Greifvogel durch Windräder gefährdet

Wenig bekannter Wespenbussard ist in der Region heimisch

Wespenbussarde leben in allen größeren Waldgebieten des Kreises – so im Schlierbachswald, im Stölzinger Gebirge, am Meißner, im Kaufunger Wald und im Ringgau.
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Wespenbussarde leben in allen größeren Waldgebieten des Kreises – so im Schlierbachswald, im Stölzinger Gebirge, am Meißner, im Kaufunger Wald und im Ringgau.

In den Wäldern des Werra-Meißner-Kreises lebt ein ganz besonderer Greifvogel – der Wespenbussard. Gefahr droht ihm durch die Rotoren von Windrädern.

Das Erscheinungsbild des Wespenbussards

Nur wenig größer als der viel bekanntere und häufigere Mäusebussard unterscheidet sich der Wespenbussard von diesem durch längere Flügel, einen längeren Stoß, wobei Schwungfedern und Stoßfedern eine auffällige, dunkle Endbinde zeigen. Der Kopf wirkt schlank und beinahe taubenähnlich; der Schnabel ist lang, schmal und nur schwach gekrümmt. Das Kopfgefieder ist dicht und schuppenartig verdickt. Die Beine sind kräftig entwickelt und von dichten Schuppen bedeckt, die Krallen aber sind kaum gebogen.

Die Lebensweise des Wespenbussards

Das alles sind Anpassungen an die ungewöhnliche Lebensweise dieses Greifvogels. Wespenbussarde ernähren sich fast ausschließlich von der Brut der einheimischen Wespenarten. Durch ausdauernden Ansitz auf Bäumen am Rande von Waldwegen und Lichtungen beobachtet der Vogel, wo die Wespen im Eingang ihres Nestes verschwinden. Dann gräbt er die Wespennester aus und verzehrt die Larven und Puppen, oder er trägt Teile der Wespennester zum Horst, um seine Jungen zu füttern. Selten werden auch Hummelnester ausgegraben. In kühlen, nassen und damit wespenarmen Sommern erbeutet der Wespenbussard auch kleine Wirbeltiere, wie Frösche oder Jungvögel anderer Arten.

Die Verbreitung des Wespenbussards

Das Verbreitungsgebiet der Art umfasst fast ganz Europa und reicht bis in das westliche Sibirien. Bevorzugt werden lichte oder durch Freiflächen aufgelockerte Wälder besiedelt. Wespenbussarde sind Zugvögel, die als Langstreckenzieher in Afrika südlich der Sahara überwintern. Sie treffen im Brutgebiet sehr spät, meist nicht vor Mitte Mai, ein und verlassen Mitteleuropa bereits wieder ab Mitte August. Damit sind die Wespenbussarde nur etwa 100 Tage bei uns. Die Nester werden meist im Inneren geschlossener Wälder angelegt und mit belaubten Zweigen ausgelegt und getarnt.

Durch ausdauernden Ansitz auf Bäumen beobachtet der Vogel, wo die Wespen im Eingang ihres Nestes verschwinden. 

Das Vorkommen des Wespenbussards in der Region

Auffällig ist der wellenförmige Balzflug der Männchen über dem Brutrevier. Im Werra-Meißner-Kreis leben Wespenbussarde in allen größeren Waldgebieten, so im Schlierbachswald, im Stölzinger Gebirge, am Meißner, im Kaufunger Wald und im Ringgau. Dabei erreicht die Art in unserem Raum vergleichsweise hohe Siedlungsdichten.

Gefahr durch die Windkraft für Wespenbussard

Tödliche Gefahr: Windkraftanlagen, wie hier im Kaufunger Wald.

Wespenbussarde gehören wie die Rotmilane zu den durch den Ausbau der Windkraft im Wald besonders gefährdeten Vogelarten. Die Altvögel geraten nicht selten während der Balzflüge in den Todeskreis der Rotoren und werden getötet. Aktuell werden im Werra-Meißner-Kreis zahlreiche Windkraftanlagen in den Brutrevieren der Wespenbussarde geplant. Dies gilt ganz aktuell für die Windkraftplanungen im Wald am Naturschutzgebiet Graburg zwischen Netra und Weißenborn und am Naturschutzgebiet Dreiherrenstein zwischen Rambach und Rittmannshausen.

Von Dr. Jörg Brauneis

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