Die Entscheidung ist gefallen:

Gemeinde Meißner wird bei Realisierung Träger der barrierefreien Wohnungen

Einen Schritt näher an der Realisierung: So sollen die barrierefreien Wohnungen einmal aussehen. Der mittlere Trakt wäre ein zweiter Bauabschnitt, der Dienstag nicht diskutiert wurde. Skizze: privat

Germerode. Zwischenrufe, Applaus und ausführliche Stellungnahmen haben das Bild der Gemeindevertretersitzung Meißner am Dienstagabend bestimmt: Es ging um die Entscheidung, ob die Gemeinde Träger der geplanten barrierefreien Wohnungen im Dorfzentrum von Germerode werden soll.

Die Vision 

633 000 Euro werden nach einer ersten Übersicht dafür benötigt, das alte Lehrerhaus mitten in Germerode zu sanieren und vier barrierefreie Wohnungen einzurichten. Zu erreichen sein sollen die über einen Aufzug an der Außenwand, der in den Kosten mit inbegriffen ist.

Weil die Kosten für den Verein zu hoch sind, hat dieser bei der Gemeinde angefragt, ob sie Träger werden könnte: die würde wesentlich mehr Fördergelder bekommen, übrig bliebe ein Kredit von 236 000 Euro. „Mit einem Verhältnis von vier Ja-Stimmen und zwei Nein-Stimmen empfiehlt der Haupt- und Finanzauschuss, das zu machen“, sagte Vorsitzender Uwe Neugebauer. Denn das Regierungspräsidium habe trotz Schutzschirmes signalisiert, dass es für diesen Sonderposten eine Ausnahmeregelung geben würde.

Die Meinungen 

Friedrich Arnoldt, Fraktionsvorsitzender der CDU, lobte zwar die geleistete Arbeit des Vereinsvorstandes und sprach seine Hochachtung aus. Es gab jedoch ein Aber: „Im Bestand zu bauen ist immer risikoreich und die Bausubstanz des Hauses ist, ebenso wie der Raumzuschnitt, schlecht.“ Zudem könne man ohne die zusätzliche Kreditaufnahme für das Dorfzentrum endlich mehr Schulden tilgen (gut 280 000 Euro), als man an Krediten aufnehmen müsse (258 000 Euro ohne das Sonderprojekt). „Wir möchten die Risiken dieses Projektes deshalb nicht mittragen.“ Er bat ausdrücklich darum, dass die anderen Parlamentarier diese Meinung akzeptieren sollten.

Uwe Sommermann, Fraktionsvorsitzender der ÜWG, sieht in den barrierefreien Wohnungen hingegen eine Aufwertung für den Ort. „Und selbst, wenn es den Verein (der sich verpflichten müsste, das Darlehen nach spätestens 25 Jahren an die Gemeinde zurückgezahlt zu haben) nach zehn Jahren nicht mehr gibt: Die Gemeinde hat dann eine Immobilie, die viel mehr wert ist als der aufgenommene Kredit von 236 000 Euro“, hält er das Risiko eines finanziellen Fiaskos der Gemeinde durch dieses Projekt für gering.

Das sieht auch Bürgermeister Friedhelm Junghans so, der sich klar auf der Seite des Vereins positionierte. „Ich traue denen das zu, und manchmal braucht es auch mutige Entscheidungen.“ Junghans bekam für seine Worte Beifall von einigen Parlamentariern und Zuhörern - noch lauter war der nur nach der Rede von dem Vereinsvorsitzenden Matthias Schulze, der für die Dauer dieses Tagesordnungspunktes seinen Platz als Vorsitzender der Gemeindevertretung an Uwe Neugebauer übergab, um mitdiskutieren zu können. „Wir merken, dass wir gemeinsam etwas bewegen können“, sagt er, „wir haben es zum Beispiel geschafft, dass wir laut einer mündlichen Aussage Fördergelder aus zwei Töpfen bekommen, was sonst so nicht möglich ist.“ Zudem könne man nicht alles kaputt sparen.

Das Ergebnis 

Das Ergebnis war knapp: Elfmal Ja für das Projekt überstimmten die neun Gegenstimmen.

Mit dem Ergebnis ist die Entscheidung, ob die Wohnungen realisiert werden, noch nicht gefallen. „Jetzt müssen wir das Projekt nochmal im Verein genau vorstellen und die mündlichen Aussagen des Regierungspräsidiums und der Förderstellen festsetzen“, sagt Schulze. Anschließend müsse mit der Gemeinde ein Vertrag aufgesetzt werden, der regelt, dass der Verein das Darlehen zurückzahlt und sich um alles kümmern wird.

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