Erneut Damwild gerissen

Kuh wird in Bergpark von Raubtier getötet – Dritter Fall in drei Monaten

Könnte unruhig werden und dadurch nicht mehr so zutraulich sein wie bisher: das Damwild im Bergwildpark Meißner. Gestern in den frühen Morgenstunden wurde dort ein weibliches Tier gerissen, welches Raubtier dafür verantwortlich ist, ist unklar. Foto:  Wüstefeld

Germerode. Im Bergwildpark Meißner nahe Germerode ist ein weiteres Tier gerissen worden. Die Damwildkuh wurde gestern Morgen um kurz vor 7 Uhr aufgefunden – wenige Stunden, nachdem sie getötet wurde.

„Möglicherweise war hier ein Luchs am Werk“, sagt Hans-Dieter Müller, erster Beigeordneter der Gemeinde Meißner. Erst Anfang dieses Monats wurde ein Nandu gerissen, wenige Wochen zuvor ein Damwild – in beiden Fällen wurde nicht ausgeschlossen, dass ein Luchs die Tiere getötet haben könnte (wir berichteten).

Der zuständige Luchsbeauftragte Ralf Meusel kann die Sorgen der Gemeinde, die Eigentümer des Bergwildparks ist, verstehen. Aber: „Ich kann bei der jetzt getöteten Damwildkuh ausschließen, dass es sich um einen Luchs handelt.“

„Vom Riss her war das sehr ungewöhnlich.“

Gründe für seine Einschätzung hat er gleich mehrere: Zum einen habe es keine Fressspuren an der getöteten Damwildkuh gegeben, die auf etwa drei Jahre geschätzt wurde. „Luchse töten aber, um zu fressen.“ Zum anderen seien die Wunden nicht typisch für die Raubkatze: Während die ihre Beute durch einen gezielten Biss in die Kehle ersticken lasse, habe es an dem jetzt getöteten Tier keine solche Spuren gegeben. Stattdessen sei ein Loch unterhalb der Kehle zu sehen gewesen, mehrere Blutergüsse und Schnitte am gesamten Körper sowie eine offene Bauchdecke. „Vom Riss her war das sehr ungewöhnlich.“ Was dafür verantwortlich war, könne er aber nicht sagen.

Herausfinden sollen das jetzt die Pathologen der Universität Gießen. In das dortige Institut wird das Damwild heute gebracht, zusammen mit DNA-Spuren, die am getöteten Tier gesichert wurden. „Die ist immer tierart-spezifisch“, erklärt Eckhardt Schinkel vom Veterinäramt Eschwege.

Luchs tötete Nandu nicht

Ganz ohne DNA-Abgleich gab der Arbeitskreis Hessenluchs jetzt bekannt, dass der gerissene Nandu nicht von einem Luchs gerissen wurde. Welchem Raubtier der Laufvogel dann zum Opfer fiel, konnte aber auch hier nicht gesagt werden. „Wir sind einfach in Sorge, dass sich solche Fälle wiederholen“, sagt Müller, der das gerissene Tier gesehen hat. „Es waren eindeutig auch Kampfspuren zu sehen.“

Von Constanze Wüstefeld

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