Etwas sagen, wenn man schweigt

Wortfront: Kritische, humorvolle Texte und packende Melodien im Öx

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Zu Gast im Öx: Roger Stein und Sandra Kreisler sind das Duo Wortfront. Am Samstagabend gastierten die beiden Künstler im Berkataler Ortsteil Frankershausen.

Kritische, humorvolle Texte, packende Melodien und die Interaktion mit dem Publikum: Das machte den Auftritt von Wortfront im Saal der Kneipe Öx in Frankershausen aus.

Am Samstagabend trat das Duo zum dritten Mal dort auf, was zirka 140 Gäste anlockte, die ihre Karte teilweise bereits Wochen im Voraus vorbestellt hatten.

„Musik mit unmöglich vielen Worten“, erklärte Sandra Kreisler mit Blick darauf, wie diejenigen, die Wortfront bislang nicht kannten, das Duo möglicherweise beschreiben können, und stimmte einen schnellen Song um geflügelte Worte, literarische Anspielungen und mit mehreren Bedeutungen in nahezu jeder Zeile an.

Etwas sagen, wenn man schweigt

Zur packenden Klavierbegleitung von Roger Stein, von dem alle Lieder und Arrangements stammen, sang sie schließlich: „Doch trotz aller Worte hat sich gezeigt, dass man auch dann etwas sagt, wenn man schweigt“, woraufhin das Licht auf der Bühne erlosch und die beiden schallender Applaus erwartete. Von der Frage danach, wie man unter anderem Sehnsucht, Oberflächlichkeit und vor allem das Glück messen kann, handelte ein weiteres Lied und dabei ist „Glück“ auch der Titel ihres aktuellen Programms. Wie schnell sich die Ansicht darüber, was Glück ist, die eigenen Pläne, Ideale und Menschen selbst verändern können, erfuhr das Publikum in einem Song, der zum Nachdenken anregte. Dabei war das Programm geprägt von der starken Beobachtungsgabe der Künstler, die große und kleinere gesellschaftliche Themen aufgriffen und so unter anderem die Frage an das Publikum stellten, wer von den Gästen noch nie ein Klassentreffen besucht habe.

Mit „Reihenhausgesicht“ widmeten sie sich Begegnungen auf diesen Treffen und Sandra Kreisler begeisterte mit durchdringender Stimme, bevor sich Roger Stein mit einem beschwingten Stück der Frage nach der Gestaltung des Rentnerdaseins widmete. „Gerade bei Stillleben fehlt oft das Fleisch“, stellte er zwischen den Liedern fest und erklärte, dass es daran auch in der Literatur mangele. Ausgehend davon entspann sich ein energiegeladenes Grillgespräch voller Intertextualität, bei dem er die Rolle Schillers und sie die Goethes einnahm.

Verbesserte Technik vor Ort

„Aber Schiller war ein wenig schneller, nahm die Wurst vom Wilhelm Teller“, hieß es hier unter anderem, bevor Wallenstein und die Fäuste flogen. Dafür, dass jedes Wort der Künstler im gesamten Saal deutlich zu verstehen war, sorgte an diesem Abend bereits die verbesserte Technik vor Ort. Durch die Förderung von Kulturinitiativen im Werra-Meißner-Kreis von Landaufschwung war es Hängnichrum möglich gewesen, die Ton- und die Lichttechnik zu erweitern. Dabei war der Auftritt von Wortfront Teil der bereits 30. Spielzeit. Weiter geht es am 24. Januar mit dem Jahresrückblick des Kölner Kabarettisten Robert Griess.

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