Dankbar für kleine Dinge

Mathilde Mildner aus Hitzerode feiert heute ihren 100. Geburtstag

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Feiert heute in Bad Sooden-Allendorf ihren 100. Geburtstag: Mathilde Mildner aus Hitzerode.

Dankbarkeit und Zufriedenheit: Das prägte das Leben von Mathilde Mildner, die auf 100 Jahre zurückblicken kann. Die Hitzeröderin feiert am Samstag in der Balzerborn-Klinik in Bad Sooden-Allendorf ihren 100. Geburtstag.

Sie erzählt, dass ihr Leben nicht immer leicht war, Rückschläge sie jedoch stärker gemacht und ihr andere Menschen in schweren Zeiten geholfen haben.

Aufgewachsen ist sie mit fünf Geschwistern in Hitzerode, wo ihre Eltern einen landwirtschaftlichen Betrieb hatten und sie die Volksschule besuchte. Da Familien die weiterführende Schulbildung zu dieser Zeit selbst finanzieren mussten, hatte sie nicht die Möglichkeit, einen Beruf zu erlernen, arbeitete eine Zeit lang im Gastronomiebereich in Eschwege. Die Jubilarin erinnert sich daran, dass sie 15 Mark pro Monat verdiente, bevor sie zurück nach Hitzerode kam, um ihre Eltern in der Landwirtschaft zu unterstützen.

Spaziergänge durch das Dorf

„Wir waren zufrieden“, sagt sie und erinnert sich an Geburtstagsfeiern, die erste Kirmes nach dem Krieg, den Schlachtekohl und die Spinnstube im Winter, bei der wie auf Spaziergängen durch das Dorf an Sonntagabenden gemeinsam gesungen wurde. Gleichzeitig prägten zwei Weltkriege und die Inflation die Jugend der heute 100-Jährigen, die mit Blick auf den Zweiten Weltkrieg davon erzählt, wie während der Arbeit auf dem Feld Flieger über diesem auftauchten und sie sich verstecken mussten. Geflüchtete und heimkehrende Soldaten versorgte die Familie nach Ende des Zweiten Weltkriegs mit, was für sie selbstverständlich gewesen sei. In 1947 heiratete Mathilde Hupfeld ihren Ehemann Heinrich Mildner, der 1993 verstarb und an den sie als guten Menschen, Ehemann und Vater ihrer 1938 geborenen Tochter Ingrid und des zwölf Jahre jüngeren Sohnes Wilfried zurückdenkt.

Im Geburtsjahr des Sohnes begann die Familie mit dem Bau ihres eigenen Hauses, in das sie vier Jahre später einziehen konnte. Mildner half viel mit und arbeitete an der Dreschmaschine, auf dem Gutshof und bei Veranstaltungen wie Hochzeiten, wobei alles zu Fuß erreicht werden musste. Sie kümmerte sich um die selbst aufgebaute Landwirtschaft, war allein verantwortlich, wenn ihr Ehemann aufgrund seiner Arbeitsstelle einige Wochen am Stück nicht zu Hause war.

Drei Enkel- und drei Urenkelkinder

Unterstützt wurde sie von ihren Kindern. „Als ich sie brauchte, waren sie da“, weiß sie und fügt hinzu, dass das heute noch so sei und ihre Kinder ihr Freude gebracht hätten. Inzwischen gehören drei Enkel- und drei Urenkelkinder zu ihrer Familie, die sie vor 20 Jahren mit ihrem ersten Flug überraschte, der die damals 80-Jährige nach Mallorca brachte. „Was mir geboten wurde, habe ich immer dankbar angenommen“, sagt sie, die sich gern um den Garten kümmerte und der wichtig war, im Bereich Politik informiert zu bleiben. Mit Blick auf die vergangenen 100 Jahre erklärt Mathilde Mildner, dass es wichtig sei, für kleine Dinge dankbar zu sein.

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