Die Kirche im Dorf lassen

Gotteshaus in Frankershausen: Imposant und idyllisch zugleich

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Hell und freundlich: Die Kirche in Frankershausen präsentiert sich in einem top-gepflegten Zustand.

Viergewaltige Säulen sind das erste, was ein Besucher zu Gesicht bekommt. Schreitet er durch sie hindurch, erwartet ihn ein helles Querschiff, das durch seine 17 großen Fenster, drei weiße Emporen und hellrote Wände geprägt ist und sowohl in der Fläche als auch in der Höhe viel Raum bietet – ohne dabei überdimensioniert zu wirken. Eine beeindruckend imposante Ausstrahlung kennzeichnet die Frankershäuser Kirche.

Am Dorfrand gelegen, wird sie von grünen Wiesen und Feldern umgeben, direkt hinter ihr erstreckt sich der weitläufige Friedhof, ein alter Baum sticht inmitten der freien Fläche hervor und unterstreicht die historische Patina des Grundstücks. Wer zunächst von der Imposanz der Kirche überwältigt ist, erkennt schnell, dass ihr eine besondere Ruhe gepaart mit idyllischer Gemütlichkeit innewohnt. Die Kirche vereint alles, was Gäste bei ihren Besuchen benötigen: Sie ist zugleich ein Ort der Feierlichkeiten und des Gedenkens, ein Ort der Zwischenmenschlichkeit und der Abgeschiedenheit.

Bei Ausgrabungen wurde entdeckt, dass schon vor dem Jahr 1000 in vorromanischer Zeit eine kleine Kapelle auf dem heutigen Platz der Kirche stand. Bis 1200 entstand im Mittelalter ein schmales, hochromanisches Kirchenschiff mit einem Turm, dessen unterer Teil erhalten ist. Erstmals urkundlich erwähnt wurde die Kirche am 10. Juni 1277. In der anschließenden gotischen Zeit (bis 1500) wurde der Turm bis zu seiner derzeitigen Höhe ausgebaut; die Rundbögen im Chorraum wurden dabei zu gotischen Spitzbögen verkleinert. 1754 wurde der abenteuerlich anmutende Treppenaufgang zum Turm auf der Rückseite errichtet.

Ihre heutige Gestalt erhielt die Kirche in den Jahren 1827/1828: Unter der Leitung des Landbaumeisters Johann Friedrich Mathei wurde das baufällige Kirchenschiff abgerissen und durch das heutige klassizistische Querschiff ersetzt. Hinzu kamen die Säulen im Eingangsbereich und die Emporen an drei Seiten. 1902 wurde der offene, gotische Triumphbogen zwischen Chorraum und Kirchenschiff geschlossen und die Kanzel über dem Altar angebracht, bevor die Kirche 1974 ihre letzte Renovierung erhielt: Unter Pfarrer Mihr wurde sie farblich neu gestaltet und mit einer elektrischen Fußbodenheizung versehen. „In den letzten Jahren folgten natürlich kleinere Optimierungen“, ergänzt Klaus Kühnemuth vom Kirchenvorstand und betont, dass eine Kirche sich stets weiter entwickele. Zuletzt wurde 2019 die Elektronik mit einer LED-Beleuchtung erneuert. Die heutige Orgel wurde 1829 von Orgelbaumeister Krebaum errichtet und 1974 grundlegend restauriert. Besonders stolz ist die Gemeinde auf die Entdeckung einer wertvollen Altarplatte mit einem Gnostikerkreuz und einem Grabstein aus 1778, die im Turmraum aufgestellt sind.

Eine Besonderheit der Kirche ist die Bestuhlung: 90 Stühle sind im Erdgeschoss im Halbkreis angeordnet. Insgesamt existieren 200 Sitzplätze: „Am Platz soll es nicht liegen“, so Wilfried Becker vom Kirchenvorstand. Mit rund 640 Mitgliedern ist die Kirchengemeinde Frankershausen die größte der Ortschaften im Kooperationsraum Meißner-Berkatal.

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