Meißner kämpft um Ökopunkte im Wert von 400 000 Euro

Blick über die Kreismülldeponie: Auf ihr sollen Büsche angepflanzt werden. Der Gemeinde ist das zu wenig, sie möchte weitere Ausgleichsmaßnahmen für die belastete Fläche. Foto:  Forbert /Archiv

Weidenhausen. Die Mülldeponie in Weidenhausen sollte rekultiviert werden. Weil der Boden nicht dick genug ist, fällt die Wiederaufforstung jetzt kleiner aus. Dabei geht es auch um viel Geld.

Weidenhausen. Friedrich Arnoldt ist sauer auf die Kreisverwaltung. Der CDU-Politiker aus der Gemeinde Meißner will deshalb heute während der Sitzung des Kreistags, dessen Mitglied er ebenfalls ist, seinen Unmut kundtun - es geht um die seiner Meinung nach fehlende Informationspolitik im Hinblick auf den Werdegang der Kreismülldeponie Weidenhausen.

Die Vorgeschichte

Die Mülldeponie, auf der kein Müll mehr abgelegt, sondern nur noch zwischengelagert wird, soll rekultiviert werden: Um den einstigen Eingriff in die Natur wieder gutzumachen, wurde 2007 beschlossen, auf dem Gelände Bäume zu pflanzen. Weil die dafür erforderliche Menge an Erde jedoch fehlt, ist das nicht mehr möglich. Im Gespräch sind statt der ursprünglich geplanten 4,5 Meter hohen Schicht an Erde jetzt noch 1,5 Meter. „Darauf werden Büsche gepflanzt, die ökologisch nicht so wertvoll sind“, sagt Meißners Bürgermeister Friedhelm Junghans. Der Gemeinde gehen so 1,2 Millionen Ökopunkte verloren, was knapp 400 000 Euro entspreche. Die möchte die Gemeinde gerne weiterhin ihrem Gebiet, im speziellen Weidenhausen, zusprechen - mit einer anderen Art von Ausgleich.

Das Problem

Doch darin liegt das Problem, was Arnoldt wie auch Junghans erzürnt: Sowohl die Kreistagsgremien als auch die Gemeinde habe man zu spät und nicht umfassend genug über die jetzt vage bekannt gewordenen Pläne informiert. „Der größte Teil der noch vorhandenen 400 000 Euro soll nach Niederhone fließen, wo die Renaturierung eines Kiesabbau-Gebietes stattfinden soll“, sagt Arnoldt. Von diesen Plänen haben sowohl die Kreistagsausschüsse als auch die Gemeinde erfahren, als schon alles mit der Oberen Naturschutzbehörde, die dafür zuständig ist, die Rekultivierungsformen zu genehmigen, abgesprochen war. „Das geht nicht, wir fordern ein Mitsprachrecht und eine transparentere Informationspolitik.“ Fordern wird er das heute während der Kreistagssitzung.

Die Sicht der Verwaltung

Den Vorwurf der schlechten Weitergabe von Informationen will sich der erste Kreisbeigeordnete Dr. Rainer Wallmann nicht gefallen lassen. „Wir haben die Kreistagsabgeordneten auf einer Veranstaltung vor Ort in Weidenhausen über die Pläne informiert und stehen auch mit der Gemeinde in regelmäßigem Kontakt.“ Zudem seien die Pläne noch nicht festgezurrt: „Wir sind noch im laufenden Prozess, was die Genehmigungen angeht, zudem können konstruktive Vorschläge für andere Ideen eingebracht werden.“ Dass das Gelände in Niederhone derzeit im Fokus stehe, liege an der Oberen Naturschutzbehörde in Kassel: „Die haben die Fläche vorgeschlagen.“

Wie es weitergeht

Bis Ende des Jahres wird die Genehmigung von der Oberen Naturschutzbehörde für die Ausgleichsmaßnahme auf der Deponie in Weidenhausen erwartet. Mit dem Bescheid wird zudem eine Frist für die Nennung der weiteren Ausgleichsmaßnahmen gesetzt. „Die müssen zwingend mit uns abgestimmt werden. Den Plänen, den größten Teil der 400 000 Euro nach Niederhone zu stecken, stimmen wir nicht zu“, macht Junghans klar. „Der Ausgleich gehört nach Weidenhausen.“

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Von Constanze Wüstefeld

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