Grube Gustav  

Führungen unter Tage: Besucherbergwerk in Gemeinde Meißner startet mit neuem Team

Die passende Beleuchtung erwartet Besucher nun in der Grube Gustav bei Abterode.
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Die passende Beleuchtung erwartet Besucher nun in der Grube Gustav bei Abterode.

Zuerst war das Besucherbergwerk wegen Instandsetzung geschlossen. Dann war wegen Corona nur der eingeschränkte Betrieb möglich. Doch nun geht es wieder los.

Abterode – Das Besucherbergwerk Grube Gustav in der Gemeinde Meißner hat nun wieder geöffnet und hinter den Kulissen hat sich einiges verändert, wie Meißners Bürgermeister Friedhelm Junghans berichtet. Neben einer neuen technischen Ausstattung hat sich das Personal grundlegend verändert. Probleme haben sich jetzt jedoch beim Förderverein aufgetan. Der müsse nun reaktiviert werden, wie Junghans erklärt.

Das neue Team

Besucher der Grube Gustav treffen in diesem Jahr auf ein bekanntes und fünf neue Gesichter. Astrid Schill-Dunkel, die bereits neben dem Studium im Besucherbergwerk als Bergführerin jobbte, ist ab diesem Jahr hauptverantwortlich für die Grube und die darin angebotenen Führungen zuständig (wir berichteten).

Sie hat den Posten von dem langjährigen Grubenführer Peter Ströhlein (Artikel unten) erst in diesem Jahr übernommen. Außerdem konnte Schill-Dunkel weiteres Personal für die Führungen anwerben. Jetzt steht ein Pool aus drei erfahrenen Führerinnen und zwei Neulingen zur Verfügung.

Neue Gesichter in der Grube Gustav: (von links) Birgit Krüger, Ralph Friebe, Bürgermeister Friedhelm Junghans, Erik Horne, Astrid Schill-Dunkel, Karin Guimri, Virginia Sachleben, und Christine Fischer.

„Einfach war das nicht, denn der längere Aufenthalt unter Tage ist nicht für jeden geeignet.“ Die beiden Eschwegerinnen Karin Guimri und Birgit Krüger sind bereits als Stadtführerinnen in der Kreisstadt unterwegs.

Sie freuen sich auf die neue Herausforderung: „Die Stadtführungen sind anders organisiert. Außerdem ist die Geschichte der Grube Gustav interessant“, so Krüger.

Ebenfalls erfahren in Sachen Besucherführungen ist die aus dem Oberharz stammende Christine Fischer. Dort führt sie Gruppen durch Tropfsteinhöhlen und war in der Höhlenforschung unterwegs.

Als Neulinge konnte Schill-Dunkel die Eschwegerin Virginia Sachleben und den Abteröder Erik Horne gewinnen. „Astrid kann sehr überzeugend sein“, erzählt Sachleben lachend. Student Erik Horne ist das jüngste Teammitglied: „Ich war schon ein paar Mal hier und fand den Wechsel von der Position als Besucher hin zum Grubenführer interessant.“

Exponate gesucht

Für die Ausstattung in der Grube Gustav werden noch bergbauspezifische Ausstellungsstücke gesucht, wie Grubenführerin Astrid Schill-Dunkel berichtet. Wer etwas zur Verfügung stellen möchte, kann sich bei Schill-Dunkel oder der Gemeinde Meißner melden. Kontakt: Tel. 01 51/70 87 16 43 und Tel. 0 56 57/7500 oder per E-Mail an die Adresse grube-gustav@gemeinde-meissner.de

Die Technik

Die neue technische Ausstattung in der Grube Gustav basiert auf dem Konzept von Ralph Friebe. „Die Spielerei ist auf meinem Mist gewachsen“, so der Elektriker, der außerdem Höhlenbeauftragter beim Hessischen Landesverband für Höhlen- und Karstforschung ist.

Er gehört als Sicherheitsbeauftragter auch zum Team, wie Astrid Schill-Dunkel erklärt, engagiert sich aber ebenso wie Schill-Dunkel bereits seit Jahren im Besucherbergwerk. „Ich gehöre zum lebenden Inventar“, sagt er lachend.

Seit mehr als 20 Jahren ist er bereits Mitglied des Fördervereins und kümmert sich um die Technik. Friebe stellte dann auch den Kontakt zu der Firma her, welche die Erneuerung der Elektrik übernahm. Jedoch hatte er einen großen Anteil an dem jetzigen Konzept, wie Junghans und Schill-Dunkel hervorheben.

