkataler Bühnen. Dabei hat sie stets einen guten Riecher bewiesen.

Berkatal – Als sich eine Handvoll junger Menschen in den frühen 1990er-Jahren vornahm, mehr Kultur nach Berkatal zu holen, hätten sie wohl nie gedacht, dass ihr Verein einmal so professionell werden würde. Die Kulturinitiative Hängnichrum gibt es nun schon seit etwa 30 Jahren. Das Wichtigste für die 15-köpfige und ehrenamtliche Truppe ist auch heute noch: „Alle sollen Spaß haben, die Künstler, das Publikum und auch die Veranstalter“, sagt Knut Hildebrandt, der seit mehr als 20 Jahren Mitglied der Initiative ist.

Viel Kultur und Kleinkunst gab es neben dem Open Flair und der Initiative am Leuchtberg damals nicht. „Wir wollten nicht ein Jahr auf eine große Veranstaltung warten. Wir wollten verteilt auf das Jahr Kultur direkt vor unserer Haustür haben“, beschreibt Gründungsmitglied Bernd Hesse die Anfänge der Initiative.

Seit dem ersten Auftritt im Öx in Frankershausen zu Hause

Der allererste offizielle Auftritt der Kulturinitiative fand dann im März 1991 mit einem Rockabend im Saal der Frankershäuser Kneipe Öx statt – gleich mit drei Bands an einem Abend. Anfangs hätte niemand der Mitglieder gedacht, dass sich die Initiative zu einem so festen Bestandteil der Kulturwelt des Werra-Meißner-Kreises entwickeln würde. „Wir wollten einfach ein bisschen Kultur machen“, blickt Hesse auf die Anfänge zurück und lacht.

Als besonderer Auftritt sei ein Auftritt des Frankfurter Kurorchesters Anfang der 1990er in Erinnerung geblieben. 400 Zuschauer waren damals im Öx, die Atmosphäre sei „unglaublich“ gewesen. „Das hat uns den Kick gegeben, wir haben unser Potenzial realisiert und gemerkt, dass wir unbedingt weitermachen möchten“, beschreibt Hesse. Im Öx von Sybille Bucella und Jörg Kaiser fand die Kulturinitiative schließlich einen dauerhaften Ort für Auftritte – und ein Zuhause für Hängnichrum.

Der Schriftzug ist bis heute gleich geblieben, die Buchstaben wurden einst per Hand ausgeschnitten: Mitglieder der Initiative Hängnichrum im Jahr 1997.

Kultur für alle: Provinz heißt nicht provinziell - Hängnichrum als Marke

Im Vordergrund steht von Anfang an ein Gedanke: Nur weil hier eine ländliche Region ist, heißt das nicht, dass die Kultur oder die Menschen hier provinziell sind. Das haben die Mitglieder von Hängnichrum in den vergangenen Jahrzehnten bewiesen und diesem Konzept versuchen sie stets treu zu bleiben. Bald hatten sie eine kleine Fangemeinde, die stetig wächst. Hängnichrum hat sich mit den Jahren bewährt, Hängnichrum ist eine Marke geworden.

„Wir holen niemanden auf die Bühne, den wir nicht schon selbst gesehen und für gut befunden haben“, erklärt Knut Hildebrandt. Das wissen die Leute, deswegen kämen sie auch wenn sie die Künstler nicht kennen, fügt Hesse hinzu. Wichtig hierbei: Die Mischung macht’s. Immerhin habe jeder einen anderen Geschmack – ob Rock- oder Klassikkonzert, Kabarett, Comedy oder politische Diskussionen. Neben professionellen Künstlern stehen auch mal heimische Amateure oder zum Beispiel auch der Kinder- und Jugendchor auf der Bühne.

Kommende Veranstaltungen

Durch die Pandemie musste das Programm 2020/2021 mehrfach verschoben werden. Auf der Webseite von Hängnichrum wird über die kommenden Veranstaltungen informiert.

Künstler auf der Hängnichrum-Bühne, die heute groß und berühmt sind

Bei ihrer Künstlerwahl hat das Hängnichrum-Team stets den richtigen Riecher bewiesen. Viele Künstler, die später berühmt wurden, standen schon auf der Öx-Bühne, bevor sie überhaupt richtig bekannt wurden. Zum Beispiel der deutsch-türkische Komiker Bülent Ceylan, der Anfang der 2000er den Saal im Öx füllte. In der WR stand damals: „Der Mannheimer ist ein Naturtalent“, er habe das Publikum „von Anfang an in der Tasche gehabt“. Heute füllt er Hallen mit Tausenden Menschen.

Auch der Komiker und Schauspieler Kurt Krömer fand in der Saison 2001/2002 den Weg nach Frankershausen. „Damals war die Veranstaltung bei uns nicht einmal ausverkauft, heute ist er eine große Nummer“, sagt Hildebrandt. Auch die Rockband Lumpenpack war in ihren Anfängen bei Hängnichrum.

Auch heute setzt die Initiative noch auf Auftritte im kleineren Rahmen, was sie aber nicht weniger seriös oder professionell macht. In der Kulturwelt auch über die Grenzen der Region hinaus hat sich die vollständig ehrenamtlich geführte Initiative Hängnichrum jedenfalls einen Namen gemacht.

Von Jessica Sippel

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