Per Helicopter werden derzeit 800 Hektar Wald gekalkt

Aus der Luft: Kalk für den Wald

Hoher Meißner. Über dem südlichen Plateau des Hohen Meißners knattern Stunde um Stunde die Rotoren eines Helikopters. Immer wieder überfliegt der gelbe Hubschrauber das Waldgebiet, im Schlepptau einen riesigen Kübel, den Pilot Udo Schmid vom Cockpit aus öffnet und über dem Wald entleert. In dem zirka eine Tonne fassenden Behälter befindet sich feinkörniger Magnesiumkalk aus dem Dolomitgestein bei Vockerode, mit dem der Meißner dieser Tage aus der Luft gekalkt wird.

Der Hubschrauber steht in der Luft, ein Kipper belädt ihn.

Die Kalkung des Waldes, die zirka alle zehn bis 15 Jahre wiederholt wird, soll der Versauerung der Waldböden entgegenwirken. Als eine Art Schutzhülle soll der Kalk die Säuren, die durch verschiedene Arten von Umweltverschmutzung den Boden schwächen, neutralisiert werden. „Wir wollen nichts verbessern, sondern nur die Oberschicht des Bodens abpuffern“, so Günter Groß vom Forstamt Hessisch Lichtenau. Erreicht wird mit der Kalkung eine Tiefe von zirka 50 Zentimetern. Zwar habe der „saure Regen“, der noch in den 1980er Jahren zu einem regelrechten Waldsterben geführt hatte, durch Entschwefelungsanlagen deutlich nachgelassen, aber Stickstoffverbindungen, Nitrate aus Verbrennungsprozessen wie zum Beispiel von Autos sowie Ammonium aus landwirtschaftlichen Düngemitteln sind die aktuellen Hauptsäurequellen.

Im rasanten Drei-Minuten-Rhythmus lädt, fliegt und streut der Helicopter. Am Boden steht ein Kipper, der den Kübel befüllt, über ihm schwebt der Helicopter und wartet auf die Befüllung des Kübels. Ist der voll, zieht der Pilot den Hubschrauber samt Fracht steil nach oben und überfliegt den nächsten Streifen Wald und lässt es Kalk rieseln.

Große rote Schilder am Waldgebiet vor dem Großparkplatz warnen vor Lebensgefahr und weisen darauf hin, dass hier ein temporärer Hubschrauberlandeplatz ist. Dennoch - gesundheitsschädlich sei das Material nicht, versichert der Einsatzleiter vom Forstamt Heli, Martin Hennemuth, aber staubig.

Eigentlich sollte der Meißner bereits im Frühjahr gekalkt werden, doch dann musste der Forst zunächst auf die dort brütenden Schwarzstörche Rücksicht nehmen. Auch der Wald bei Dudenrode wird in den nächsten Tagen gekalkt werden, auch hier war eine Frühjahrskalkung nicht möglich, weil Rotmilane brüteten.

Insgesamt 13 000 Hektar Staatswald lässt das Forstamt in seinem Zuständigkeitsbereich kalken. Ausgenommen sind aber beispielsweise die Plesse bei Wanfried, die selbst fast komplett aus Muschelkalk besteht und damit als relativ ungefährdet gegen Übersäuerung gilt.

Drei Tonnen Kalk werden pro Hektar Waldfläche ausgebracht. Das kostet inklusive Hubschrauber, Material und dessen Anfahrt 160 Euro.

Bei gutem Wetter fliegt der Helikopter der bei Heilbronn ansässigen Firma Helixcopter unermüdlich über das Plateau. Nach anderthalb Stunden muss getankt werden. Etwa 200 Liter Kerosin hat der Hubschrauber in dieser Zeit geschluckt. Zum Auftanken landet Pilot Schmid samt Kübel einfach auf einem abgesperrten Gebiet des Großparkplatzes, das Kerosin befindet sich in einem Kleintransporter. Auch das dauert nur wenige Minuten, dann hebt der Helicopter wieder ab.

Von Stefanie Salzmann

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