Da Friebe die Grube bereits gut kannte, plante er gemeinsam mit Ströhlein, welche Ausstattung gebraucht wird. Neben einer neuen auf die Grube Gustav abgestimmten Beleuchtung treffen Besucher nun nämlich auch auf die passenden Soundeffekte.

Der Förderverein

Während in den vergangenen zwei Jahren die technischen und personellen Probleme im Besucherbergwerk gelöst werden konnten, ist nun der Förderverein zum Sorgenkind geworden. Wie Junghans berichtet, verstarb im vergangenen Jahr der Vorsitzende. Bislang, auch Corona geschuldet, hätte hier noch kein Nachfolger gefunden werden können. Nun wolle sich die Gemeinde in einem nächsten Schritt darum kümmern und den Förderverein reaktivieren.

Die Führungen

Seit Anfang des Monats werden nun wieder Führungen im Besucherbergwerk angeboten. Zuerst in kleinen Gruppen, inzwischen können aber wieder bis zu 25 Personen teilnehmen, wie Schill-Dunkel bestätigt. In den hessischen Sommerferien ist die Grube, die nur mit Führung betreten werden darf, von Dienstag bis Sonntag zwischen 13 Uhr und 16 Uhr geöffnet. Außerhalb der Ferien gelten die gleichen Uhrzeiten, jedoch von Mittwoch bis Sonntag. Möglich sind auch Tagesanmeldungen vor Ort. Wer sichergehen will, kann sich telefonisch anmelden.

Kontakt: Astrid Schill-Dunkel, Tel. 01 51/70 87 16 43, Gemeinde Meißner 0 56 57/7500 oder per E-Mail an die Adresse grube-gustav@gemeinde-meissner.de.

Abschied nach zehn Jahren - Peter Ströhlein gibt Amt als Grubenführer ab

Abterode – „Mit Peter Ströhlein hatten wir großes Glück, er hat viel Engagement mitgebracht“, verabschiedete Bürgermeister Friedhelm Junghans den ehemaligen Grubenführer des Besucherbergwerks Grube Gustav in den Ruhestand. Zehn Jahre führte er die Grube in Meißner-Abterode. „Es war eine ganz harmonische Zusammenarbeit, deshalb hat es mich auch getroffen, als er seinen Rückzug ankündigte“, so der Bürgermeister weiter.

Zeit für den Ruhestand: der ehemalige ehrenamtliche Grubenführer Peter Ströhlein.

Unter Ströhlein sei etwa der Grubentaler ins Leben gerufen worden: Pro Eintritt wurde ein Euro zusätzlich kassiert, um für das Besucherbergwerk eine Rücklage zu bilden. Auch als es dann um die Erneuerung der Elektrik in der Grube ging, habe sich Ströhlein mit seiner Expertise über das Bergwerk eingebracht und Ralph Friebe, als Sicherheitsbeauftragtem der Grube, bei der Entwicklung eines neuen Konzepts tatkräftig unterstützt.

Ich frage mich noch heute, wie ihr auf mich gekommen seid

Peter Ströhlein, ehemaliger Grubenführer

Und das alles, obwohl Peter Ströhlein keine Ahnung von Bergbau hatte, wie er selbst erklärt. „Ich frage mich noch heute, wie ihr auf mich gekommen seid“, so Ströhlein zu Junghans. Der ehemalige Dortmunder war nicht mit der Abteröder Grube vertraut und habe das Leben unter Tage außerdem nur aus Berichten seiner Familie und der Brüder gekannt. Er selbst wollte nicht „dasselbe Schicksal ertragen“, wie er erzählt.

Die Zeit als Grubenführer hat er aber genossen und sich dabei jede Menge Wissen angeeignet. „Es war nie schlimm, wenn jemand mehr wusste. Schlimm war es, wenn Besucher gar kein Interesse hatten.“ In dem Zusammenhang erzählt er von einem der heißen Sommer in den vergangenen Jahren, als die Besucher nur kamen, um sich in der Grube abzukühlen – dort herrschen nämlich konstant zehn Grad Celsius.

Aus gesundheitlichen Gründen hat er sich dann im vergangenen Jahr jedoch dazu entschlossen, die Grubenführung abzugeben, wie er erklärt. Peter Ströhlein ist froh, dass mit Schill-Dunkel eine würdige Nachfolgerin gefunden wurde. Denn die Grube Gustav hätte er, wenn es hart auf hart gekommen wäre, nicht im Stich gelassen: „Notfalls hätte ich es noch zwei, drei Monate weitergemacht“, so der scheidende Grubenführer.

Von Hanna Maiterth

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